Lichtenfels
Ernährung

Jugendzentrum Lichtenfels tischt vegan auf

Sebastian Baumelt hat seiner chronischen Erkrankung eine erstaunliche Wende gegeben. Am Freitag, 14. März, erzählt er davon im Lichtenfelser Jugendzentrum. Dazu wird ein veganes Buffet angeboten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sebastian Baumelt
Sebastian Baumelt
Nudeln mit Spinatpesto, Kohlrouladen, Salate, ein indisches Reisgericht sowie Süßes und Pikantes aus dem Backofen wird Anna Marie Popadinets am Freitag im Jugendzentrum auftischen. Die junge Lichtenfelserin ist Veganerin und liebt es, für andere zu kochen. Schon einmal hatte sie dabei im JUZ unter Beweis gestellt, dass man auch ohne tierische Produkte sehr lecker essen kann. Witziges Motto der Veranstaltung: "Lasst die Sau raus!", wobei es hier weniger ums Betragen der Gäste als um den Tierschutzaspekt des veganen Lebensstils gehen dürfte...

"Ernährung neu entdecken", dazu lädt an diesem Abend Sebastian Baumelt ein. Der 23-jährige Industriemechaniker aus Bad Staffelstein lebt seit einem halben Jahr in Darmstadt, hat aber über Elternhaus und Freunde weiterhin Kontakt an den Obermain. Er war über zehn Jahre Leistungsturner beim TSV Staffelstein und über sieben Jahre aktiver BMX-Rad-Fahrer, bevor ihn eine Krankheit völlig aus der Bahn warf. Er führt es auf eine konsequente Ernährungsumstellung zurück, dass es ihm heute wieder gut geht. Davon möchte er anderen erzählen.

Wie alles begann

Zunächst dachte sich Sebastian Baumelt nichts, als er ab und zu, nach langen Arbeitstagen, ein leichtes Stechen im unteren Rückenbereich verspürte. Wochen vergingen, aber die Beschwerden besserten sich nicht, im Gegenteil, sie wurden häufiger. "Bei schnellen Bewegungen jagte ein stechender Schmerz im unteren Rücken bis in den Oberschenkel. Ich konnte weder rennen, noch joggen, noch ruhig sitzen." Gezieltes und intensives Physiotraining - der Arzt hatte eine Fehlstellung der Hüfte vermutet - halfen nichts. Neben dem Schmerz war die Beweglichkeit des Rückens bald stark eingeschränkt.

Bilder einer Kernspintomographie zeigten Flüssigkeit zwischen den Gelenkspalten im Bereich des Kreuzbeins und der unteren Lendenwirbelsäule. Blutuntersuchungen folgten. Eine Rheumatologin erklärte ihm, die Entzündungswerte in seinem Körper seien "jenseits von Gut und Böse" und sprach erstmals von "Morbus Bechterew". Ihm wurde erklärt, dass diese chronisch entzündliche, rheumatische Erkrankung unheilbar ist und dass seine Wirbelsäule dadurch von unten beginnend bis in die Halswirbelsäule verknöchern kann.

Mit Physiotherapie könne er diesen Vorgang verlangsamen. Für die Schmerzen wurde ihm eine medikamentöse Behandlung angeboten. Der Schmerz war inzwischen Dauerzustand. Vom Hochleistungssportler zum menschlichen Wrack - so beschrieb der junge Mann seinen Zustand im Sommer 2012. Er spürte, dass zunehmend auch seine Seele unter der Krankheit litt. Rheumatologen, Orthopäden, Sportmediziner, Physiotherapeuten, Ernährungsberater sowie Heilpraktiker konnten ihm nicht helfen. Seine Hobbys BMX-Rad-Fahren und Turnen musste er aufgegeben und versuchte, sich mit Kräftigungsübungen fitzuhalten.

Info-Suche im Internet

Im Internet stieß er auf Hinweise einer möglichen Beeinflussung seiner Erkrankung durch die Ernährung. Er beschloss, Vegetarier zu werden. Der stärkste Schub seiner Krankheit sollte aber erst noch kommen.

Sebastian Baumelt konnte in dieser Phase nicht mehr gehen, war über vier Wochen krank geschrieben, in seinem Körper waren hohe Entzündungswerte festgestellt worden. Er erinnerte sich an ein Video im Internet, in dem ein Mann darüber sprach, durch ausschließliche Ernährung mit veganer Rohkost von Morbus Bechterew geheilt worden zu sein. Sebastian Baumelt war bereit, auch diesen Schritt zu gehen. Er verzichtet seither auf jegliche tierische Produkte und isst zu 90 Prozent nicht Gegartes. "Es ist sehr schwierig im Alltag, und es gibt Leute, die mich deswegen belächeln", räumt er ein.

Keine Schmerzen mehr

Aber die Veränderungen, die er schon nach einem Tag bei sich feststellen konnte, machten den Verzicht und den höheren Aufwand mehr als wett. "Ich brauche keine Tabletten mehr, bin nahezu beschwerdefrei und war seit einem Dreivierteljahr nicht mehr beim Arzt", erzählt er. Er fühlte sich von Woche zu Woche gesünder, fitter, und ist nun wieder voller Lebensfreude.

Wenn man ihn fragt, ob er etwas vermisst, dann zählt der junge Mann nicht Wiener Schnitzel, Sahnetorte oder Salami-Pizza auf. Er erinnert sich viel mehr an die Zeit, in der der Sport im Mittelpunkt stand. Da hat er durch seine Erkrankung den Anschluss verloren. Aber inzwischen ist er wieder viel auf dem Rennrad unterwegs. pp
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren