Vierzehnheiligen

In der Gemeinschaft geborgen

Im Diözesanhaus in Vierzehnheiligen begeht eine Gruppe älterer Menschen ganz besondere Advents- und Festtage.
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Die Teilnehmer beim gemeinsamen Schmücken des Weihnachtsstraußes. Fotos: privat
Die Teilnehmer beim gemeinsamen Schmücken des Weihnachtsstraußes. Fotos: privat
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Zum zweiten Mal bietet das Diözesanhaus heuer eine Weihnachtsfreizeit für Senioren an. 29 Anmeldungen liegen vor, etwa so viele wie im Vorjahr. "Wir haben die Idee von woanders übernommen. Die Resonanz ist für uns auch eine Überraschung", sagt Elmar Koziel, der Rektor der Bildungsstätte. "Es scheint einen Bedarf zu geben." Er selbst ist, gemeinsam mit einigen Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen, auch in das Programm eingebunden - vor allem bei den Gottesdiensten, die alle in der Hauskapelle stattfinden. Dorthin kann jeder, auch diejenigen, die auf eine Gehhilfe angewiesen sind, selbst gelangen. Das ist bequemer als der Weg in die Basilika. Das Ambiente in der Nähe der Wallfahrtskirche und des Klosters genießen viele der Teilnehmer nicht zum ersten Mal. Hannelore Friedl, die die Leitung der Seniorenfreizeit inne hat, kennt gut die Hälfte der Angemeldeten schon, entweder von den Weihnachtstagen im Vorjahr oder von anderen Veranstaltungen für Senioren, die unter ihrer Regie stattfanden.

Friedl hat vor fast 20 Jahren ehrenamtlich damit begonnen, älteren Menschen ihre Zeit und Kreativität zu widmen. Inzwischen hat die Bambergerin eine Ausbildung zur "Mentalen Aktivierungstrainerin" absolviert und etliche Seminare besucht. Zum Kursprogramm in Vierzehnheiligen steuert sie regelmäßig etwas bei. Angefangen hatten ihren Einsätze tatsächlich mit einer Weihnachtsfreizeit für Senioren, allerdings in Gößweinstein und Bad Bocklet. Als die Caritas dieses Angebot nicht mehr fortsetzte, gab sie den Anstoß dazu, am Obermain etwas Vergleichbares zu etablieren. Der Versuch kam an. Die Gründe, über Weihnachten nicht zuhause sein zu wollen, sind unterschiedlich, berichtet Hannelore Friedl, die selbst verwitwet ist, Verwandte hat, die weiter weg wohnen und wohl verreisen würde, wenn sie nicht diese Aufgabe übernommen hätte. Manche derjenigen, die in diesen Tagen ins Diözesanhaus kommen, seien einsam, weil der Ehegatte gestorben ist, manche wollten das Fest einfach mal anders erleben, manche "flüchten" auch vor dem eigenen Geburtstag und einer möglichen Gratulantenschar, andere wiederum, weil es in ihren Familien Spannungen gibt.

"Es ist eine sehr sensible Zeit", sagt die Leiterin. "Da ist man näher an den Tränen als am Lachen." Trotzdem kommt keine Trübsal auf, dafür sorgt ein vielseitiges Programm für die zehn Tage, die an diesem Freitag beginnen. Mal gibt es einen Vortrag, mal etwas Bewegung, mal Musik, mal etwas Gestalterisches oder Besinnliches - immer sind es Angebote, zu denen man sich einfinden kann, aber nicht muss. Ein Großteil nutze diese Möglichkeiten zum Miteinander, weiß Hannelore Friedl aus Erfahrung. Spätestens bei den Mahlzeiten seien wieder alle beisammen. Und ja, da komme schon das Gefühl von Geborgenheit auf. Manche Teilnehmer kennen sich von früheren Weihnachtsfreizeiten und freuen sich darauf, sich hier wieder zu treffen. Einige sehen sich auch ab und zu unterm Jahr, rufen sich an, halten Kontakt. "Es haben sich Freundschaften gebildet, das finde ich ganz toll", erzählt sie. Für sie selbst erfordern diese Advents- und Weihnachtstage zunächst einmal eine lange Vorbereitung.

Planung ab Herbst

"Die Planung beginnt schon im Herbst." Besser klappt das Ganze dank gewisser Unterstützung, etwa von einer Frau, die ihr aus Papier Sterne, Türschilder und Tischkärtchen ausschneidet. Den Weihnachtsstrauß, der in der Mitte des Raumes am Boden platziert wird, schmücken die Teilnehmer dann vor Ort mit den bereit gestellten Anhängern gemeinsam. Und zu den heiteren Höhepunkten zählt die Verlosung am Schluss, für die Hannelore Friedl nette Kleinigkeiten, auch sogenannte "ungeliebte Geschenke", zusammengetragen hat, die nun entweder gleich wirklich Freude machen oder zu Tauschaktionen führen.

In die Gestaltung der Tage eingebunden zu sein, das gefällt Marga Rödl besonders. Die 84-Jährige aus Erlangen wird heuer zum zweiten Mal ihr Weihnachtsfest in Vierzehnheiligen verbringen. Und das, obwohl sie vier Kinder hat und gewiss nicht einsam wäre.

"Ich könnte zu jedem von ihnen", betont sie. Die Kinder zu sich einladen, wie früher, als ihr Mann noch lebte, das wäre ihr inzwischen zu viel. Da wolle die Zeit lieber unter Ihresgleichen verbringen und freue sich, wenn eines der Kinder sie hinfährt. "Es ist einfach schön!" schwärmt sie.

Man fühle sich in Vierzehnheiligen immer herzlich willkommen, freue sich auf das gute Essen, und es sei eine schöne Gemeinschaft entstanden: "Wir sind wie eine große Familie."

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