Lichtenfels
Flechtobjekt

Gestaltung des Köstener Kreisels wieder offen

Die Stadt Lichtenfels hat vom Auftrag an das Innovationszentrum zur Gestaltung des Köstener Kreisels Abstand genommen. Ein neuer Wettbewerb ist geplant.
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Fotomontage des Flechtobjekts am Kreisel Darstellung: Franziska Eckert
Fotomontage des Flechtobjekts am Kreisel Darstellung: Franziska Eckert

Nachdem der Stadtentwicklungsausschuss Ende September den Auftrag für ein Flechtobjekt wegen erheblicher Verteuerung gestoppt hat, ist die Gestaltung des Köstener Kreisels wieder offen. Das Innovationszentrum Lichtenfels sollte den von Franziska Eckert erstellten Entwurf umsetzen. Ein Hingucker von bis zu fünf Metern Höhe und gut zehn Metern Durchmesser sollte es werden. Die Kosten waren mit rund 30 000 Euro veranschlagt. Nach der Mitteilung, dass die Umsetzung mehr als doppelt so teuer werde, entschied das Gremium, einen neuen Wettbewerb zu starten.

Als Hingucker gedacht

Die Idee ist schon acht Jahre alt. Damals hatte der eigentlich wegen der Bepflanzung von Verkehrskreiseln hinzugezogene Kreisfachberater Michael Stromer angeregt, diese in Lichtenfels doch mit einem Flechtobjekt zu krönen. Passend zum Titel Deutsche Korbstadt. Noch länger besteht die Absicht, an den Stadteingängen jeweils einen geflochtenen Blickfang zu platzieren. Aus einem früheren Gestaltungswettbewerb ("Stadt und Geflecht"/ "Zukunftskonzept Flechtkultur") hatte man ein ähnlich einem Segel geschwungenes Objekt gewissermaßen schon in der Schublade. Vergangenes Jahr wurde es hervorgeholt. Der Stadtgestaltungsausschuss billigte im Juli 2017 den Entwurf für die Gestaltung des Köstener Kreisels mit einem Flechtwerk; in der Folge wurde dem Innovationszentrum Lichtenfels ein Auftrag erteilt. Alles schien seinen Gang zu gehen. Ende Juni war aus der Projektwerkstatt zu vernehmen, dass mit Hochdruck an der Umsetzung gearbeitet werde. Im September wurde das Vorhaben dann - für viele überraschend - gestoppt.

Es hatte sich gezeigt, dass die dem Angebot zugrundeliegenden Kosten nicht eingehalten werden können; am 9. September setzte Professor Auwi Stübbe, der Vorsitzende des Innovationszentrums, die Stadtverwaltung per E-Mail davon in Kenntnis. Eine deutliche Kostenmehrung wurde angekündigt, statt 30 000 Euro war nun von 61 000 Euro die Rede.

Die Folge: Der zuständige Stadtentwicklungsausschuss sollte sich erneut mit dem Thema befassen. Das tat dieser auch in seiner nächsten Sitzung am 27. September, und entschied, unter diesen Umständen das Projekt nicht mehr weiter zu verfolgen. Stattdessen soll ein neuer Ideenwettbewerb gestartet werden. Ob der allerdings zu kostengünstigeren Lösungen führen wird? "Das kann man nicht sagen", so Sebastian Müller vom Bürgermeisteramt. EU-Fördermittel sind laut dem Sprecher für eine Skulptur jedenfalls nicht zu erwarten.

Bis heute keine Erläuterung

Warum es überhaupt zu der Kostenexplosion kam, wurde zunächst nicht nachvollziehbar dargelegt. In der betreffenden Sitzung war kein Vertreter des Innovationszentrums zugegen, und es wurden seitens der Stadt auch keine näheren Erläuterungen gegeben.

Auf Nachfrage dieser Zeitung äußert Professor Stübbe: "Kunstwerke haben ihren eigenen Verlauf. Da prallen künstlerischer Anspruch und absolute technische - und Sicherheitsanforderungen aufeinander." Fünf Werktage nach der entscheidenden Sitzung ist das Innovationszentrum von der Stadtverwaltung noch nicht einmal informiert über den Stopp. Das liege daran, erklärt deren Sprecher, dass erst abzuklären sei, wie man mit der bereits geleisteten Anzahlung umgehe. Dass es offenbar statische Probleme waren, die zu dem erheblichen Mehraufwand führten, bestätigt Müller. Das Angebot habe jedoch entsprechende Berechnungen beinhaltet.

Stadtbaumeister soll mit prüfen

Bei dem angedachten neuen Wettbewerb setze man bezüglich der Statik auf das Wissen des neuen Stadtbaumeisters, der Vorschläge entsprechend mit prüfen werde.

Von dem Umsetzungsstopp hat auch die Urheberin des Objekts, Innenarchitektin Franziska Eckert, erst im Nachgang erfahren. Der Entwurf stammt noch aus ihrer Studienzeit. Zwischenzeitlich ist Eckert in einem Büro in Lichtenfels tätig. Sie befindet sich gerade im Urlaub, äußert sich per E-Mail: "Zum Thema Köstener Kreisel kann ich nur mein Bedauern über die Entscheidung des Stadtrates ausdrücken." Statische Anforderungen an ein Objekt auf einem Verkehrskreisel seien andere als an ein freistehendes Objekt außerhalb des Einflussbereiches des Straßenverkehrs. Die statische Umsetzung bringe entsprechende Kosten mit sich. Nach wie vor sei sie der Meinung, dass eine moderne, aber dennoch traditionsbewusste Stadt wie Lichtenfels ein erstes Bild von sich vermitteln sollte, welches genau diese beiden Eigenschaften darstellt. Deshalb würde sie sich nach wie vor sehr freuen, "wenn mein Entwurf für den Köstener Kreisel diese Funktion nicht nur als Modell erfüllen dürfte und auch weiterhin zur Diskussion stünde".

Kommentar: "Noch keine Lösung"

Das haben wir wohl alle schon mal beim Schaufensterbummel erlebt: Etwas gefällt uns ganz sehr - bis wir dann das Preisschild sehen. Wie viel größer muss da die Enttäuschung sein, wenn der Preis für das ersehnte Teil plötzlich verdoppelt wird, während man quasi schon zum Bezahlen ansteht. So ähnlich könnten sich die Stadträte gefühlt haben, als sie über die Verteuerung des in Auftrag gegebenen Flechtobjekts informiert wurden.

Was genau bei den Berechnungen nicht hingehauen hat, ist bis heute nicht wirklich klar. Bei der Herstellung von Prototypen, etwa für die künftige Stadtmöblierung, die mit der Regierung abgesprochen ist und demnächst ausgeschrieben werden soll, trat das Innovationszentrum bisher als kompetenter Partner in Erscheinung. Eine Verteuerung um über 100 Prozent verlangt unbedingt nach Erläuterung.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Entscheidung, einen neuen Wettbewerb zu starten, irgendwie hilflos. Zurück auf Null, irgendetwas anderes machen. Dabei bleiben entscheidende Fragen offen: Wäre eine kostengünstigere Umsetzung möglich gewesen oder ist sie es noch? Wenn man so viel Geld nicht ausgeben möchte - welche Konstruktionen kommen dann überhaupt in Frage? Müssen solche Aufträge für innovative, künstlerische Arbeiten anders angegangen, formuliert und begleitet werden? Dem wird sich die Stadt noch stellen müssen.



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