Burgkunstadt
Abenteuer

"Hochkultur ganz ohne Massentourismus"

Ein halbes Jahr lang war der Burgkunstadter Gerhard Hildner mit seiner Frau Monika in einem VW-Bus unterwegs. Die abenteuerliche Reise führte ihn quer durch Europa und Asien bis nach Nepal. Am 9. März zeigt er einen Film über seine Erlebnisse.
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1975 begab sich Gerhard Hildner auf eine abenteuerliche Reise nach Nepal. Die Bilder in seinem Fotoalbum wecken in ihm jede Menge Erinnerungen. Foto: Stephan Stöckel
1975 begab sich Gerhard Hildner auf eine abenteuerliche Reise nach Nepal. Die Bilder in seinem Fotoalbum wecken in ihm jede Menge Erinnerungen. Foto: Stephan Stöckel
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Gerhard Hildner staunt noch heute Bauklötze, wenn er an das seltsame Erlebnis zurückdenkt, dass sich vor 39 Jahren für immer in sein Gedächtnis eingebrannt hat und auf das er sich noch immer keinen rechten Reim machen kann. "Es kam mir doch tatsächlich ein Ford 12M mit Lichtenfelser Nummernschild entgegen. Im Wageninneren sah es aus, als würde jemand von Lichtenfels nach Hochstadt fahren. Doch wir befanden uns im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, in dem die Fahrzeuge der Globetrotter für gewöhnlich vollbepackt sind."

Einer von ihnen war der damals 25-jährige Gerhard Hildner, der sich zusammen mit seiner Ehefrau Monika auf eine faszinierende und mitunter auch abenteuerliche Reise begeben hatte. Der ehemalige Helmbrechtser, der in Burgkunstadt seine zweite Heimat fand, war mit einem zum Campingmobil umgebauten VW-Bus von Deutschland aus über Jugoslawien, Griechenland, die Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan und Indien bis nach Nepal an die chinesische Grenze gereist.


25.116 Kilometer durch den Kontinent

Sage und schreibe 25.116 Kilometer legte er 1975 mit seinem VW-Bus zurück. Ein halbes Jahr lang. Über verschneite türkische Gebirgspässe, iranisch-afghanische Schotterpisten und Steinwüsten. Durch grandiose Landschaften. Vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Verzaubert vom ersten satten Grün Pakistans und der exotischen Kultur des indischen Subkontinents, gelangte er schließlich in Nepal ans Ziel seiner Träume. Beim Gedanken daran, geht ihm noch heute das Herz auf: "Ich erlebte eine Hochkultur, noch ohne Massentourismus, die sich erst in den 50er Jahren der Außenwelt geöffnet hatte." Gekrönt wurde das Ganze mit einem Flug entlang der Himalaya-Riesen zum Berg aller Berge - dem 8848 Meter hohen Mount Everest.

Das Ticket dazu steckt noch in Hildners Fotoalbum. Einem Album voller Erinnerungen. Denn wenn einer Reise tut, dann kann er bekanntlich viel erzählen. Beim Herumblättern werden die Bilder zum Quell der Erinnerungen, die für den Burgkunstadter immer noch sehr lebendig sind.

Bei zwei Vorfällen stand dem fränkischen Paar der Angstschweiß auf der Stirn: Auf dem 2600 Meter hohen Tahirpass in der Türkei tauchte plötzlich bei dichtem Schneetreiben ein zerlumpter Kurde auf, der sich vom hilfsbereiten Paulus, der Schneeketten anbringt, zum hinterlistigen Saulus, der mit dem üppigen Trinkgeld unzufrieden ist, gewandelt hatte. "Bei dem Versuch ihn abzuwimmeln, wären wir mit unserem Auto fast einen steilen Abgrund hinuntergestürzt".

