Neudorf bei Ebensfeld
Ratgeber

Igel: So können Sie den Tieren helfen

Im Herbst sieht man viele Igel auf der Suche nach Futter. Einige von ihnen sind zu schwach, um den Winter zu überstehen. Sie sind auf Hilfe angewiesen. Die meisten kommen allerdings auch ohne den Menschen zurecht. Hier erfahren Sie, woran Sie hilflose Tiere erkennen und wie Sie helfen können.
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Zwei von Marion Damms Pflegetieren. Foto: Melina-Maria Münchow
Zwei von Marion Damms Pflegetieren. Foto: Melina-Maria Münchow
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Warum muss man Igeln überhaupt helfen?

"Normalerweise brauchen Igel keine Hilfe", erklärt Marion Damm. Die Tierschützerin aus Oberfranken nimmt seit Jahren kranke und hilflose Tiere auf. Auch viele Igel päppelt sie jährlich auf. "Erst wenn die Tiere verletzt sind oder es eindeutig nicht eigenständig durch den Winter schaffen, sollte man eingreifen." Werden Igel-Kinder zum Beispiel zu früh von ihrer Mutter getrennt, sind sie nicht in der Lage sich auf ihren Winterschlaf vorzubereiten.

Die Igel-Expertin sagt allerdings auch, dass es normal ist, dass etwa 70 bis 80 Prozent der Jungtiere sterben. "Das ist zwar traurig, aber gehört zum Lauf der Natur dazu".


Wann ist "Igel-Saison"?

Geboren werden die Igel von Juli bis Anfang August, deshalb ist es auch normal, dass man im Frühherbst noch viele kleine Igel sieht. "Die sind keineswegs unterernährt. Bis zum Winter haben sie noch genug Zeit, um sich Fettreserven anzufressen", sagt Marion Damm. Im Moment sind die Igel vermehrt auf Futtersuche und da kann es schon mal passieren, dass man die eigentlich nachtaktiven Tiere auch tagsüber antrifft. "Das ist allerdings nicht ungewöhnlich."

Die Igel überwintern in selbst gebauten Quartieren aus Laub und Zweigen. Wenn sie dann im April wieder aus ihrem Winterschlaf aufwachen, sind sie erst mal ein wenig benommen: "Da kann es schon mal sein, dass man einen Igel sieht, der wie betrunken wirkt. Oft werden die Tiere dann eingesammelt, weil Menschen denken, dass es ihnen nicht gut geht. Es ist allerdings ein ganz normales Verhalten, ihr Stoffwechsel muss erst einmal wieder angekurbelt werden."


Wie erkennt man, ob ein Tier Hilfe braucht?

"Häufig rufen mich Menschen an, die kleine Igel aufgenommen haben, obwohl diese gar keine Hilfe gebraucht hätten." erzählt Damm. "Die Muttertiere gehen auf Futtersuche und lassen ihren Nachwuchs für die Zeit alleine." Das Beste ist es, die Tiere erst mal eine Zeit lang zu beobachten. Dann stellt sich schnell von alleine raus, ob die Igel wirklich menschliche Hilfe brauchen.

Sind die Tiere krank, merkt man das an apathischem Verhalten. Wenn der Igel zittert und sich nicht richtig einkugelt, lässt das darauf schließen, dass es dem Tier nicht gut geht. "Der Bauch eines Igels sollte immer warm sein. Ist er das nicht, ist das Tier unterkühlt und braucht Hilfe."


Wie kann man Igeln helfen?

Haben Sie einen Igel eine Zeit lang beobachtet und es stellt sich heraus, dass es ihm nicht gut geht, wenden Sie sich am besten an einen Tierarzt oder das Tierheim. Oft stehen diese in Verbindung mit Igelauffangstationen und Experten, die sich um die Tiere kümmern können.

Aber Sie können schon von vornherein dafür sorgen, dass es den Tieren in ihrem Garten gut geht. Igel benötigen für ihren Bau viel Laub und kleine Äste. Gerne nisten sie sich unter Sträuchern und Büschen ein, da es hier recht geschützt ist. "Leider empfinden immer mehr Menschen Laub als unästhetisch. Aber es gehört doch einfach zum Herbst dazu und außerdem ist es im Winter überlebenswichtig für Igel. Finden sie kein warmes Quartier, erfrieren Sie."

Natürlich können Sie den Igeln auch bei ihrer Unterschlupfsuche helfen. Schichten Sie dafür Laub und Reisig über einem umgedrehten Karton auf. Um den Unterschlupf auch von unten vor Feuchtigkeit und Frost zu schützen, sollten sie an einen Boden denken, der vor Kälte schützt. "Wichtig ist auch, dass der Igelbau stabil ist und nicht unter der Last des Schnees zusammenbricht. In Tierbedarfsläden kann man sogar spezielle Igelkisten kaufen", sagt Marion Damm.


Wie macht man seinen Garten Igel-sicher?

