Lichtenfels

Hilfe rund um die Uhr gewürdigt

Sieglinde Martin pflegt ihren schwerst pflegebedürtigen Mann, seit 14 Jahren. Jetzt erhielt sie dafür die Pflegmedaille des Freistaats Bayern.
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Seit seinem Unfall braucht Dieter Martin (Mitte) selbst beim Kartenspielen Hilfe. Ehefrau Sieglinde Martin (links) und Tochter Sabine Reisenweber (rechts) helfen ihn.Gerda Völk
Seit seinem Unfall braucht Dieter Martin (Mitte) selbst beim Kartenspielen Hilfe. Ehefrau Sieglinde Martin (links) und Tochter Sabine Reisenweber (rechts) helfen ihn.Gerda Völk
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Am 12. November 2004 änderte sich das Leben der Familie Martin in Buch am Forst grundlegend. Es war der Tag, an dem Dieter Martin bei Arbeiten im eigenen Garten vom Dach des Schuppens stürzte und seitdem schwerst pflegebedürftig ist. Seit seinem Unfall - und das ist mittlerweile schon 14 Jahre her - wird der er von seiner Ehefrau Sieglinde Martin und seiner Tochter Sabine Reisenweber zu Hause gepflegt.

"Die Pflege eines kranken oder behinderten Angehörigen ist eine oftmals schwierige Aufgabe, die aufopferungsvollen Dienst, viel Geduld und Verständnis voraussetzt. Sie verdient hohen Respekt und Anerkennung", betonte Landrat Christian Meißner bei der Aushändigung der Pflegemedaille und Dankurkunde. Beides wird von Bayerischen Sozialministerium für besondere Verdienste um pflegebedürftige und behinderte Mitmenschen vergeben. Da die häusliche Pflege in vielen Fällen ein Verbleiben in der familiären Umgebung erlaubt. Auch für die Familie Martin war dies mit ein Grund, die Pflege eines schwerbehinderten Angehörigen in eigene Hände zu nehmen.

"Ein großer Schreck"

Dieter Martin, Jahrgang 1938, ist damals zweieinhalb Meter kopfüber zu Boden gestürzt und so unglücklich gefallen, dass er seitdem von der Halswirbelsäule abwärts gelähmt ist. Der benachrichtigte Notarzt forderte einen Rettungshubschrauber an, der den Verletzten dann nach Bayreuth in Klinikum Hohe Warte brachte. "Das war schon ein großer Schreck", erinnert sich Sieglinde Martin. Ein halbes Jahr lang lag Dieter Martin damals im Krankenhaus, dann holte ihn die Familie nach Hause, obwohl er noch ein weitere sechs Monate hatte drinnen bleiben können.

Vor dem Unfall war er ein sehr aktiver Mensch gewesen, war unter anderen Zweiter Vorsitzender im Gartenbauverein und Mitglied im Gesangverein "Liederkranz" Buch am Forst. Seit seinem Unfall ist er rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Er kann weder laufen, noch die Arme oder Hände bewegen. Selbst beim Essen oder Trinken ist er auf Hilfe angewiesen.

Lebensmut nicht verloren

Seine Lebensenergie, seinen Lebensmut und seine Lebensfreude hat er trotz des schweren Schicksalsschlags nicht verloren. "Er hat sein Schicksal angenommen", sagt Sieglinde Martin. Die Pflege ihres Mannes ist für sie eine Selbstverständlichkeit. "Er würde das auch für mich tun". Seit 58 Jahren sind sie schon verheiratet.

Bei der Pflege hilft die ganze Familie mit, besonders aber Tochter Sabine Reisenweber. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe zum Elternhaus und übernimmt einen Anteil an der Pflege ihres Vaters, da die Kräfte ihrer 80-jährigen Mutter langsam nachlassen. Auch wenn Sieglinde Martin sich selbst vor eineinhalb Jahren bei einem Treppensturz fünf Rippen verletzte, die Pflege ihres Mannes ist ihr wichtig.

Lieber zuhause

Als ihr vor einigen Jahren ein Arzt riet, ihn doch in ein Pflegeheim zu geben, lehnte es die Familie ab. "Solange es noch geht, wird er Zuhause gepflegt", ist sich die Familie einig. Selbst die Enkelsöhne helfen ihren Opa. Wann immer es geht, schieben sie ihn mit dem Rollstuhl über eine Rampe in den Garten. Frühmorgens hilft die Tochter macht ihn für den Tag fertig, um anschließend ihrer Berufstätigkeit nachzugehen. Danach wird gefrühstückt und Sieglinde Martin liest ihren Mann aus einer heimischen Tageszeitung vor. Was in der Region geschieht, das verfolgt er noch mit großem Interesse. Im Laufe des Tages erhält Dieter Martin mehrmals in der Woche Krankengymnastik und Ergotherapie.

Nichte Marita Koch hat das Lichtenfelser Landratsamt auf die besondere Leistung der Familie, besonders seiner Ehefrau aufmerksam gemacht. Die Pflegemedaille und die Dankurkunde werden nur für ganz besondere Verdienste verliehen, erläuterte Landrat Christian Meißner. Es war die dritte Verleihung im Landkreis Lichtenfels. "Wir sind dankbar, dass wir darauf aufmerksam gemacht werden". In Namen der Stadt Lichtenfels gratulierte Bürgermeister Andreas Hügerich und überreichte ein Präsent.

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