Auf dem 1070 Meter hohen Khyber-Pass zwischen Pakistan und Afghanistan tauchten plötzlich in stockfinsterer Nacht hinter einer Straßensperre verwegene Gestalteten auf, die bewaffnet waren. "Diese entpuppten sich jedoch als freundliche Grenzsoldaten", fällt Hildner noch heute ein Stein vom Herzen, denn er hatte schon überlegt Vollgas zu geben, um die Sperre zu durchbrechen.


Bus wird zum Anziehungspunkt

Auf der Reise bekamen die beiden Oberfranken die Herzlichkeit der Einheimischen zu spüren, etwa in der Türkei, wo sie immer wieder auf einen Cay, einen Tee, eingeladen wurden. Das bunt bemalte Auto mit seinem grinsenden Mund, der aufgemalten Reiseroute und allerhand Werbemotiven wurde zum "Hingucker", wie es der heute 64-jährige formuliert. "Ein ums andere Mal stand eine Menschentraube um unser buntes Globetrotter-Mobil, das wir auf den Fantasienamen ‚Flying Gouchal‘, deren Bedeutung sich mir heute nicht mehr erschließt, getauft hatten."

In den 70er Jahren war Afghanistan das Mekka für Hippies. Doch ein solcher sei er nie gewesen, auch wenn das Flower-Power-Design seines damaligen Fahrzeuges etwas anderes vermuten lässt. "Ich bin ein Mensch mit angeborener Reiselust. Jugendlicher Entdeckerdrang, Abenteuerlust und Neugier hatten mich dazu bewogen, die freie Zeit zwischen Studium und Beruf für eine kleine Weltreise zu nutzen."

"Ein 100-Seiten dicker Schmöker vom heute viel gescholtenen ADAC diente uns als Streckenführer", erzählt Hildner. Eine Portion Optimismus reiste ebenfalls mit: "Irgendwie kamen wir immer an." Die kriegerischen Konflikte in der Region hatten eine Pause gemacht. "Vier Jahre später, als die Russen in Afghanistan einmarschiert waren, wäre die Reise nicht mehr möglich gewesen."


Atemberaubende Landschaften, freundliche Menschen

Hildner hat noch die heute verlorene Schönheit des Landes erlebt. Er zeigt Bilder auf denen traditionell eingestellte und westlich orientierte Bürger in friedlicher Eintracht nebeneinander stehen. Die Afghanen hat er als stolze und freundliche Menschen in Erinnerung. Beim Blättern schwärmt er von der atemberaubenden Landschaft rund um die Band-e-Amir-Seen, die 100 Kilometer Luftlinie von Kunduz entfernt sind, wo die Bundeswehr heute ein Feldlager betreibt. "Jahrzehnte später kommen unsere jungen Leute als Soldaten nach Afghanistan, um dessen Freiheit zu sichern. Wir hingegen konnten die Freiheit noch erleben und das fantastische Land mit seinen gastfreundlichen Bewohnern kennenlernen", vergleicht Hildner das Heute mit dem Gestern.

Es folgten Beruf und Familie - und so sollte die Reise nach Nepal die letzte abenteuerliche im Leben des Burgkunstadters bleiben. Auch heute reist Hildner gerne, allerdings komfortabler als damals. Im Dezember vergangenen Jahres flog er zusammen mit seinem Sohn Max noch einmal nach Nepal. Beim Landeanflug stellte er erschrocken fest: "Was für ein Wahnsinn. Das wunderschöne Katmandu-Tal, das einst in sattem Grün erstrahlte, ist zugebaut."


Filmvorführung und Diaschau

Gerhard Hildner hat seine Reiseerlebnisse nicht nur auf vielen Fotos und in einem Reisetagebuch festgehalten, sondern auch auf unzähligen Dias und in einem faszinierenden Super-Acht-Film. Dieser ist am Sonntag, 9. März, um 18 Uhr in der Altenkunstadter Kleinkunstkneipe "Nepomuk" bei freiem Eintritt zu sehen. Im Anschluss an den Film zeigt Hildner Dias und erzählt Reiseanekdoten.
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