Lichtenfels
Umwelt

Gehen die Bienen dem Menschen voran?

Die ÖDP hat ein Volksbegehren auf den Weg gebracht, mit dem das Bienen- und Artensterben gestoppt werden soll.
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Ulla Trebes, umgeben von den ausschwärmenden Bienen ihrer Mutter Manuela, die als Imkerin  am Staffelberg acht Völker pflegt. Martin Trebes
Ulla Trebes, umgeben von den ausschwärmenden Bienen ihrer Mutter Manuela, die als Imkerin am Staffelberg acht Völker pflegt. Martin Trebes

"Das Hauptproblem sind die Monokulturen - die Bienen finden nichts mehr zu fressen", sagt Manuela Trebes. Die Imkerin pflegt am Fuß des Staffelbergs acht Bienenvölker. Der Einsatz von Pestiziden, ergänzt sie, führe zu Missbildungen bei den Insekten sowie zur Orientierungslosigkeit. Außerdem dazu, dass diese Tiere ihre Kommunikationsfähigkeit verlieren. Bienen seien für den Menschen eines der wichtigsten Nutztiere. Wenn es keine Bienen mehr gäbe, fiele die Ernte aus - vom Apfel bis zum Raps.

Doch was kann man dagegen tun? "Es müsste mehr Pflanzen geben, die den Bienen Nahrung bringen", sagt Manuela Trebes. Das könne in Privatgärten ebenso wie auf öffentlichen Flächen geschehen. Sogar in Blumenkästen auf Balkonen sollten bienenfreundliche Pflanzen wachsen.

Bunter Speisenplan für Bienen

Die 49-Jährige wünscht sich mehr Ausgleichsflächen, auf denen die Pflanzen zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen. Darauf sollten zum Beispiel Lupinen, Astern, Dahlien, Schafgarbe, Lavendel, Wilde Malve, Brombeere, Himbeere, Wilder Wein, Weißdorn und Schlehe stehen. Eine solche Vielfalt komme auch Hummeln zugute. Die Kleingärtner fordert sie auf, möglichst wenig zu spritzen und blühende Pflanzen für die Bienen anzusäen.

Ohne Imker könnten die Bienen nicht überleben, sagt Manuela Trebes, denn niemand sonst schütze die Völker vor der Varroa-Milbe. Wegen der zeitintensiven Arbeit gebe es jedoch viel zu wenig Nachwuchs in der Imkerei. Nur ein geringer Prozentsatz des deutschen Bedarfs an Honig und Honigprodukten werde von einheimischen Imkern bedient, ergänzt sie. Der weitaus größte Teil komme heute schon aus dem Ausland - aus europäischen, aber auch asiatischen Ländern.

Das Volksbegehren findet sie sinnvoll, "um die Leute wachzurütteln und zu sensibilisieren, damit sie nicht nur konsumieren".

Alle Insekten sind betroffen

"Handlungsbedarf besteht allgemein, das ist das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier - und Arten, die ausgestorben sind, sind für immer weg", sagt ÖDP-Kreisvorsitzender Thomas Müller aus Burgkunstadt. Das gelte nicht nur für die Bienen, sondern für alle Insekten, weil die nämlich in der Nahrungskette fehlten. Das führe dazu, dass auch die Vögel weniger werden. Insekten in Flüssen und Seen, fährt Müller fort, seien notwendig als Futter für Fische. Deshalb sei eines der Hauptanliegen des Volksbegehrens, dass durchgesetzt werden soll, an den Ufern von Flüssen und Seen in einer Fünf-Meter-Zone das Düngen und Spritzen zu untersagen. Zudem müsse es gelingen einen geschlossenen Biotopverbund zu schaffen, damit sich der Genpool der Tiere erneuern könne.

"Wir sind nicht gegen die Bauern, finden es aber wichtig, die bäuerliche Landwirtschaft umzustellen", sagt Müller. Bis 2030 sollten 30 Prozent der Bauern ökologische Landwirtschaft betreiben, fährt er fort. "Das ist unserer Meinung nach machbar."

"Wir gehen davon aus, dass es zu schaffen ist, eine Million Leute zur Stimmabgabe zu motivieren", sagt Müller. Er ist sich sicher, dass die meisten Menschen in Bayern die Ziele des Volksbegehrens begrüßen - es komme nun darauf an, sie zu mobilisieren. Doch erst wenn diese Ziele im Landtag weiterverfolgt und in Gesetzesform gegossen werden, könne sich etwas ändern.

Und wie steht der Bund Naturschutz (BN) zu dem Volksbegehren? BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt: "Wir stehen voll inhaltlich dahinter." Und er erklärt, warum: "Der Flächenverbrauch müsste gestoppt werden, denn immer mehr freie Flächen gehen verloren, die unsere Arten brauchen." Auf den kommunalen Bereich heruntergebrochen bedeute das: "Unsere Dörfer bluten im Innenbereich aus, doch im Außenbereich breiten sich Neubaugebiete aus." Hier müssten die Kommunen ansetzen. Sie müssten Druck ausüben, um leerstehende Wohnhäuser und Grundstücke im Innenbereich als Wohnflächen heranzuziehen.

In der Landwirtschaft, ergänzt Anton Reinhardt, "müssten wir versuchen, die Bewirtschaftung mit möglichst wenig Chemie zu machen". Nur so lasse sich das begonnene Artensterben in den Griff bekommen. Denn längst sei aus dem Insektensterben ein Vogelsterben geworden, weil den Vögeln die Insekten als Nahrung für ihren Nachwuchs fehlten.

