Ebensfeld
Auftritt

Individuell und doch geschlossen

Das Polizeiorchester Bayern gab ein Konzert in der Ebensfelder Dreifachturnhalle.
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Das Polizeiorchester Bayern begeisterte unter der Leitung von Chefdirigent Professor Johann Mösenbichler. Fotos: Andreas Welz
Das Polizeiorchester Bayern begeisterte unter der Leitung von Chefdirigent Professor Johann Mösenbichler. Fotos: Andreas Welz
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Ein Benefizkonzert von internationalem Rang begeisterte die Zuhörer am Samstag in der Ebensfelder Dreifachturnhalle. Das Polizeiorchester Bayern gastierte mit seinem Chefdirigenten Professor Johann Mösenbichler. Rund 500 Zuhörer erlebten ein breites musikalisches Spektrum, das im Rahmen der symphonischen Blasmusik von originalen Kompositionen bis hin zu Bearbeitungen von Stücken aller musikalischen Genres reichte.
Eingeladen hatte die Musikvereinigung Ebensfeld, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Wiederbeleben des 145 Jahre alten Vereins feiert. Schirmherrin war Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU). Moderator Peter Seufert führte mit Humor und Hintergrundinformationen durch den Abend.


Erlös für einen guten Zweck

Der Erlös des Benefizkonzerts ging zu Gunsten des Vereins Kivuko, der in Tansania die medizinische Grundversorgung durch einen Gesundheitsfond ermöglichen möchte. Die Schirmherrin berichtete von der Not in dem ostafrikanischen Land. Das Ziel des Vereins sei, kranken Menschen, die selbst das Geld für eine Behandlung nicht aufbringen können, zu helfen. Ein Teil des Erlöses kommt der Aktion "Helfen macht Spaß" zugute, die bedürftige Menschen im Landkreis Lichtenfels unterstützt.
Mit dem Königsmarsch von Richard Strauß leitete das Orchester das Konzert ein. Den Huldigungsmarsch komponierte Strauß während seiner Tätigkeit an der Königlichen Oper Berlin und war Kaiser Wilhelm II. in dessen Eigenschaft als König von Preußen gewidmet. Mit erhabenem musikalischem Gestus inszenierte das Orchester die Huldigung, berstende Klangdichte vermittelte den Auftritt des Herrschers. Schon jetzt zeigte Mösenbichler seine Liebe zu theatralischen Gesten. Wie ein Feldwebel auf dem Exerzierpatz dirigierte er seine Rekruten - der Einstieg war gelungen.
Die Ouvertüre zur Oper Wilhelm Tell von Gioacchino Rossini war so recht nach dem Geschmack der Zuhörer. Bei der schnellen Passage dem "Wilhelm Tell Galopp" wippte der Dirigent mit den Füßen und der Taktstock wirbelte wie eine Reitgerte durch die Luft. Feierlich und voller Harmonie erklang der Canterbury Choral von Jan Van der Roost. Das ruhige Stück mit seinen breiten Tönen hoben die Blechbläser klanggewaltig hervor, während die Flöten an die Orgel der mächtigen Kathedrale in Canterbury erinnerten.


Weltberühmter "Bolero"

Vor der Pause stand das weltberühmte Orchesterstück "Bolero" von Maurice Ravel auf dem Programm. Bei der meist gespielten Literatur für sinfonische Blasorchester entfalteten die Musiker die ganze archaische Wucht ihres Klangkörpers. Das war der Moment, auf den das Publikum gewartet hatte: Denn wo Ravel draufsteht, muss schließlich auch "Bolero" drin sein. Die entstehende Dynamik, die häufig als erotische oder manische Kraft des Boleros beschrieben wird, begeisterte die Zuhörer.
Mit dem Konzertmarsch "The Catalyst" von Orchestermitglied Manfred Hechenblaickner wehten im zweiten Konzertteil majestätische Klänge durch die Halle. Es folgte das Solo für Euphonium "For a Flower" von Hermann Pallhuber. Solist Tobias Epp entfaltete den ganzen Klangreichtum des Instruments, das einen weichen, aber auch spitzen, lauten Klang haben kann. Im symphonischen Bereich wird das Euphonium - wenn überhaupt - solistisch eingesetzt, und zwar für bestimmte Partien in meist spätromantischen Werken.
Die Ouvertüre zum Musical "Wunderful town" von Leonard Bernstein war dem 100. Geburtstag des amerikanischen Komponisten gewidmet. Hier ließ das Orchester den Geist der pulsierenden Metropole New York aufleben, der Stadt, die niemals schläft. Munter und beschwingt intonierten die Musiker den "Hochzeitstanz" von Jacques Press aus der sinfonischen Suite Hasseneh. Mit einem kräftigen "Hey" beendete Mösenbichler das muntere Treiben.
Die "Armenischen Tänze" von Alfred Reed, ein Meisterwerk sinfonischer Blasmusik beschlossen den musikalischen Reigen.
Chefdirigent Johann Mösenbichler entfaltete virtuos den mächtigen Klangkörper. Fast dämonisch rief er seine Geister mit Gestik und wehenden Rockschößen.
Das hoch disziplinierte Ensemble folgte ihm in verschiedenen Tonarten und Tempi. Die Präzision im Zusammenspiel, aufeinander hören, Leidenschaft für ein gemeinsames Ziel, Balance zwischen Individualität und Geschlossenheit - das waren entscheidende Faktoren des erfolgreichen Konzerts. Bei der Zugabe "Amazing Grace", ein englischsprachiges geistliches Lied, das zu den beliebtesten Kirchenliedern der Welt zählt, forderte der Dirigent zum Mitsingen auf. Und dann erfüllte Chorgesang die Turnhalle der Pater-Lunkenbein-Schule. Der Dirigent war begeistert: "Ihr seid die Metropole Bayerns", rief er den Sängerinnen und Sängern zu.
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