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Zeitgeist

Genussregion Oberfranken liegt voll im Trend

Bio-Läden und faire Produkte werden im Zuge eines neuen Bewusstseins immer wichtiger in Deutschland. Im Landkreis gehört dieses Bewusstsein zur Tradition.
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Manfred Reichert ist mit seiner Metzgerei und dem Metzgerbräu ein Teil der Genussregion Oberfranken. Foto: Niklas Schmitt
Manfred Reichert ist mit seiner Metzgerei und dem Metzgerbräu ein Teil der Genussregion Oberfranken. Foto: Niklas Schmitt

Craft-Bier ist in aller Munde heutzutage. Überhaupt erfreuen sich nachhaltig produzierte Produkte einer immer größeren Beliebtheit. Sei es Kaffee, Brot, Käse oder eben Bier.

Während viele gerne die naturnahe "Landlust" lesen, Bio-Supermärkte boomen und junge Menschen Wert auf frisch gerösteten und fair gehandelten Kaffee legen, setzt man im Landkreis traditionellerweise auf das, was gerade im Trend liegt: Nachhaltigkeit und Bewusstsein.

Dahinter steckt die Idee, dass genießen nur kann, wer sich bewusst entscheidet. Die Lust wird mit Regeln bedacht, die man einhalten sollte - für die Umwelt, gegen schlechte Behandlung von Arbeitern in fernen Ländern.

Kurze Wege für bessere Qualität

Dabei kann Genuss so einfach sein. Norbert Heimbeck, Geschäftsführer des Vereins Genussregion Oberfranken, sagt: "Aus unserer Erfahrung ist es für Verbraucher wichtiger, dass die Produkte regional produziert werden anstatt bloß ökologisch."

Diese Vermarktung funktioniert auch außerhalb Frankens, denn die Übernachtungen im Landkreis, teilte das Landratsamt mit, seien im Jahr 2018 um 1,1 Prozent auf etwa 672 000 gestiegen.

Hinter dem Etikett Genussregion steckt der Gedanke, dass wenn die Wege der Rohstoffe - Fleisch, Mehl, Malz - kurz sind, weder die Qualität leidet, noch sich der ökologische Fußabdruck unangenehm vergrößert.

Der Arbeitsauftrag des Vereins sei von Beginn an gewesen, so der Geschäftsführer, regionales Produzieren zu fördern. Die Mitglieder verpflichten sich, eine bestimmte Menge ihrer Produkte mindestens aus Franken zu beziehen. "Das macht das Wesen der Genussregion aus", sagt Heimbeck.

Andrea Musiol vom Landratsamt Lichtenfels und Geschäftsführerin des Tourismusvereins Obermain-Jura, meint: "Was die Touristen bei uns schätzen, ist die Kombination aus Landschaftsgenuss und Kulinarik."

In Oberfranken gebe es die meisten Bäckerein, Metzgereien und Brauereien deutschlandweit. Darum würde aber, so Musiol, kein Gewese gemacht. Das kommt bei den Gästen gut an. "Ich weiß auch, dass sich die Touristen die Sachen mitnehmen", sagt Musiol.

Regionale Rohstoffe und Vielfalt

Wer ein Siegel der Genussregion Oberfranken haben will, muss sich an die Regeln halten. Ein Bäcker zum Beispiel muss unter anderem mindestens 80 Prozent der verwendeten Zutaten und 100 Prozent des Mehls aus Franken beziehen.

Und eine Brauerei muss mindestens ein fränkisches Landbier im Angebot haben, wenn sie das Genussregion Oberfranken-Siegel tragen will.

Zusammenfassend heißt das, wenn die Rohstoffe aus der Region kommen, in kleinen Betrieben handwerklich verarbeitet und direkt an den Kunden verkauft werden, entsteht nicht nur Genuss, sondern auch Vielfalt.

Alleine für den Landkreis Lichtenfels führt die vom Landratsamt betriebene Seite www.obermain-jura.de 26 Brauereien an. "Die Genussregion Oberfranken ist geprägt durch eine unglaubliche Vielfalt", sagt Heimbeck.

Vom Wurstkessel zur Brauerei

Eine davon, die auch das Siegel Genussregion Oberfranken trägt, ist die Metzgerbräu. Manfred Reichert sagt, er sei Genussanbieter, weil er selbst produziert und seine Rohstoffe aus der Region beziehe. Seit 2012 braut er das Bier in Ergänzung zu seinem Metzgereibetrieb.

Was 2002 als Hobby anfing, ist jetzt eine wichtige Stütze seines Betriebes. Sogar nach Rom liefert er sein Bier. Ansonsten kann man es aber, jetzt, wo der Tante-Emma-Laden seiner Mutter Barbara Reichert in Lichtenfels geschlossen ist, nur in Uetzing kaufen.

Begonnen hat Reichert damit, sein Bier nach eigener Rezeptur im Wurstkessel zu brauen. Er weiß, dass diese Verbindung sein Alleinstellungsmerkmal ist. "Die Kombination aus Bier und Schinken ist das Geheimnis", sagt Reichert.

Der Wurstkessel wurde schnell zu klein, sodass er 2012 expandiert hat. Aktuell stößt er 100 Hektoliter im Jahr aus. "Jetzt ist wieder alles zu klein", sagt er. Hilfe beim Brauen hat er von Michael Amm, den er angelernt hat.

Seit 1989 besitzt er die Metzgerei. Auch dabei versucht er immer wieder Neues. Seit kurzem hat er auch Zwetschgenbaames im Programm.

Ist das Metzgerbräu nun ein Craft-Bier? Darauf hat Reichert eine klare Antwort, die nicht nur für ihn, sondern für die gesamte Region spricht: "Wenn man es genau nimmt, ist jede Fränkische Brauerei eine Craft-Bier-Brauerei." Amm fügt hinzu, Craft würde nur bedeuten, mit der Hand gemacht: "Wir machen alles mit Hand und Liebe und Herz."

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