Lichtenfels
Auflösung

Freiwllige Feuerwehr Burgberg löst sich auf

Die Brandschützer vom Burgberg werden in der Lichtenfelser Stützpunktwehr integriert. Das passt nicht allen.
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Heute steht an der Stelle des ehemaligen Feuerwehrhauses in der Unteren Brunnengasse 2 eine Garage.  Fotos: Andreas Welz
Heute steht an der Stelle des ehemaligen Feuerwehrhauses in der Unteren Brunnengasse 2 eine Garage. Fotos: Andreas Welz
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Das Feuerwehrsterben hat nach Zettlitz im vergangenen Sommer ein weiteres Opfer im Landkreis gefunden: Seit 1. Januar existiert die Einsatzwehr Burgberg in Lichtenfels nicht mehr.
Heute stimmt der Stadtrat über eine neue Satzung für die freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet ab. Die 16 Brandschützer vom Burgberg werden nicht mehr direkt betroffen sein. Kreisbrandrat Timm Vogler bedauert die Auflösung der aktiven Mannschaft: "Ich respektiere die Entscheidung", sagte er unserer Zeitung und bat die gut ausgebildeten Feuerwehrleute, ihren Dienst weiterhin in den vorhandenen Lichtenfelser Wehren zu versehen. "Wir brauchen jeden Mann und jede Frau", so sein Appell.


Personalstärke ungenügend

Die Gründe für die Auflösung sind vielschichtig, kompliziert und werden getragen von ganz persönlichen Entscheidungen, die jeder Mann und jede Frau für sich selbst fallen muss.
Bei einem Gespräch mit der Feuerführung im liebevoll eingerichteten Vereinszimmer der Stützpunktwehr wurde am Samstag aber eines deutlich: Die Personalstärke reicht nicht aus, eine selbstständige Wehr einsatzbereit zu halten. Kommandant Bernd Krauß und Zweiter Kommandant Markus Barnikel stellten fest: "Uns fehlen die Leute."
Beide hatten am 15. Dezember einen Antrag an die Stadt gestellt, den Stadtkämmerer Johann Pantel zu Kenntnis nahm. Darin heißt es: "... dass die Einsatzwehr der Freiwilligen Feuerwehr Burgberg nicht mehr einsatzfähig ist und sich auflöst." Weiter heißt es: "Der (Feuerwehr)verein bleibt weiterhin bestehen."
Seit Jahren ringen die Feuerwehrleute auf dem Burgberg um ihre Existenz. Es fanden Gespräche mit der damaligen Bürgermeisterin und im Juli 2014 mit dem derzeitigen Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) statt. Dabei war Kreisbrandrat Timm Vogler derMeinung, dass die Aktiven der Feuerwehr Burgberg in die Stützpunktwehr integriert werden sollten. Zweiter Vorsitzender Günther Werner war im Dezember 2015 dann allerdings überrascht: "Man hatte uns nicht gesagt, worum es geht", sagte er. Aus fachlicher Sicht sei eine eigenständige Wehr nicht notwendig, hätte der Kreisbrandrat gesagt. "Zwei eigenständige Feuerwehren, die in einem gemeinsamen Feuerwehrhaus für ein und denselben Schutzbereich untergebracht sind, sind aus einsatztaktischen und aus wirtschaftlichen Gründen nicht notwendig", äußerte sich Vogler. Der Kommandant hatte bereits mit anderen Wehren Kontakt aufgenommen mit dem Ziel, einen Zusammenschluss vorzubereiten. Die Gespräche seien ergebnislos verlaufen, bedauerte Krauß. Er beklagte sich auch über das Verhalten der Kreisbrandinspektion, die ihm und seinen Leuten nicht den Rücken stärkten. "Das wirkte sich auf die Motivation meiner Leute aus", sagte er. Der größte Teil habe zu verstehen gegeben: "Entweder wir machen mit dem 1. und 2. Kommandanten weiter, oder wir versehen keinen Feuerwehrdienst mehr." Ein weiteres Problem für den Kommandanten ist das Einsatzfahrzeug, ein schmucker Mercedes Benz Sprinter 314. "Sollten wir in der Hauptwehr Dienst tun, dann würden sich unsere Einsätze drastisch verringern", gab er zu bedenken. "Fahren wir nur noch zwei Einsätze im Jahr, dann würden die in München keine Notwendigkeit für ein eigenes Fahrzeug sehen", war er überzeugt. Auf Nachfrage machte Kreisbrandrat Vogler deutlich: "Diese Ausführungen ergeben keinen Sinn. Genau das Gegenteil wäre der Fall gewesen, die Lichtenfelser Feuerwehr wird circa 100-mal im Jahr alarmiert und somit auch die Kameraden der FF Burgberg, die bei einer Integration in die FF Lichtenfels dann, wie alle anderen auch, ihren Dienst in der Stützpunktfeuerwehr verrichten würden.
Der Vorsitzende der Burgberger Feuerwehr, Winfried Weinbeer, zählte 116 Mitglieder einschließlich der passiven. "Es hat sich bisher niemand abgemeldet", stellte er fest. "Auch ich bedauere diese Entwicklung außerordentlich, sehe aber keine Möglichkeit, in der jetzigen Situation die Entwicklung aufzuhalten und unterstütze die Entscheidung der Aktiven", sagte er. Weinbeer hoffte, dass sich in Zukunft junge Leute für den Dienst am Nächsten zur Verfügung stellen. Für ihn war noch kein Schlussstrich mit der Auflösung der Wehr gezogen. Einen kleinen Seitenhieb in Richtung seines Kommandanten konnte er sich nicht verkneifen: "Ich habe von der Auflösung unserer aktiven Wehr erst durch die Einladung zur Stadtratssitzung am Montag erfahren.
Rund 120 Jahre besteht die Freiwillige Feuerwehr Burgberg. Kassierer Rudolf Krauß wusste durch einige Anekdoten, die Minen der Teilnehmer aufzuhellen. Das erste Fahrzeug sei ein Transporter gewesen, den man von der damaligen Freibank in Lichtenfels 1956 gekauft hatte. "Mit dem Auto wurden kranke oder verletzte Tiere zum Schlachten gefahren." Das Fleisch sei recht preiswert gewesen, erinnerte er sich. In Eigenregie wurde das Auto als Einsatzfahrzeug umgerüstet.
"Das zweite Feuerwehrauto war ein Borgward Transporter, den wir von der Fabrik in Bremen abgeholt haben", berichtete er. Auch dieses Fahrzeug bauten die damaligen Brandschützer aus. "Mit dem sind wir sogar zum Feuerwehrfest nach Miesbach am Tegernsee gefahren", schmunzelte er. Das Feuerwehrhaus war in der Unteren Brunnengasse, neben dem Anwesen von MdL Walter Großmann †, der jahrelang den Verein als Vorsitzender führte.
Auch einige Einsätze waren ihm gut in Erinnerung. Zum Beispiel der Brand in der Mühle am Mühlbach oder in der Diskothek "Mississippi" in der Bamberger Straße. Beim Hochwasser sei man 1976 aktiv dabei gewesen und auch bei den Großbränden im Schaumstoffwerk Veenendaal oder im Sägewerk Welsch. Wenn es um Belange des Stadtteils geht, packen die Feuerwehrleute auf dem Burgberg kräftig mit an. Sie stellen den Weihnachtsbaum auf oder zelebrieren das "Totaustragen" vor Palmsonntag. Da wird der Winter verscheucht und der Frühling kann kommen.
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