Klosterlangheim
Geschichte

Katharinen-Portal ist "umgezogen"

Mit Günter Dippold ging der CHW auf Spurensuche nach den Relikten aus der Klosterzeit: eine spannende Exkursion durch Raum und Zeit in Klostrerlangheim.
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Wenn die Exkursion zur Volkswanderung wird: Geschätzt mehr als 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen machten sich am Samstag mit Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold auf Spurensuche nach Relikten aus der Klosterzeit in Klosterlangheim. Heidi Bauer
Wenn die Exkursion zur Volkswanderung wird: Geschätzt mehr als 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen machten sich am Samstag mit Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold auf Spurensuche nach Relikten aus der Klosterzeit in Klosterlangheim. Heidi Bauer
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Dass die Spuren des ehemaligen Zisterzienserklosters weit reichen, wissen viele. Doch wem ist bekannt, dass ein Teil des Klosters im heutigen Bode-Museum in Berlin steht? 1908 verkaufte ein geschäftstüchtiger Marktzeulner Händler das einzige, was von der historischen Katharinenkapelle Wertvolles übrig war, das Portal, an Geheimrat Bode für dessen Museum und da steht es heute noch. Bezirksheimatpfleger und Vorsitzender des Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) Günter Dippold begab sich auf Spurensuche. Es glich einer kleinen Volkswanderung, was sich da in dem Lichtenfelser Ortsteil abspielte. Trotz des miserablen Wetters mit Nieselregen und Kälte machten sich mehr als 200 Geschichtsinteressierte auf den Weg.

1132/33 wurde das Kloster Langheim gegründet, erläuterte Dippold. Die Lage im Talkessel der Leuchse sei typisch für ein Zisterzienserkloster, denn die Zisterzienser wollten sich nicht über Gott erheben. Doch hatte die Tallage auch Nachteile und erforderte deshalb besonderes technisches Geschick. Denn bei starkem Regen und Tauwetter drohten Überschwemmungen. Doch die Mönche machten aus der Not eine Tugend. Sie kanalisierten die Bachläufe und nutzten das Wasser für ihre Mühle, sie legten Regenrückhaltebecken an, die sie gleichzeitig als Teich für die Fischzucht und damit für die Nahrungsmittelversorgung nutzen und sie schufen ein ausgeklügeltes unterirdisches Kanalsystem.

Dass heute genau die Gebäude mit den Kernaufgaben fehlten, habe zwei Ursachen, analysierte Professor Dippold. Zum einen sei dies ein Großbrand, der 1802 die Gebäude der Klausur traf und maßgeblich schädigte. Zum anderen sei dies, und das sei die "eigentliche Katastrophe", die Politik, nämlich die Säkularisation, durch die ab 1803 das Eigentum vom Bamberger Bischof in weltliche Hände überging und das Kloster schließlich aufgehoben wurde. Da das Feuer 1802 nicht auf die ehemaligen Wirtschaftsgebäude übergegriffen habe, seien sie heute noch vergleichsweise gut erhalten: Büttnerei, Backhaus, Wagenremise.

Eine Begebenheit, die der Bezirksheimatpfleger am unteren Torhaus erläuterte, würden sich heute wohl viele Klosterlangheimer mit Blick auf die stark befahrene Durchgangsstraße sehnlichst wünschen: Die Straße führte einst nicht durch die Klosteranlage, sondern gabelte sich genau an jener Stelle an der ehemaligen Klostermauer und wurde in den 1770er nach Oberlangheim sogar als Chaussee ausgebaut. Schließlich wollten sich die Mönche abgeschieden vom Weltlichen ihren religiösen Aufgaben widmen.

Als das Kloster 1803 aufgelöst wird, ist das ein gravierender Einschnitt in der Geschichte des Ortes. Seien die Mönche mit 600 Gulden jährlich und der Abt mit dem Schlösschen in Trieb und einem Gebäude in Bamberg sowie 8000 Gulden jährlich bestens versorgt, so seien die Bürger und Handwerker vor Ort "die Blöden, weil ihr Dienstherr wegbricht", ihre Arbeitsplätze wegfallen, so Dippold.
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