Kutzenberg
Gesundheit

In rund 85 Prozent der Fälle ist Rauchen die Ursache von Lungenkrebs

Der 22. Deutsche Lungentag des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg thematisierte auch Krebserkrankungen.
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Der Lungentag in Kutzenberg gewährte einen Blick hinter die Kulissen der medizinischen Abläufe. So konnten die Besucher am Dummy selbst eine Endoskopie "vornehmen". Foto: Mario Deller
Der Lungentag in Kutzenberg gewährte einen Blick hinter die Kulissen der medizinischen Abläufe. So konnten die Besucher am Dummy selbst eine Endoskopie "vornehmen". Foto: Mario Deller
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Die Bedeutung von Hygiene, der Blick per Endoskopiegerät in die "Lunge" eines Dummys oder der Dialog mit Vertretern einer Selbsthilfegruppe oder mit Auszubildenden der Berufsfachschule für Krankenpflege - der Deutsche Lungentag des Bezirksklinikums Obermain bot am Samstagnachmittag wie immer eine Vielfalt an Informationen und Mitmachmöglichkeiten. Diätassistentinnen reichten den Besuchern frische Smoothies und gaben ihnen Tipps für eine gesunde Ernährung. An anderer Stelle wurde den Besuchern die wohltuende Wirkung der Inhalation bewusst gemacht, und sie konnten auch ihre Lungenfunktion testen. Die Besucher konnten mit den Mitarbeitern des Hauses ungezwungen plaudern, die Lungenklinik und damit interdisziplinär verbundene Abteilungen kennenlernen und dabei auch Berührungsängste abbauen.

In seinem Vortrag nach der Eröffnung durch Bezirkstagspräsident Henry Schramm beleuchtete Saleh Al Hamoud, Chefarzt der Klinik für Erkrankungen der Atmungsorgane, Allergologie, Umweltmedizin und Schlafmedizin im Bezirksklinikum Obermain, ein Thema, das viele am liebsten wegschieben würden, das aber bei jeder Zigarette mitschwingt: Lungenkrebs. Es könnten, wie der Chefarzt ausführte, auch andere Faktoren wie Stickoxide in der Luft, Radon oder bereits bestehende chronische Infektionen der Lunge zu Karzinomen führen. In rund 85 Prozent der Fälle sei Lungenkrebs aber auf das Tabakrauchen zurückzuführen. "Mit dem Rauchen aufhören lohnt sich", betonte Al Hamoud. Wie die Zuhörer erfuhren, verbessert sich nach drei Monaten Abstinenz die Lungenfunktion um 30 Prozent, nach zehn Jahren ist das Lungenkrebs-Risiko wieder auf das eines Nichtrauchers gesunken.

Die Immuntherapie

Al Hamoud ging auf präventive Maßnahmen wie gesunde Ernährung, Bewegung und Maßnahmen zur Reduktion der Radonbelastung ein, aber auch auf mögliche Therapien bei Lungenkrebs. Entstehen Lungenkarzinome infolge von Genveränderungen könne etwa der Einsatz von speziellen Medikamenten sinnvoll sein. Natürlich hänge die Art der Behandlung davon ab, in welchem Stadium das Karzinom erkannt wurde. Auf die vielzitierte Immuntherapie kam der Referent ebenfalls zu sprechen. Er nannte aus eigener Erfahrung Fälle, in denen die Tumorzellen damit gut und wirksam bekämpft wurden, bei anderen Betroffenen schlug diese Behandlungsform aber fehl. "Man darf die Immuntherapie daher nicht als Allheilmittel verkaufen", warnte er vor falschen Erwartungen.

Bevor das Programm mit Mitmachaktionen und Informationsständen in drei Häusern des Bezirksklinikums startete, standen bei einer Expertenrunde fünf Ärzte aus drei Kliniken den Zuhörern Rede und Antwort. Neben Al Hamoud waren dies Steffen Gerlach und Rumo Leistner, Chefärzte am Klinikum Bamberg, sowie Chefarzt Alfons Kreczny und Sakka Mazen vom Klinikum Coburg. Ein Besucher erzählte, dass er nach 45 Jahren Zigarettenkonsum nun auf "E-Dampfer" umgestiegen sei. "Die E-Zigaretten sind nicht harmlos", entgegnete Leistner. Das Ziel müsse darin bestehen, von der Sucht loszukommen. "Daher stellen die E-Zigaretten für mich höchstens ein Behelfsmittel dar, aber mit Sicherheit keinen Lösungsweg".

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