Burgkunstadt
Interview

(K)ein Preis für die Ewigkeit: Burgkunstadter Komponist wird ausgezeichnet

Udo Langers künstlerische Arbeit wird gewürdigt. Wieder mal. Ein Gespräch über Mainstream und Weltformel.
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Medialer Overkill: Udo Langer Foto: Markus Häggberg
Medialer Overkill: Udo Langer Foto: Markus Häggberg

Der Deutsche Rock & Pop Preis existiert seit 1983 und ist renommiert. Zu seinen Aufgaben gehört die Förderung der Populärmusik und mit ihm verbunden sind Namen wir Ralph Siegel oder Heinz-Rudolf Kunze. Demnächst wird der Burgkunstadter Udo Langer (55) in Siegen mit dem Deutschen Rock & Pop Preis geehrt. Mal wieder. Ein Interview zu Hoffnungen, Befremdung, Neid und dem Rest.

Was bedeutet Ihnen der Preis?

Udo Langer: Dass es keine Eintagsfliege ist, was ich tue.

Sie erhielten ihn schon zweimal, berühmt wurden Sie deswegen nicht - enttäuscht?

Ne. Für mich zählt zuerst, dass ich schreiben darf und das meine Lebensfreude ausmacht.

Glauben Sie, dass man zu früheren Zeiten mit so einem Preis dem Durchbruch näher war?

Absolut. Es gibt genügend Beispiele von Preisträgern, weil der mediale Overkill nicht der war, den wir jetzt haben.

Schon mal Momente des Neids erlebt, auf Musiker, die erfolgreich sind, aber in Ihren Augen nicht preiswürdig?

Auf richtige Musiker nicht, auf Mainstream-Scheiße, mit der wir verblödet werden, schon.

Wann haben Sie letztmalig etwas erstmalig getan?

Ich war kürzlich zum ersten Mal in Wien und habe den Abschluss zum Birkenbihl-Trainer gemacht.

In nahezu allen Ihren Liedern ist "Liebe" der Schlüsselbegriff - was sagt das über Udo Langer aus?

Das ist für mich die Weltformel, die Formel des Universums. Aber die Formel zu erkennen ist das eine, sie zu leben das andere.

Hat Ihnen das häufige Besingen der Liebe schon mal den Vorwurf des Missionierungseifers eingebracht?

Ne, den mache ich mir manchmal selber und denke bei mir: Herrjeh, jetzt kommt schon wieder die Weltformel. Manche Führungspersönlichkeiten in Politik und Wirtschaft wären aber auch ausgeglichener, wenn sie ein erfüllteres Liebesleben hätten.

Was, wenn es ab morgen kein Komponieren mehr für Sie gäbe?

Dann würde ich mich von meinen Freunden verabschieden, weil ich davon ausginge, dass ich nicht mehr lange zu leben hätte.

Welche musikalischen Grenzen würden Sie gerne mal überschreiten?

Ich würde gerne eine Crossover-Geschichte zwischen einem großen Orchester und meiner Band machen. Das ist nicht so leicht, weil es von meinen Stücken keine geschriebenen Noten gibt.

Hadern Sie manchmal mit dem Musik-Business?

Ja, ich hadere. Weil alles umsatzgesteuert und kein Platz für Experimente ist. Ein Beispiel: Vor 20 Jahren sang Cher ein Lied mit Stimmverfremdungseffekt und diesen Effekt hören wir jetzt seit 20 Jahren in 40 Prozent aller Pop-Produktionen. Man sagt dem Pop nach, an Melodienreichtum verbraucht zu sein. Glauben Sie das?

Glaube ich so lange nicht, so lange die Industrie und die Maschinen nicht mehr und mehr die ganze Musik zur Retorte machen.

Ist der Mensch Udo Langer eitel?

Manchmal schon.

Und der Künstler Udo Langer?

Nein (...), wenn es der Sache diente, würde ich mit grünen Zöpfen auf der Bühne sitzen.

Welchen Missstand würde Udo Langer im Pop/Rock beheben, wenn es in seiner Macht stünde?

Ich würde dieses zahlengetriebene Sicherheitsdenken abschaffen und der Kreativität, der Neugierde und dem Ausprobieren mehr Raum schenken.

Welchem Vorurteil über sich möchte Udo Langer mal entgegentreten?

Ich weiß nicht, ob es Vorurteile über mich gibt.

Sie bekommen einen Preis, aber welchen Preis zahlen Sie als Kreativer?

Bin ständig am Ticken und beobachte ständig. Ich bin oft in meiner eigenen Welt und die ist, um es österreichisch zu sagen, manchmal recht ,schiach‘.

Wenn Sie die Wahl hätten: mehr Bekanntheit oder mehr Geld?

Wenn ich die Wahl hätte, dann mehr Geld, weil ich es einsetzen könnte, um meine Projekte unabhängig zu verwirklichen. Und man kann mit Geld Gutes tun. Auch anonym.

Das Gespräch führte Markus Häggberg



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