Lichtenfels
Arbeitsmarkt

Gastronomie gerät unter Druck

Die Arbeitslosenquote im April ist auf ein Rekordniveau gesunken. Die andere Seite dieses Erfolges ist ein knappes Angebot an Fachkräften.
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Zwei junge Köche arbeiten an ihren Speisen. Durch die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt hat die Gastronomie Probleme, Mitarbeiter zu finden.  Foto: Jens Büttner, dpa
Zwei junge Köche arbeiten an ihren Speisen. Durch die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt hat die Gastronomie Probleme, Mitarbeiter zu finden. Foto: Jens Büttner, dpa
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Die Arbeitslosenquote im Landkreis ist im April im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent auf 3,1 Prozent gesunken. Das ist die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist so hoch wie seit 21 Jahren nicht mehr: Sie liegt bei 29 028 (Stand 09/2018).

Der Frühjahrsaufschwung im Landkreis fiel damit besonders dynamisch aus. Das ist vor allem auf die Witterung im April zurückzuführen, die untypisch hohe Temperaturen brachte und wenig Regen. Das sorgte dafür, dass in den Außenberufen viele Arbeitnehmer früher als sonst wieder eingestellt wurden.

Der Boom auf dem Arbeitsmarkt hält damit schon länger an, was in bestimmten Branchen mittlerweile durchaus zu einem Problem wird. Ein Beispiel dafür ist die Gastronomie. Obwohl der Bereich Tourismus am Obermain - vor allem um Bad Staffelstein herum - seit langem ein Wachstumszweig ist, hat sich die Zahl der Beschäftigten hier im vergangenen Jahrzehnt kaum verändert. Es gibt starke Konkurrenz durch andere Bereiche.

Im Jahr 2008 verzeichnete die Arbeitsagentur 733 Beschäftigte in der Gastronomie, 2018 waren es mit 752 kaum mehr. Die Zahl der Betriebe stieg im selben Zeitraum von 144 auf 153. Darin sind auch Kleinunternehmen wie Imbiss-Buden eingerechnet.

Auch der Wandel in der Altersstruktur der in der Gastronomie Beschäftigten gibt einen Hinweis darauf, dass der Arbeitsmarkt hier schwierig geworden ist. Die Zahl der Auszubildenden in dem Bereich hat sich zwischen 2008 und 2018 von 93 auf 47 etwa halbiert, umgekehrt ist der Anteil der Beschäftigten über 55 Jahre von 52 auf 122 angestiegen.

Anne Maria Schneider, Leiterin des Kur- und Tourismus-Service in Bad Staffelstein, bestätigt die Entwicklung: "Aber nicht alle Betriebe sind gleichmäßig von dieser Situation betroffen", hat sie beobachtet. Dem Kurhotel in Bad Staffelstein sei es etwa gelungen, alle Ausbildungsplätze für 2019 zu besetzen, andere Betriebe suchten schon länger Personal. Man könne das auch am Genuss- und Freizeitführer erkennen: "Einige Betriebe schränken Öffnungszeiten ein oder haben mehr Ruhetagen." Auch Matthias Klar, Sprecher der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg, bestätigt das. In der Gastronomie müsse man sich zurzeit besonders anstrengen, um Personal zu bekommen. "Was zieht, ist ein guter Ruf", sagt er mit Blick auf den Erfolg des Kurhotels. Daran müsse jeder Betrieb arbeiten. Es gebe aber auch Qualifizierungsangebote der Agentur für Arbeit für vorhandene Mitarbeiter. "Dann einen Ersatz zu finden für einen Ungelernten, ist oft einfacher." Es gebe einen Wandel hin zum Bewerbermarkt. Auf 30 offene Stellen im Gastronomiebereich im Landkreis kämen nur noch 34 Arbeitslose.

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