Isling
Bundessieger

Isling erinnert sich: 50 Jahre Golddorf

Vor 50 Jahren gab es für Isling die Goldmedaille im Wettbewerb der Dörfer. Was sich verändert hat seither, was geblieben ist.
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Georg Denscheilmann und Herbert Mahr (v. r.) erinnern sich an den 27. August 1969, den Tag, an dem die Bundeskommission nach Isling kam. Beide spielten sie in der Blaskapelle und entdecken sich auf einem Foto. Fotos: Ramona Popp
Georg Denscheilmann und Herbert Mahr (v. r.) erinnern sich an den 27. August 1969, den Tag, an dem die Bundeskommission nach Isling kam. Beide spielten sie in der Blaskapelle und entdecken sich auf einem Foto. Fotos: Ramona Popp
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Die Musikanten werden wieder aufspielen nächste Woche, aber sie werden es entspannter tun als damals. Als Georg Denscheilmann und Herbert Mahr noch mit Posaune und Tenorhorn in ihren Reihen standen, achtete der Dirigent sehr auf die Haltung. Die Blaskapelle sollte etwas hermachen, wie das Dorf insgesamt. Ein Maurer von 31 Jahren (Denscheilmann) und ein 16-jähriger Stahlbauschlosser-Lehrling (Mahr) waren Mosaiksteinchen eines rundum stimmigen Bildes, als die Kommission kam. 50 Jahre sind vergangen, aber die Erinnerungen sind lebendig geblieben an den Tag, als Isling begutachtet wurde, um Golddorf zu werden.

Lange Vorarbeit

Die Scheunentore waren neu gestrichen, die Hühner weggesperrt, üppiger Blumenschmuck zierte Häuser und Vorgärten. "Alles picobello", sagt Roland Lowig. Der war auch dabei 1969; als 13-Jähriger wurde man zum Beispiel aufs Unkraut angesetzt. "Wir waren jeden Tag im Einsatz." Heute vertritt Lowig sein Dorf im Stadtrat von Lichtenfels und hilft mit, wenn etwas zu organisieren ist. So wie jetzt bei den bevorstehenden Festtagen zum Jubiläum "50 Jahre Golddorf". Im Pfarrheim ist man zusammengekommen, um eine kleine Ausstellung vorzubereiten. Alfred Göring ist auch dabei. Er war damals zehn. Heute zimmert er die Holztafeln für den beschilderten Rundweg.

Während sie Bilder und Zeitungsausschnitte auf den Tischen ausbreiten, lassen die Männer ein Stück Dorfgeschichte Revue passieren. Erzählt wird von den Vielen, die Teil des Erfolgs waren. Vom einstigen Kreisfachberater Horst Rohde ("ein feiner Mann"), der Rosen liebte, weshalb wohl auch besonders viele in Isling gepflanzt wurden (zum Jubiläum übrigens wieder!). Vom Bürgermeister Konrad Schnapp, der tüchtig an der Ortsverschönerung mitarbeitete, aber im März 1969 starb, acht Monate, bevor man in Bonn die ersehnte Medaille in Empfang nehmen durfte. Von seinem Nachfolger Leopold Zeulner, der ebenso motivierend wirkte wie der damalige Landrat Walther, der der 13-köpfigen Jury versicherte, Isling werde das Erreichte weiter ausbauen. Nicht zu vergessen Adam Sünkel, der drei Wochen später als Gemeindediener die frohe Kunde ausschellen durfte, dass Isling sich zu den zehn schönsten Dörfern auf Bundesebene zählen konnte, als erster Ort im Landkreis Lichtenfels übrigens.

"Was man hat, das hat man"

Verändert hat sich seither viel. Die kleinen Landwirtschaften gibt es nicht mehr, auch nicht die Läden, den Bäcker, die Polizei- und Poststelle, Schule, Mützenfabrik, den Doktor und die Hebamme. Ob es an der Gebietsreform liegt, oder daran, dass sich einfach die Zeiten geändert haben, oder an beidem, wer vermag das schon zu sagen? Seit 1978 ist Isling keine eigenständige Gemeinde mehr. 406 Einwohner zählt es. Wer möchte, kann in den zwei Gastwirtschaften ins Gespräch kommen, in Vereinen Anschluss finden. Ob eine Auszeichnung wie damals heute noch möglich wäre? Roland Lowig bejaht das. Seine Begründung hat aber weniger mit Beetbepflanzungen und Fachwerkfassaden zu tun, als mit dem, was ein schönes Dorf auch ausmacht: "Wir sind eine Gemeinschaft. Wir helfen zamm." Man werde sich aber keiner neuen Bewertung aussetzen, denn: "Was man hat, das hat man."

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