Lichtenfels
Wahlen

Grafikdesigner Peter Bäumel nimmt Wahlplakate unter die Lupe

Strahlendes Lächeln, markiger Spruch - mit ihren Wahlplakaten versuchen uns die Parteien von sich zu überzeugen. Aber funktioniert das auch? Der Grafikdesigner Peter Bäumel hat ein paar der Plakate für uns unter die Lupe genommen.
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Schilderwald: Vor dem Lichtenfelser Bahnhof werben die Parteien um die Aufmerksamkeit der Passanten. Fotos: Miriam Hegner
Schilderwald: Vor dem Lichtenfelser Bahnhof werben die Parteien um die Aufmerksamkeit der Passanten. Fotos: Miriam Hegner
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"Eine klare optische Gestaltung ist sehr wichtig bei einem Wahlplakat", erklärt Grafikdesigner Peter Bäumel, der in Bad Staffelstein eine PR-Agentur leitet. "Ein Wahlplakat muss sich dem Betrachter auf den ersten Blick erschließen. Oft sieht man es ja nur im Vorbeigehen, oder fährt sogar mit dem Auto vorbei. Da muss ich die Aussage auf die Schnelle verstehen." Dies sei bei manchen der Plakate, die in Lichtenfels um Wähler werben, gut gelungen, findet er. "Bei dem Plakat vom Emmi Zeulner etwa ist das geglückt. Die Schlagworte "Echt" und "Engagiert" sind kurz und prägnant, dazu ein dezenter Hintergrund, der nicht ablenkt. Das Plakat ist sehr klar gestaltet."

Weniger gut hätten das die Freien Wähler und die FDP gelöst. "Die Plakate sind einfach überladen. Gerade bei den Freien Wählern wird das Foto des Kandidaten praktisch erschlagen von den vielen Elementen, dem geschwungenen Balken unten, mit Farbverlauf in der gelben und der grünen Fläche. Und das große rote Kreuz ist so richtig knallig, liefert aber keine Information. Das müsste nicht sein." Weniger wäre hier mehr gewesen, so der Grafik-Profi. "Das Foto vom Kandidaten hätte dann auch größer sein können, um den geht es schließlich."

"Weniger ist oft mehr"

Auch bei der FDP gebe es zu viele unruhige Elemente. "Die Schräge in Gelb, und dann noch die Gegendiagonale in Pink, mit Farbverlauf, das ist zu bunt. Das Plakat soll schließlich nicht für eine Zirkusveranstaltung werben." Für nicht ganz geglückt hält er auch das Plakat der Piraten, das statt eines Kandidaten drei unbenannte Personen zeigt. "Das Plakat verstehe ich gar nicht. Wer sind denn die Personen auf dem Bild?" Außerdem schaue die ältere Dame recht verbissen drein. "Das spricht mich nicht an."

Irgendwie irritierend sei der Blick von SPD-Kandidat Simon Moritz, der großformatig und sehr direkt von seinem Plakat auf den Betrachter blickt. "Das Foto ist sehr professionell und von der Beleuchtung her sehr gut, aber er schaut so mystisch, dass ich nicht unbedingt an einen Politiker denke, sondern eher an einen Zauberer." Das Bild sei auch zu stark angeschnitten, so der Designer, und das SPD-Logo sei in der Mitte nicht gut platziert. "An die Seite gerückt sähe es besser aus. Auch die verschiedenen Farbtöne, warmes Rot und kaltes Rot, passen nicht so recht zusammen."

"Das Foto sollte natürlich wirken"

Als Manko betrachtet er auch das Foto von Emmi Zeulner. "Es wirkt zu geleckt, was gar nicht zu ihr passt, da sie sich ja auch als "Echt" präsentieren möchte." Das Foto sei offensichtlich im Studio aufgenommen, und dann vor den Hintergrund montiert worden. "Dabei sind ihre Haare so glatt ausgeschnitten, wie sie sich niemand kämmen kann. Kein Haar steht über, dass sieht unecht aus und hätte leicht besser gemacht werden können."

Ein gutes Gegenbeispiel sei da das Bild vom ÖDP-Kandidat Sebastian Frankenberger. "Man sieht, gerade auch an der Frisur, aus der einzelne Haare herausschauen, dass das Foto wirklich draußen im Grünen entstanden ist, das wirkt sehr natürlich, nicht so glattgebügelt." Auch passe das Grün gut zur ökologischen Ausrichtung der Partei. "Das Orange ist etwas krass, aber das ist eben die Parteifarbe."

Die Kampagne der SPD, mit Ministerpräsidentenkandidat Ude, der "Wort hält", so der Slogan, hält Bäumel eigentlich für eine ganz witzige Idee. "Allerdings wäre auch auf diesem Plakat weniger mehr gewesen. Man sollte über den Kandidat, der die roten Buchstaben in der Hand hält, nicht noch schreiben "Der Ministerpräsident, der Wort hält". Das ist ja doppelt gemoppelt." Besser wäre es gewesen, so Bäumel, nur "Der Ministerpräsident, der ..." darüber und "...hält" darunter zu schreiben. "Dann hätte es bestimmt auch jeder verstanden."

Bäumels Fazit zu den Lichtenfelser Wahlplakaten ist eindeutig: "Man hätte aus jedem Plakat etwas mehr machen können."
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