LKR Lichtenfels
Tafel

Im Gegensatz zur Essener Tafel: Tafeln in Lichtenfels für alle offen

Die Lichtenfelser Tafel Plus und die Burgkunstadter Tafel hingegen heißen alle Bedürftigen willkommen - sie stehen vor ganz anderen Herausforderungen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Werner Häfner und Marianne Baußenwein bereiten die Verteilung der Lebensmittel bei der Lichtenfelser Tafel vor.  Fotos: Tobias Kindermann
Werner Häfner und Marianne Baußenwein bereiten die Verteilung der Lebensmittel bei der Lichtenfelser Tafel vor. Fotos: Tobias Kindermann
+2 Bilder
Die Aufregung um die Essener Tafel war groß: Bedürftigen ohne deutschen Pass wurde die Essensausgabe verweigert, weil sich die anderen Kunden zunehmend unwohler gefühlt haben. Im Landkreis Lichtenfels gibt es diese Probleme nicht (mehr).
Sowohl bei der Lichtenfelser Tafel Plus als auch bei der Burgkunstadter Tafel ist jeder herzlich willkommen, ganz egal, welcher Nation er angehört. Ulrike Kuhn, stellvertretende Vorsitzende der Burgkunstadter Tafel, macht deutlich: "Jeder, der berechtigt ist, zu uns zu kommen, wird versorgt." Sie fügt jedoch hinzu, dass sie nicht über andere Tafeln urteilen möchte. Schließlich seien die Probleme bei größeren Tafeln womöglich anders als bei ihrer überschaubaren Essensausgabe.
Stefanie Renner, Projektleiterin der Tafel Plus Lichtenfels, vertritt eine klare Meinung: "Jeder Bedürftige bekommt bei uns etwas. Wenn es mehr werden, bekommt jeder weniger. Wem das nicht passt, der soll das Angebot nicht wahrnehmen."


Startschwierigkeiten in 2015

Der Flüchtlingsanteil bei der Lichtenfelser Tafel Plus beträgt bei 200 berechtigten Haushalten etwa 40 Prozent. In Burgkunstadt haben Flüchtlinge etwa ein Drittel der 111 Tafelausweise. Probleme bei der Warenausgabe gibt es laut Angaben beider Tafeln nicht. Als 2015 die Flüchtlingswelle kam, sah das noch anders aus.
Damals gab es Probleme, erklärt Ulrike Kuhn, weil die Mentalität der neuen Kunden eben anders ist als die der Deutschen. So haben sie am Anfang wohl gedacht, die Tafel wäre ein Basar. Auch Stefanie Renner beobachtete dieses Verhalten: "Sie fassten die Lebensmittel an und wühlten in den Kisten, was den anderen Kunden natürlich nicht gefiel." Doch die Startschwierigkeiten konnten sich schnell durch klärende Gespräche und Regeln beheben lassen.
"Am Anfang hatten viele Kunden Angst, dass sie jetzt viel weniger zu Essen bekommen", führt die Tafel-Plus-Leiterin fort. "Ich habe dann eine klare Ansage gemacht, dass wir niemanden ausschließen werden. Außerdem haben sie schnell gemerkt, dass die Sorgen unbegründet sind." Denn die Essgewohnheiten seien verschieden. "Während die Deutschen eher Fleisch und Fruchtjoghurt mitnehmen, greifen die Flüchtlinge lieber zu Gemüse und exotischeren Sachen, die sonst liegen blieben."
Zudem seien die Flüchtlinge sogar zurückhaltend und ruhig. Aufgrund der fehlenden Kühlmöglichkeit in ihren Unterbringungen nehmen viele von ihnen nur kleine Tüten mit. "Wenn es mal Probleme gibt, dann liegt das, denke ich, einfach in der Natur des Menschen. Dann geht es nicht darum, ob jemand einen deutschen Pass hat oder nicht, sondern nur, ob jemand vermeintlich mehr erhält als der andere", erklärt Ulrike Kuhn. Konflikte gebe es aber selten. "Das liegt vielleicht daran, dass es bei uns sehr überschaubar ist, wir kennen viele persönlich." Auch Stefanie Renner erklärt: "Wir haben bei der Essensausgabe immer alles im Auge, falls ein Konflikt ausbrechen sollte. Bei uns läuft aber alles sehr ruhig ab. "


Warenknappheit als Problem

Das Miteinander der Bedürftigen ist bei beiden Tafeln kein Thema. Dafür stellt das begrenzte Essensangebot beide vor Herausforderungen. Da die Tafeln nicht selbst Lebensmittel einkaufen, sind sie auf die Waren, die im Supermarkt liegen bleiben oder bald verfallen, angewiesen. Speziell jetzt, in der Zeit zwischen Fasching und Ostern, geben die Händler aber nur wenig Waren ab. Zudem hat sich, laut Ulrike Kuhn, auch das Bewusstsein der Konsumenten geändert. Viele Kunden kaufen in den Supermärkten Lebensmittel, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen. "Früher hatten wir beispielsweise immer Joghurt übrig, momentan können wir zwei Personen nur einen Becher geben." Wegen des begrenzten Sortiments hat die Lichtenfelser Tafel Plus ein Farbsystem entwickelt, damit die Reihenfolge der Ausgabe im fairen Wechsel stattfindet. Daneben ergibt sich bei der Burgkunstadter Tafel derzeit ein ganz anderes Problem. Nachdem die Vorsitzende Silke Mohler aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste, fehlt ein Nachfolger. Vorerst übernimmt Ulrike Kuhn das Zepter: "Es wird sicherlich noch etwas dauern, bis wir jemanden gefunden haben, der den Posten übernimmt. Man muss ja bedenken, dass es sich hierbei um ein Ehrenamt handelt."
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren