Bad Staffelstein
Geschichte

In einer Stadt vor unserer Zeit

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Der König dankte ab und Bayern wurde Freistaat. Doch was brachte diese Wende für ein Landstädtchen wie Staffelstein? Mit Bezirksheimatpfleger Günter Dippold machen wir eine Zeitreise.
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Diese zeitgenössische Ansichtskarte zeigt den Staffelsteiner Stadtturm und den Lauterbach zu Beginn des 20. Jahrhunderts.Archiv
Diese zeitgenössische Ansichtskarte zeigt den Staffelsteiner Stadtturm und den Lauterbach zu Beginn des 20. Jahrhunderts.Archiv
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"Der Krieg stellte die ganze Wirtschaft und das Alltagsleben um, was nicht ganz ohne Folgen blieb", sagt Günter Dippold. Für das agrarisch geprägte Landstädtchen Staffelstein und seinen Bezirksamtssprengel - den späteren Landkreis - mit rund 19 000 Einwohnern brachte das Kriegsende im November 1918 unmittelbar keine umwälzenden Änderungen. In den folgenden Jahren änderte sich jedoch vieles.

Staffelstein besaß zu jener Zeit vor allem kleinhandwerkliche Betriebe. Das einzige Industrieunternehmen, das diesen Namen verdient, war die Brauerei Brütting. Die Porzellanfabrik in Hausen florierte noch, sie ging erst in den 1930er-Jahren in den Konkurs. "Das Haus Wittelsbach war noch präsent durch den Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern, dem der Banzer Wald und das Forthaus gehörte", sagt Günter Dippold. Durch den Krieg war der Tourismus am Obermain, die Sommerfrische, zum Erliegen gekommen. Die Brauereien kränkelten und die Wallfahrten nach Vierzehnheiligen waren weniger geworden.

Staat übernahm Schulaufsicht

Wichtigster gesellschaftlicher Einschnitt in dieser Zeit war nach Ansicht von Günter Dippold, dass infolge des Umbruchs die Schulaufsicht gefallen ist. Bis dahin hatten Geistliche als Schulinspektoren die staatliche Kontrolle ausgeübt. Der 1847 in Staffelstein geborene Johann Baptist Schubert, der "Vater der bayerischen Volksschullehrer", hatte für diese Umwälzungen jahrzehntelang gekämpft. Er erlebte das noch zu seiner Amtszeit als Vorsitzender des Bayerischen Volksschullehrervereins, dem heutigen BLLV.

Die kriegsmüde Bevölkerung war bei den Wahlen zunächst für die Sozialdemokratie eingetreten. Weil der Friede aber nicht mit Ruhe und Wohlstand einherging, änderte sich das bald wieder - Altes wurde verklärt. Versorgungsprobleme und die weiter existierenden kriegswirtschaftlichen Strukturen bereiteten vor allem den Bauern großes Missvergnügen. Die Landwirte konnten nämlich nicht sofort frei wirtschaften, sondern brauchten Schlacht- und Mahlscheine. Sie befanden sich somit weiter an der Kandare der Bürokraten.

Zudem ließ sich die Kriegswirtschaft nicht von heute auf morgen umstellen: Die Korbmacherbetriebe am Obermain hatten jahrelang in großem Umfang Geschosskörbe für Artilleriegranaten hergestellt - dieser Produktionszweig fiel nun weg. Zudem fanden die Betriebe nicht sofort wieder Kontakt zu ihren Vorkriegs-Hauptabsatzmärkten, denn Großbritannien und Frankreich - jeweils mit ihren Kolonien - sowie die USA waren ja Kriegsgegner gewesen.

Eine Besonderheit Staffelsteins bestand zu jener Zeit in einem kleinen Elektrizitätswerk, das 1906 zwischen Bahnhofstraße und Lauterbach errichtet worden war. Das Kraftwerk, das mit Dampfgeneratoren ausgestattet war, hatte keine große Kapazität. Es versorgte aber immerhin einfache Handwerksmaschinen mit Energie. Als in den 1920er-Jahren die Überlandversorgung mit elektrischem Strom eingerichtet wurde, verschwand es wieder.

Der Staffelsteiner Bezirksamtssprengel besaß damals bei Seßlach Landesgrenzen zu zwei Anrainerstaaten: Sachsen-Meiningen und Sachsen-Coburg. Die Versorgungslage dort war zu jener Zeit wohl schlechter als in "Butterbayern", die politische Situation war unsicherer. Die Folge: Der Freistaat Coburg wurde nach einer Volksabstimmung 1919 am 1. Juli 1920 mit Bayern vereinigt.

Bücher zum Thema

"Die Schlafwandler - Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog" von Christopher Clark

"Griff nach der Weltmacht - Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18" von Fritz Fischer

"Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg" sowie "Die deutsche Revolution 1918/19" von Sebastian Haffner

"Bad Staffelstein - Kleinod im Gottesgarten am Obermain" von Günter Dippold



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