Lichtenfels
Neuerscheinung

Goethe reist durchs Obermaintal

Im neuen Band "Vom Main zum Jura" sind interessante Aufsätze zu geschichtlichen Themen aus den Kreisen Lichtenfels und Bamberg enthalten. Beschrieben wird darin, wie Goethe auf einer Reise das Maintal wahrnahm.
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Den markanten runden Wirtschaftshof Nassanger bei Trieb bezeichnete  Goethe als "Kloster rund gebaut".Matthias Einwag
Den markanten runden Wirtschaftshof Nassanger bei Trieb bezeichnete Goethe als "Kloster rund gebaut".Matthias Einwag

Im November 1797 bereiste Goethe das Frankenland. Von Bamberg aus führte eine Etappe mit der Kutsche über Lichtenfels nach Kronach. Unterwegs schrieb er in sein Tagebuch, was er am Wegesrand Bemerkenswertes sah.

Der Eintrag über den 17. November liest sich so: "Früh von hier 5 ½ weg: durch Zapfendorf und Staffelstein, vor Reichen vorbei, man findet Belemiten, durch Lichtenfels, schöne Saat, Nebel, der Main kommt auf der linken Seite herunter, man steigt bergauf, Fichtenwald bergab, Fischteiche, Kloster rund gebaut, links Seilen, Hohstadt über den Main, schöne steinerne Brücke über den Main, er kommt bey Seilen mit der Rodach zusammen. Durch Zedlitz, gutes Feld, bei Unterlangenstadt kommt die Rodach herunter, man fährt durch guten fruchtbaren Boden, durch Oberlangenstadt, angenehmes Tal, Schneidemühlen, an der rechten Seite der Rodach hinauf nach Kronach. Vestung."

Welche Orte Goethe meinte

Wie die verzerrten Ortsbezeichnungen zu deuten sind, erklärt Autor Hans Bauer in seinem Aufsatz. Während "Hohstadt" als Hochstadt zweifelsfrei zu identifizieren ist, liege bei "Seilen" wohl ein Schreibfehler vor, es könnte "Zeilen", also Marktzeuln, gemeint sein. Der Passus "vor Reichen vorbei" mache allerdings etwas ratlos. Wir wissen aber, schreibt Hans Bauer, dass Goethe den landwirtschaftlichen und agrarischen Merkmalen seine Aufmerksamkeit widmete.

Den Nassanger bei Trieb, einen Wirtschaftshof des Klosters Langheim, bezeichnete er als "Kloster rund gebaut". Weder die Stadtkerne von Staffelstein und Lichtenfels kommentierte er, auch nicht Kloster Banz und die Basilika Vierzehnheiligen. Hans Bauer: "Ob der große Meister nicht doch unterwegs, vom Schaukeln seiner Kutsche müde geworden und nach kurzer Nacht immer wieder für einige Augenblicke eingeschlummert ist?"

Hörfehler des großen Meisters?

Vielleicht, vermutet Hans Bauer, hat Goethe den Kutscher nach dem Namen der großen Basilika befragt. Im Lärm der Kutschenräder könnte er die Antwort jedoch falsch verstanden und Vierzehnheiligen in seinen Notizen zu "vor Reichen" verunstaltet haben. "Auch die markante Kontur des Staffelberges müsste Goethe aufgefallen sein und ihn beeindruckt haben, wo er doch an seltsamen geologischen Formationen interessiert war - wenn er denn die Augen offen hatte", schreibt Bauer.

Insgesamt sind fünf große Beiträge und etliche kleinere in dem Band enthalten. Michael Stark beschreibt "Das fränkische Tor an der Spree" - das Stufenportal der Langheimer Katharinenkapelle, das heute auf der Berliner Museumsinsel, im Bode-Museum, zu sehen ist.

Alfons Zenk steuert die Biographie von Dr. Josef Lothar Endres bei, der zur Zeit des Nationalsozialismus' als Direktor die Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg leitete.

Robert Schäfer skizziert den FC Lichtenfels in der Spielzeit 1945/46 - ein Beitrag, der vor allem auch durch Fotos und Zeitdokumente sehr interessant gestaltet ist.

Die Staabrecher und ihr' Quetschn

"Vom Quetschen und Fronarbeiten" lautet der Titel des Beitrags von Gottfried Zeis. Darin greift er die Geschichte der 100 Jahre alten "Quetsche", des Steinbrechers, auf. Er entdeckte die urtümliche Maschine hinter dem Gasthof "Frankenhöhe" in Arnstein, wo sie offenbar verrottet. In seinem Aufsatz beschreibt er, wie die "Staaquedscher" aufdem Jura einst mit diesem stählernen Ungetüm hantierten.

Im Editorial des jährlich erscheinenden Periodikums schreibt der Herausgeber, Archivdirektor i. R. Dr. Josef Urban, er wünsche sich mehr Leser, denn "nur ein breites Fundament an Abonnenten und damit finanzielle Absicherung kann die Zukunft der Zeitschrift, die gegenwärtig noch die einzige am Obermain ist, garantieren".

Das Buch

Titel "Vom Main zum Jura", Band 27, 86 Seiten, 12 Euro

Versand Das Heft zu beziehen bei Dr. Josef Urban, Schillerstraße 15, 91330 Eggolsheim, oder per Mail unter josef.urban@yahoo.de

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