"In einem Garten gibt es viele Gefahren für die kleinen Tiere, deren man sich gar nicht bewusst ist. Oft verletzen sich Tiere erst oder sterben, weil die Gärten nicht igelsicher sind." Löcher, in die Igel fallen könnten, sollten geschlossen werden. Lichtschächte sind nicht nur für Igel, sondern auch für Nagetiere oder Erdkröten gefährlich. Sind diese nicht abgedeckt, sollten Sie regelmäßig nachschauen, ob ein Tier hineingefallen ist. "Gerade erst hat mich ein Nachtbar angerufen, der einen Igel in seinem Kellereingang gefunden hat. Er war die Stufen heruntergefallen und anschließend nicht mehr hochgekommen. Da hilft es schon, wenn man ein Brett an den Rand der Stufe legt oder den Tieren Zwischenstufen baut, damit sie auch alleine wieder den Weg nach oben finden." Leider ertrinken Igel auch immer wieder in Gartenteichen. Wie Marion Damm erzählt, können die Tiere zwar ausgezeichnet schwimmen, doch wenn sie keine flache Stelle finden, kommen sie nicht mehr an Land. "Da hilft es schon, ein kleines Brett als Ausstiegshilfe an eine Stelle des Ufers zu legen."


Kann man Igel als Haustiere halten?

"Nein! Igel sind Wildtiere und absolut nicht als Haustiere geeignet. Leider werden Igel trotzdem immer wieder eingefangen, nur weil sie so niedlich sind", erzählt die Expertin. Igel sind eine geschützte Tierart, sie ohne triftigen Grund einzufangen ist sogar verboten.

Wenn Sie einen Igel aufgenommen haben, weil dieser krank oder unterernährt war, sollte es immer das Ziel sein ihn so schnell es geht wieder auszuwildern. Am besten ist es ihn noch im Herbst wieder auszusetzten."Am Anfang sollte man ihm dann noch Futter in den Garten stellen, aber bald kann er sich dann auch wieder alleine versorgen." Wenn ein Igel nicht vor dem Winter wieder ausgewildert werden kann, muss man bedenken, dass man das Tier mindestens bis Mitte April hat. Außerdem machen Igel viel Arbeit und schlafen in Gefangenschaft keineswegs den ganzen Winter durch. "Um die Igel zu versorgen, ihre Ställe sauber zu machen und sie zu füttern, benötige ich jeden Morgen und Abend jeweils mindestens eine halbe Stunde", erzählt Damm. Jungtiere müssen teils sogar alle paar Stunden gefüttert werden.



Wie peppele ich einen Igel auf?

Igel brauchen viel Platz, ein Karton ist keines Falls ausreichend. Im Haus und selbst im Keller ist es den Tieren zu warm. Marion Damm hält ihre Igel auf dem Hof in einem ehemaligen Kuhstall in Kaninchenställen. "Geschwister halte ich auch mal zusammen, aber Igel sind Einzelgänger und brauchen jeweils ihren eigenen Bau." Den Stall können Sie mit viel Stroh auspolstern, aus dem sich die Igel ihre eigenen Höhlen bauen. "Für ihre Toilette lege ich Zeitungen in den Stall. Die lassen sich leicht auswechseln."

Sind die Igel noch sehr klein, frieren sie schnell. Dafür empfiehlt es sich, in Handtücher gewickelte Wärmflaschen mit in den Stall zu legen. "Auch die müssen natürlich regelmäßig gewechselt werden." Außerdem sollten sie am Anfang mit dem Tier einen Tierarzt aufsuchen. Übermäßiger Flohbefall oder sogenannte Lungenwürmer können dem Igel schaden.


Welches Futter ist für die Tier gut?

Ein weit verbreiteter Fehler ist es Igel mit Milch zu Füttern. Davon bekommen die Tiere Durchfall und können sogar sterben. Igel sind Fleischfresser, aber auch überreifes Obst essen sie ab und zu gerne. Marion Damm füttert ihre Schützlinge mit Katzen- oder Hundefutter aus der Dose sowie speziellem Igelfutter aus dem Tiergeschäft, Rinderhackfleisch und getrockneten Mehlwürmern. "Wichtig ist es darauf zu achten, dass man den Igeln kein Schweinehackfleisch gibt und auch keine lebendigen Mehlwürmer. Diese können sich durch den Magen der Tiere fressen. Auch Geflügel oder ein rohes Ei essen die Tiere gerne mal.


Worauf sollte man sonst noch achten?

Die Tierschützerin hat noch einige Tipps, worauf man jetzt wo viele Igel unterwegs sind besonders achten sollte. "Eine absolute Gefahr für die kleinen Tiere sind Laubsauger. Die Igel verstecken sich in Laubhaufen und werden von den Geräten eingesogen und sterben dabei. "Vorsichtig sollte man auch beim Umschichten von Komposthaufen sein. Igel verkriechen sich dort gerne und werden leider immer wieder von Mistgabeln aufgestochen." Die Expertin empfiehlt den Haufen vorsichtig von unten umzuschichten.

"Was ich gar nicht oft genug sagen kann ist, dass den Igeln durch ein voreiliges Aufnehmen oft geschadet wird. Jungtiere werden so von ihren Müttern getrennt und dadurch werden sie erst hilfsbedürftig. Normalerweise brauchen Igel in freier Natur keine Hilfe. Ich rate dazu die Tiere erst immer eine Weile zu beobachten, bevor man sich ihrer annimmt."



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