Bad Staffelstein
Vortrag

Große Geschichte in unscheinbaren Hügeln

Der Vortrag von Anton Köcheler über die Funde in keltischen Gräbern im Stadtmuseum stieß auf große Resonanz.
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Im Wald sind deutlich die Erhebungen eines Gräberfeldes zu sehen. Foto: Köcheler
Im Wald sind deutlich die Erhebungen eines Gräberfeldes zu sehen. Foto: Köcheler
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Das Kellbachtal bei Ebensfeld birgt eine erstaunliche Fülle an Kulturdenkmälern und Bodendenkmälern aus unterschiedlichen Epochen. Die meisten stammen aus der frühkeltischen Eisenzeit. Diese als Hallsteinzeit bekannte Epoche (750 bis 480 vor Christus) bildete einen Schwerpunkt des Vortrags von Anton Köcheler, Arbeitskreis Archäologie der Kulturinitiative Staffelstein, im Stadtmuseum in Bad Staffelstein.

Der Vortragsraum des Museums konnte die vielen Besucher kaum fassen, die etwas über ihre Vorfahren erfahren wollten, die vor langer Zeit einmal in der Region gelebt hatten. Auch wenn sich nur wenige Zeugnisse einer früheren Siedlungstätigkeit erhalten haben, künden doch die Grabstätten, sogenannte Nekropolen, von der Anwesenheit früher Siedler.

Der Referent ging zunächst auf die topografische Situation ein. Das Kellbachtal, ein von Höhenzügen und Bergrücken begleitetes Seitental des Maintals, erstreckt sich von Ebensfeld über Prächting, Kleukheim, Unterküps und Oberküps rund neun Kilometer in südöstlicher Richtung. Ein Siedlungsgebiet, welches für die Menschen zu allen Zeiten attraktiv war. Hier gab es Wasser und fruchtbaren Boden.

Die meisten der Grabhügelfelder von Prächting sind bereits vor 1842 durch den Frauendorfer Pfarrer Lukas Hermann ausgegraben worden. Die Funde kamen ins historische Museum nach Bamberg. Weitere Grabungen fanden in den Jahren 1975 und 1978 durch das Landesamt für Denkmalpflege Würzburg statt. Bei der Ausgrabung von 1975 wurde ein weitgehend unberührter Grabhügel mit einer reichen Ausstattung entdeckt. Das Grab enthielt 21 zum Teil sehr gut erhaltene Keramikgefäße und Scherben von sechs weiteren Gefäßen. Darunter zwei große verzierte Kegelhalsgefäße mit Schöpftasse, Teller, Schalen und Schüssel aus Feinkeramik. Der hier Bestattete muss wohl relativ wohlhabend gewesen sein. Dennoch dürfte es sich bei dem Bestatteten nicht um einen Fürsten gehandelt haben, dazu war der Grabhügel von den Ausmaßen eher mittelmäßig. Nicht zu vergleichen mit dem keltischen Fürstengrab auf dem Magdalenenberg am Rande Villingens etwa.

Die vielen Keramikfunde lassen auf einen ausgeprägten Totenkult schließen. Zwar hat man die Masse der Bevölkerung in einfachen Brandgrubengräbern bestattet, nicht aber besondere Persönlichkeiten.

Die Kelten glaubten an die Wiedergeburt, der Tod war nur eine Art Zwischenphase. Den Verstorbenen wurden verschiedene Grabbeigaben mitgegeben, wie beispielsweise Keramik und Speisen, da diese in der Anderswelt ein Gelage ausrichten mussten. Kernpunkt ihrer Überzeugung war, dass die Seele von einem Körper in den nächsten übergeht. Alles was den Toten lieb war, wurde mit ihm zusammen verbrannt. "In der Gunst eines Königs zu stehen, konnte mitunter heiß werden", meinte Köcheler mit einem Augenzwinkern.

Eine Ausgrabung 1978 von fünf weiteren Hügeln förderte einige außergewöhnliche Grabbeigaben zutage. Neben 80 Gefäßen, zwei Eisenschwertern, einem bronzenen Toilettenbesteck, einer Nadelbüchse, einer rotgebrannten Fußschale, einer ockerfarbenen Schale mit Pechbemalung wurde auch eine schwarze Schale mit Stempelverzierungen gefunden.

Nordöstlich von Oberleiterbach auf dem Höhenrücken zwischen Kellbachtal und Leiterbachtal liegt im Wald eine kleine Grabhügelgruppe von zehn Hügeln, das frühkeltische Gräberfeld im "Hahnbüchla". Welches ebenso wie die kleine Grabhügelgruppe bei Peusenhof bereits im 19. Jahrhundert ausgegraben wurde.

Frühkeltische Siedlungen in nächster Nähe zu den Gräberfeldern sind bisher nicht entdeckt worden, bedauert der Referent. Obwohl es diese aufgrund der günstigen Siedlungsbedingungen gegeben haben muss. "Eine Forschungslücke", findet Köcheler. Siedlungen ließen sich nur über Keramikfunde nachweisen. Dass sich bisher kaum Spuren finden ließen, liegt auch an der Siedlungsform der Kelten, die zerstreut über das Land in kleinen Dörfern, Weilern und Einzelgehöften lebten.



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