Das Anlegen von Blühstreifen befürwortet er als kleinen Beitrag in die richtige Richtung. Es müsse jedoch zudem versucht werden, durch den Fruchtwechsel gegenzusteuern. Wenn zum Beispiel der Mais abgeerntet sei, sollten Zwischenfrüchte auf den Feldern angepflanzt werden - also bodendeckende, blütenreiche Pflanzen. Dadurch werde verhindert, dass die Äcker ausgeschwemmt werden. Zudem gäbe das jenen Vögel, die am Boden brüten, eine Deckung.

"Es ist kein Volksbegehren gegen die Landwirtschaft", sagt Anton Reinhardt. "Wir wollen versuchen, die ökologische, bäuerliche Landwirtschaft und die Familienbetriebe zu unterstützen." Und er fügt hinzu: "Auch konventionelle Betriebe leisten zum Erhalt der Kulturlandschaft einen wertvollen Beitrag - wir demonstrieren gegen die großindustrielle Landwirtschaft." Reinhardt: "Es ist ganz wichtig, dass die Bauern belohnt werden für ihre Naturschutzarbeit."

Freiwilligkeit ist besser als Zwang

Kritisch sieht Bauernverbands-Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein das Volksbegehren: "Von den Forderungen sind zu 99,9 Prozent die Landwirte betroffen, sonst niemand." Dies sei "ein massiver Eingriff ins Grundeigentum". Was hier gefordert werde, führe dazu, dass bäuerliche Kleinstrukturen auf der Strecke bleiben. "Wir haben selber ein großes Interesse an der Artenvielfalt und an natürlichen Kreisläufen", sagt er. Doch es sei der falsche Weg, diese Ziele unter Zwang über das Volksbegehren erreichen zu wollen. Das müsse einvernehmlich geschehen. "Wir finden freiwillige Geschichten besser, weil dann jemand dahinter steht." Deshalb wäre es sinnvoll, "nicht übereinander, sondern miteinander zu reden". Über das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) und das Vertragsnaturschutzprogramm seien viele Bauern aktiv im Naturschutz engagiert - trotz der hohen bürokratischen Hürden, ergänzt Rebelein.

Derzeit versuche der BBV zudem, das Projekt "Blühender Rahmen" auf freiwilliger Basis ins Leben zu rufen. Dafür würden bayernweit 500 Landwirte benötigt, die als "Blühbotschafter" ihre Flächen bestellen. Die erforderlichen Blühmischungen seien jedoch teuer. Pro Hektar, schätzt Rebelein, müssen mit Kosten von 200 bis 300 Euro fürs Saatgut gerechnet werden. Der BBV suche deshalb Sponsoren, die solches Saatgut finanzieren.

Volksbegehren "Rettet die Bienen - Stoppt das Artensterben"

Initiative Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) hat das Volksbegehren "Rettet die Bienen - Stoppt das Artensterben" gestartet. Ziel der ÖDP ist es, das Artensterben abzubremsen. Weil die Vielfalt der Fauna bedroht ist, startete die ÖDP dieses Volksbegehren im vergangenen Jahr. Nun müssen sich innerhalb von 14 Tagen zehn Prozent der Wahlberechtigten Bayern in den Rathäusern eintragen, damit das Begehren Erfolg hat. Das sind fast eine Million Menschen.

Frist Die Eintragungsfrist für das Volksbegehren läuft vom 31. Januar bis 13. Februar. Zur Eintragung sind alle deutschen Staatsbürger zugelassen, die das 18. Lebensjahr vollendet und seit mindestens drei Monaten ihren Hauptwohnsitz in Bayern haben.

Modalitäten Jeder Stimmberechtigte kann sich nur in einem Eintragungsraum jenes Eintragungsbezirks registrieren lassen, in dessen Wählerverzeichnis er geführt wird. Die Stimmberechtigten müssen dazu ihren Personalausweis oder Reisepass mitbringen. Stimmberechtigte, die einen Eintragungsschein besitzen, können sich unter Vorlage ihres Personalausweises oder Reisepasses in die Liste eines beliebigen Eintragungsraums in Bayern einschreiben. Jeder Stimmberechtigte kann sein Stimmrecht nur einmal und nur persönlich ausüben. Stellvertretung ist unzulässig. Es besteht keine Möglichkeit, die Eintragung brieflich zu erklären. Die Eintragung kann nicht zurückgenommen werden.

Ziel Mit dem Volksbegehren will die ÖDP in die Gesetzgebung eingreifen. Der Ausbau der Ökolandwirtschaft soll verbindlich werden. Außerdem soll ein Biotopverbund in Bayern entstehen, der für den Erhalt der Artenvielfalt unverzichtbar sei, wie die ÖDP begründet. In weiteren sieben Artikeln des Naturschutzgesetzes sollen natürliche Lebensgrundlagen gesichert werden, um damit den gefährdeten Arten zu helfen. Unter anderem sollen geschützte Gewässerrandstreifen gesetzlich vorgeschrieben werden.

Die ÖDP hat das Volksbegehren zusammen mit über 80 Bündnispartnern gestartet, weil sie "dem größten Artensterben seit Menschengedenken nicht mehr tatenlos zusehen will". Nach Angaben der ÖDP sind bereits 54 Prozent der Bienenarten bedroht und über 75 Prozent der Falterarten verschwunden. Viele Vogelarten und andere Spezies seien in ihren Beständen stark dezimiert.

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