Michelau
Betriebsschließung

Invista gibt Standort Michelau auf

Am Invista-Sitz im oberfränkischen Michelau sind rund 140 Mitarbeiter von der geplanten Schließung betroffen. Um die Jahresmitte wird der Betrieb enden.
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Das Fabrikgelände von Invista in der Michelauer Ahornstraße Archivbild: Popp
Das Fabrikgelände von Invista in der Michelauer Ahornstraße Archivbild: Popp

Invista hat seine Pläne bekanntgegeben, den Garnverarbeitungs-Betrieb am Standort Michelau einzustellen. Davon betroffen sind 140 Mitarbeiter, die vergangene Woche informiert wurden. In einer Pressemitteilung ließ das Unternehmen verlauten, die Garnverarbeitung werde in der Region extern vergeben. Wie das konkret umgesetzt werden soll, wurde nicht erläutert. Es werde erwartet, "dass diese Maßnahme bis zur Jahresmitte 2019 abgeschlossen sein wird", hieß es weiter in der Stellungnahme. Aufgrund der Marktbedingungen, der Infrastrukturkosten des Standorts und der Produktionsmengen sei der Standort Michelau nicht wettbewerbsfähig. Die Entscheidung stehe im Einklang mit der Unternehmensvision für langfristigen Erfolg, indem Invistas operative Präsenz gestärkt werde. Oberste Priorität bleibe die Sicherheit der Mitarbeiter, einschließlich der Fremdfirmen, der Anwohner sowie der Schutz der Umwelt. Und weiter: "Der Standort Michelau blickt auf eine lange und erfolgreiche Geschichte mit einer starken Tradition zurück, die Invistas Vision für hervorragende Sicherheitsleistungen widerspiegelt." Die rund 140 Mitarbeiter werden laut der Mitteilung eine Abfindung erhalten. Zum Schluss betont das Unternehmen seine Verpflichtung, "in diesem Übergangsprozess allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stets mit Würde und Respekt zu begegnen".

Schwer vorstellbar, dass in der Ahornstraße einmal nicht mehr rund um die Uhr die Garnspulen rotieren werden. Dort wird die Basis für hochwertige Bodenbeläge hergestellt, die im Wohn- und Objektbereich eingesetzt werden. Gegründet worden war die Firma unter dem Namen Mitex 1969 von Franz Josef Angele, der bis zu seinem Tod im Jahr 2009 in Gundelsheim bei Bamberg wohnte. Noch mit 80 Jahren sah er regelmäßig im Betrieb nach dem Rechten. 2006 verkaufte er ihn an den Invista-Konzern, zuvor ein langjähriger Geschäftspartner. Die Übernahme hatte bei den rund 180 Mitarbeitern Befürchtungen ausgelöst: Würden Arbeitsplätze abgebaut? Doch es gab Entwarnung. Die Arbeitsplätze, deren Zahl zunächst sogar etwas anstieg, schienen sicher. Seitens der Geschäftsführung wurden Fortschritte in der Weiterentwicklung konstatiert. Eine bald angeschaffte neue Mustermaschine ermöglichte es, schneller auf Kundenwünsche einzugehen, eine Klimaanlage sollte Arbeitsbedingungen und Produktivität verbessern. Vor gut zehn Jahren also standen die Zeichen in dem Unternehmen auf Wachstum. Der Geschäftsführer wechselte einmal, bevor schließlich Willem Van Wijk eingesetzt wurde, der noch immer in Michelau ist. Bei der Frage nach Auskünften verwies er jedoch auf eine für Invista tätige Presseagentur mit Sitz in Berlin. Von dieser war vorgenanntes Statement zu erhalten.

Weltweiter Konzern

Invista ist eine Tochtergesellschaft der US-Gruppe Koch Industries, die zu den weltweit größten Unternehmen in Privatbesitz zählt. Der Mutterkonzern hat weltweit verschiedene Geschäftsbereiche. Eine der bekanntesten Marken, hinter denen er steht, dürfte Lycra® sein. Am Standort Michelau stand die Garnveredelung (Ineinanderdrehen der Fäden und Fixieren mit Dampf) im Vordergrund.



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