Lichtenfels
Ideenwettbewerb

Gesucht: Signale für die Korbstadt

Die Stadt Lichtenfels ruft Handwerker und Künstler auf, Vorschläge für Flechtskulpturen im öffentlichen Raum zu machen und ihre Entwürfe einzureichen.
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Der Verkehrskreisel bei Lichtenfels-Kösten war bereits für die Gestaltung mit einer Flechtskulptur vorgesehen.  Foto: Ramona Popp
Der Verkehrskreisel bei Lichtenfels-Kösten war bereits für die Gestaltung mit einer Flechtskulptur vorgesehen. Foto: Ramona Popp

Gut Ding will Weile haben. Mit den vielfach gewünschten Flechtskulpturen im öffentlichen Raum ging es in der Deutschen Korbstadt allerdings bislang nur schleppend voran. Schon vor fast 20 Jahren machte ein aufwendig begleiteter Wettbewerb "Stadt und Geflecht" den Wunsch deutlich, als "Korbstadt" für jedermann besser wahrnehmbar zu werden. Der Wunsch besteht noch immer. In den letzten Jahren wurden zumindest einige flechterische Blickfänge an prominenten Stellen platziert, etwa die Riesen-Ameise nahe der Unterführung in der Coburger Straße oder das Flechttor am Bahnhof. Für den Köstener Kreisel war schon eine Auswahl getroffen, der Auftrag aber im vergangenen September quasi in letzter Minute gestoppt worden. Es hatte sich herausgestellt, dass man bei der Umsetzung im Innovationszentrum Lichtenfels den gesteckten Kostenrahmen nicht würde einhalten können. Mit über 60 000 Euro wäre das fünf Meter hohe, an ein Segel erinnernde Objekt mehr als doppelt so teuer wie gedacht gekommen. Wie es hieß, vor allem aus Gründen der Statik und der Sicherheitsanforderungen, die an einer Verkehrsfläche zu beachten sind. Der Stadtgestaltungsausschuss des Stadtrates hatte daraufhin entschieden, einen neuen Ideenwettbewerb zu starten. Am Donnerstagabend tagte nun dieses Gremium wieder und stimmte über die Modalitäten ab.

Nicht zu kompliziert habe man die Ausschreibung formuliert, betonte der zuständige Amtsleiter Steffen Hofmann - um möglichst viele Teilnehmer anzusprechen. Ziel sei es, eine ganze Reihe von Entwürfen zu erhalten, die man dann sukzessive in der Stadt umsetzen könne. Allerdings werde den prämierten Flechtern oder Künstlern keine Zusage zur Umsetzung ihrer Werke gemacht. Die drei Bestplatzierten erhalten Preisgelder von 2000, 1000 bzw. 500 Euro. Man wünscht sich realisierbare, auch haltbare, das heißt möglichst witterungsbeständige Flechtskulpturen, die stabil und im Boden verankerbar sind. Gerne dürfen sie beleuchtet oder drehbar sein.

Hinsichtlich Größe oder Materialien wolle man bewusst keine Vorgaben machen, betonte Manfred Rauh, der Geschäftsführer des Vereins Zentrum europäischer Flechtkultur Lichtenfels (ZEF), der sich europaweites Interesse vorstellen kann. Die Objekte sind für die Gestaltung von Verkehrskreiseln, einer Parkanlage, Plätzen und Stadteingängen gedacht. Das Thema "Signale" aus dem Wettbewerb des Jahres 2000 wird somit erneut aufgegriffen. "Wir wollen, dass ein roter, flechterischer Faden die Stadt durchzieht", fasste Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) zusammen. Er wird mit seinen beiden Bürgermeisterkollegen sowie je einem Vertreter jeder Stadtratsfraktion und ZEF-Geschäftsführer Rauh der Jury angehören. Fachlich ergänzen Günter Mix, der Technische Leiter der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, Innenarchitektin Elisabeth Dicker, die dort als Dozentin tätig ist, sowie Nina-Regina Nötzelmann, die Landesinnungsmeisterin des Flechthandwerks, dieses Team. Abgabeschluss ist Ende Oktober; spätestens bis Ende November soll dann eine Auswahl getroffen sein.

"Eine tolle Geschichte"

"Das ist eine tolle Geschichte", fand Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (Freie Wähler), der sich eine Steigerung des Bekanntheitsgrades der Deutschen Korbstadt durch möglichst viele flechterische Symbole erhofft. Schon jetzt, das habe er beobachten können, werde der große Präsentkorb vor dem Rathaus von Touristen gerne als Fotomotiv gewählt.

Frank Rubner (CSU) machte kein Hehl daraus, dass er sich diesen Wettbewerb ein oder zwei Jahre früher gewünscht hätte. "Aber es ist schön, dass er jetzt kommt." Er fragte in die Runde, ob man nicht einen Kostenrahmen oder eine Größendimension vorgeben sollte. Hier entgegnete Steffen Hofmann, man verlange von den Teilnehmern eine Kostenschätzung, die Umsetzung sei aber ganz dem Stadtrat überlassen. Der kann also nach den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln entscheiden und beispielsweise auch den Wettbewerbsbeitrag, der auf Platz 10 gekommen ist, zur Umsetzung bringen. Mit dieser Vorgehensweise waren alle einverstanden.

Eine gute Nachricht hatte sich der Bürgermeister für den Schluss aufgehoben: Die Stadt hat Bewilligungs- beziehungsweise Förderbescheide erhalten. Aus dem Leader-Programm der Europäischen Union wurden für die Anschaffung der neuen Korbmarktstände rund 87 000 Euro zugesagt. Das ist mehr als die Hälfte des Kaufpreises. Aus der Städtebauförderung werden rund 137 800 Euro für den Oberen Torturm fließen, um ihn für Besucher nutzbar zu machen. Eine beträchtliche Summe werden hier vor allem Brandschutzmaßnahmen erfordern. Veranschlagt sind insgesamt 226 560 Euro.

Teilnahmebedingungen

Eingereicht werden müssen eine Kurzbeschreibung des Objektes mit Angaben zu den Maßen und den verwendeten Materialien, eine Ausführungsbeschreibung und Kostenschätzung für die Verwirklichung sowie Skizze und Modell im Maßstab 1:10 auf einer weißen Sockelplatte. Bis spätestens Donnerstag, 31. Oktober, 17 Uhr muss die Abgabe erfolgen. Um den Empfang sicherzustellen, sollte die Einsendung per E-Mail angekündigt werden an: rauh@flechtkultur.eu Die Einsendungen sind zu adressieren an das Zentrum europäischer Flechtkultur Lichtenfels e.V., Herrn Manfred Rauh, Ringgasse 4, 96215 Lichtenfels. Alternativ ist eine persönliche Abgabe beim Bürgerservice der Stadt im Rathaus zu den üblichen Öffnungszeiten möglich.

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