Laden...
Marktgraitz
Ländliche Versorgung

Entsteht in Marktgraitz ein Dorfladen in Bürgerhand?

Marktgraitz möchte die Versorgungslage der Bürger im Ort verbessern. Helfen dabei soll ein Dorfladen, bei dem die Bevölkerung selbst aktiv werden kann.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hier war früher der Sparmarkt und die Bäckerei in Marktgraitz. Foto: Tobias Kindermann
Hier war früher der Sparmarkt und die Bäckerei in Marktgraitz. Foto: Tobias Kindermann

Bis vor knapp zwei Jahren war die Versorgungslage im Markt Marktgraitz gut. "Wir hatten einen Sparmarkt mit Lotto-Annahmestelle und Bäcker, einen Metzger und einen Getränkemarkt", sagt Bürgermeister Jochen Partheymüller (Freie Wähler).

Dann schloss der Sparmarkt, der mitten im Zentrum des Ortes war, der für die ältere Bevölkerung gut war, die nicht mehr so mobil ist. "Aus Altersgründen konnten die Betreiber den Laden nicht mehr weiterführen", sagt der Bürgermeister.

Marktgraitz: Es fehlt ein Supermarkt

Ein Teil der Grundversorgung brach im Ort dadurch weg. "Den Metzger und den Getränkemarkt haben wir noch im Ort. Und das ist gut so. Aber es fehlt ein kleinerer Supermarkt, bei dem man Butter, Eier, Milch und Nudeln kaufen kann", beschreibt Jochen Partheymüller die Wünsche.

Daraufhin bewarb sich die Gemeinde für das Förderprogramm "Marktplatz der Generationen" und bekam eine Beraterin an die Seite gestellt. Im Rahmen dessen besuchte Jochen Partheymüller ein Seminar zum Thema Dorfladen. "Wolfgang Gröll erzählte dort von seinem Konzept und das hat mich sofort begeistert. Und ich habe ihn nach Marktgraitz eingeladen", sagt Jochen Partheymüller.

Vor knapp drei Wochen hielt Wolfgang Gröll, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Dorfladen-Netzwerk, einen Vortrag über sein Konzept: "Ein Dorfladen kann mehr sein, als nur reiner Verkauf von Ware für die Grundversorgung. Er spielt auch sozial eine Rolle, wenn man noch ein Café in den Laden integriert, ist er zugleich ein Treffpunkt im Ort, an dem man sich austauschen kann."

"Kein reiner Tante-Emma-Laden"

170 Dorfläden hat Gröll in Bayern schon gegründet. "Ein Dorfladen schafft neue Arbeitsplätze im Ort und mit einer Bürgergenossenschaft kann sich jeder im Ort daran beteiligen. Und das von Anfang an."

Für den Erfolg des Ladens ist aber jeder Ort selbst verantwortlich und daran glaubt Jochen Partheymüller: "Durch dieses Konzept haben wir viele Möglichkeiten. Es ist dann kein reiner Tante-Emma-Laden, der das nötigste verkauft - eher ein kleiner Supermarkt."

Es gäbe Direktvermarkter im Ort, die integriert werden könnten und auch ein Café wäre eine Option, laut Partheymüller, da es keines im Ort gäbe.

100 Interessierte waren bei dem Informationsabend im Pfarrzentrum. "Es waren Direktvermarkter dabei, Leute, die dort einkaufen würden, aber auch solche, die sich daran beteiligen würden", beschreibt Partheymüller die Situation. "Eine gewisse Skepsis war natürlich auch dabei, aber deswegen wollen wir die Bürger jetzt weiter informieren, damit keine Unklarheiten entstehen."

"Es soll keine Konkurrenz für den bestehenden Metzger und den Getränkemarkt geben. In dem Dorfladen sollen solche Produkte nicht angeboten werden, außer von den beiden Geschäften selbst", betont der Bürgermeister.

Auch die bürgerliche Beteiligung ist keine Pflicht. " Jeder der sich beteiligen möchte, kann einen Anteil in Höhe von 300 Euro zeichnen. Das ist aber keine Verpflichtung. Es geht dabei auch eigentlich nicht primär um das finanzielle, sondern eher um die Geste der Unterstützung des Projektes", versichert Jochen Partheymüller.

"Ich würde mich freuen, wenn viele einen kleinen Anteil zeichnen und nicht nur ein kleiner Teil große Anteile zeichnet."

Gemeinderat muss über Angebot entscheiden

Die Rentabilität des Ladens zeigt Wolfgang Gröll in einer einfachen Rechnung auf: "Wenn jeder der 1200 Bürger pro Woche für acht Euro in dem Laden einkauft, dann haben wir in einem Jahr einen Umsatz von 500.000 Euro gemacht."

Und ein Umsatz von acht Euro in der Woche sollte für jeden machbar sein, findet Partheymüller: "Wenn jeder dort alles kauft, was er benötigt, dann kommen 8 Euro schnell zusammen. Eier, Brötchen, Butter, Milch und Gemüse brauchen wir regelmäßig und können es dann direkt vor Ort besorgen."

Bis allerdings wirklich im Laden eingekauft werden kann, ist noch ein weiter Weg. "Innerhalb von neun bis 12 Monaten kann so ein Dorfladen entstehen. Immer abhängig davon, was alles getan werden muss", sagt Wolfgang Göll aus seiner Erfahrung.

Als nächstes ist aber Marktgraitz und Jochen Partheymüller am Zug: "Wolfgang Gröll wird uns jetzt ein Angebot für seine Tätigkeit machen, darüber entscheidet dann der Gemeinderat. Stimmt dieser zu, wird der Markt analysiert und ein Arbeitskreis aus den Bürgern gebildet, die können sich bei der Planung mit einbringen und entscheiden, wie groß der Laden werden, was es geben soll und wer dort mitmacht. Erst dann wird der Dorfladen gegründet und es fließt Geld von den Leuten, die zeichnen."

Bürgerbeteiligung ist Partheymüller wichtig

Ein Punkt ist Jochen Partheymüller auf diesem Weg besonders wichtig: "Die Bürger sollen so früh wie möglich mit dabei sein, denn sie sollen dort einkaufen und ihre Bedürfnisse befriedigen können. Der Dorfladen soll ein Laden von den Bürgern für die Bürger sein. Es ist nicht mein Laden und auch nicht der des Gemeinderates. Sondern es soll unser Laden sein."

Wo genau der Laden entstehen soll ist noch unklar. Vier Standorte fasst der Bürgermeister bereits ins Auge, sprechen möchte er aber nicht darüber. Denn die Bürger sollen entscheiden, wo der Laden sein soll.

 

Lesen Sie zusätzlich aus Lichtenfels auf inFranken.de: Sturmtief "Eberhard" fegte durch den Landkreis