Ebensfeld
Flüchtlinge

Gasthof Neuner steht wieder leer

Die Zahlen der unbegleiteten Jugendlichen, die nach Deutschland einreisen, geht stetig zurück. Seit diesem Jahr steht nun die ehemalige Flüchtlingsunterkunft in dem Wirtshaus in Ebensfeld nach fast vier Jahren wieder leer.
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Vom Gasthof zur Unterkunft für junge Flüchtlinge: Das Wirtshaus in Ebensfeld steht nun wieder leer, nachdem es mehr drei Jahre lang jungen Menschen die ohne Eltern nach Deutschland geflüchtet sind als Unterkunft.  Foto: Archiv/Mario Deller
Vom Gasthof zur Unterkunft für junge Flüchtlinge: Das Wirtshaus in Ebensfeld steht nun wieder leer, nachdem es mehr drei Jahre lang jungen Menschen die ohne Eltern nach Deutschland geflüchtet sind als Unterkunft. Foto: Archiv/Mario Deller

Im Gasthof Neuner an der Hauptstraße in Ebensfeld sind die Lichter wieder aus. Im Januar 2016 beschloss der Marktgemeinderat, dass das leer stehende Gebäude als Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind, dienen soll.

Damals stimmte der Bauausschuss ohne Gegenvotum dem Antrag zu, das Heim als Unterkunft der "Mobilen Betreuung am Menschen" (Mo BaM) zur Verfügung zu stellen. Nachdem sich keine Möglichkeit fand, den Gaststättenbetrieb wieder aufzunehmen, hat sich die Familie Neuner für diese Lösung entschieden. In enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Landkreises Lichtenfels und MoBaM wurde die Idee des Kinder- und Jugendheimes entwickelt.

Kein Bedarf mehr für Unterkunft

Nun, etwas mehr als drei Jahre später, steht der Gasthof wieder leer. Die Jugendlichen wurden durch einen freien Träger der Jugendhilfe versorgt, und größere Umbaumaßnahmen waren damals nicht notwendig, wie Pressesprecher Andreas Grosch vom Landratsamt Lichtenfels erklärt. "Der Gasthof steht bereits seit Juli leer", sagt Bürgermeister Bernhard Storath. Erste Ideen, was aus dem Gasthof jetzt werden könnte, gebe es schon, verrät er.

Laut der Regierung von Oberfranken flüchten immer noch Minderjährige ohne Eltern nach Deutschland und werden hier von den Jugendämtern betreut. Sobald die jugendlichen Geflüchteten einem Jugendamt zugeteilt worden sind, wird dort der individuelle Betreuungsbedarf ermittelt und ein entsprechender Hilfsplan erstellt. Im Normalfall werden die jungen Menschen in Jugendhilfeeinrichtungen durch freie Träger der Jugendhilfe untergebracht, so die Regierung von Oberfranken. Entsprechend ihrem Entwicklungsstand und Hilfsbedarf werden sie dann betreut, gefördert und auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben begleitet. Sie erhalten ein großes Angebot an Bildung, sozialer Teilhabe, Tagesstrukturierung und Unterstützungsleistungen, wie bei einheimischen Jugendliche.

In Sonderfällen wie zum Beispiel bei schwangeren Mädchen oder bei minderjährigen Müttern ist eine Unterbringung in spezialisierten Einrichtungen möglich. Bei Bedarf können sie nach ihrer Volljährigkeit weiterbetreut werden.

Rückgang unbegleiteter Kinder

Auf Anfrage teilt Pressesprecher Grosch mit: "Nachdem seit 2016 immer weniger unbegleitete minderjährige Geflohene einreisten und die Personengruppe zusätzlich seit Ende 2015 bundesweit Jugendämtern zugewiesen wird, hat es für die Einrichtung in Ebensfeld keinen Bedarf mehr gegeben."

Die Flüchtlingsunterkunft in Unterleiterbach wurde sogar schon zum 1. Januar 2018 geschlossen.

Diese rückläufige Entwicklung bestätigte die Pressestelle der Regierung von Oberfranken: Ende 2015 / Anfang 2016 wurden ungefähr 850 Jugendliche registriert und zum 31. September sind es noch 260. Im Landkreis Lichtenfels wurden vom Jugendamt im Jahr 2018 durchschnittlich 27 und zum 31. Oktober noch 17 unbegleitete Jugendliche betreut.

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