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Lichtenfels
Interview

IHK-Vorsitzender Wasikowski: Flexibilität ist unsere Stärke

Wilhelm Wasikowski, Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels, zeichnet im Interview mit infranken.de ein verhalten optimistisches Bild der heimischen Wirtschaft.
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Wilhelm Wasikowski
Wilhelm Wasikowski
Wie viele Industrie- und Handelsunternehmen gibt es überhaupt im Landkreis Lichtenfels, und nimmt deren Zahl zu, oder ab?
Wasikowski: Hier gibt es knapp 3600 Firmen im Bereich Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen. 2011 - für das Jahr 2012 hat das Statistische Landesamt noch keine Jahreswerte veröffentlicht - wurden 524 Gewerbebetriebe angemeldet und 426 abgemeldet. 115 Insolvenzverfahren wurden eröffnet, meist von kleinen Firmen. Die meisten Unternehmen kamen im Bereich Handel dazu, aber auch im Bereich Energiegewinnung ist die Zahl der Unternehmen deutlich gestiegen. Die Zahl der Unternehmen steigt seit Jahren kontinuierlich.

Welchen Umsatz erzielen die vorhandenen Firmen pro Jahr, und wie viele Arbeitsplätze stellen sie zur Verfügung?
Gut 27.000 Menschen sind im Landkreis Lichtenfels sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Der steuerbare Umsatz lag bei fast 4,5 Milliarden Euro.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten der heimischen Wirtschaft: Wird es im Jahr 2013 aufwärts gehen, oder rechnen Sie eher mit sinkenden Absätzen?
Mit der aktuellen Geschäftslage sind die Firmen weitestgehend zufrieden. Was die Entwicklung in den kommenden Monaten angeht, sind sie allerdings zurückhaltend. Zum einen stagniert die Inlandsnachfrage, zum anderen sind die südeuropäischen Absatzmärkte in vielen Fällen weggebrochen. Dies kann durch die gestiegene Nachfrage nach Lichtenfelser Produkten im russischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum nur teilweise kompensiert werden.

Welchen Branchen räumen Sie positive Perspektiven ein, welche werden verstärkt mit der europaweiten Rezession zu kämpfen haben?
Die Wirtschaftsentwicklung wird immer stärker von einer Unternehmenskonjunktur geprägt, weniger von einer Branchenkonjunktur. Dies hängt unter anderem davon ab, wie genau ein Unternehmen die Bedürfnisse seiner Kunden abdecken und wie flexibel es auf eine geänderte Nachfrage reagieren kann.

Sehr gute Perspektiven hat etwa der Dienstleistungssektor. Auch die Hersteller von Kunststoffwaren und elektrischen Ausrüstungen, der Maschinenbau und Kfz-Zulieferer haben gute Aussichten. Nicht einfach ist die Situation für den Einzelhandel: Zum einen entstehen immer neue Standorte, zum anderen gewinnt Shoppen via Internet immer mehr an Bedeutung. Größte Hemmnisse aus Unternehmersicht sind derzeit die Energie- und Rohstoffpreise sowie der Fachkräftemangel.

Auf welche Stärken sollten heimische Industrie und Handel für die Zukunft setzen?
Die hiesige Wirtschaft hat eine kleingliedrige, mittelständische Struktur. Die Mitarbeiter sind gut ausgebildet, flexibel und zeichnen sich durch eine hohe Unternehmensbindung aus. Diese Kombination macht die Stärken des Wirtschaftsraumes Lichtenfels aus: Firmen, die sich schnell auf ein geändertes Nachfrageverhalten einstellen können, mit einer hohen Kundenorientierung, einem attraktiven Design sowie innovativen Produkten und Dienstleistungen.
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