Bad Staffelstein
Interview

Fränkischer Funktionär aus AfD-Mitte: Man wechselt die Partei nicht wie Unterhemden

Markus Dossenbach ist stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Kulmbach-Lichtenfels und Sprecher der "Alternativen Mitte" der Partei.
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Foto: Christian Bauriedel
Foto: Christian Bauriedel
Markus Dossenbach ist stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Kulmbach-Lichtenfels.
Parteipolitisch noch stärker wiegt seine Sprecherposition bei der Alternativen Mitte (AM). Die vor einem Jahr gegründete Interessengemeinschaft versteht sich als Sammelbecken bürgerlicher Mitglieder innerhalb der AfD.

Sind Sie von der Alternativen Mitte die Guten in der AfD?
Markus Dossenbach: Gut und Böse sind keine Kategorien, die im Zusammenhang mit der Alternativen Mitte (AM) angemessen sind. Wir wollen dem bürgerlich-konservativen Lager innerhalb der AfD eine Stimme geben.

Worin unterscheiden Sie sich vom AfD-Mainstream?
Leute wie Alexander Gauland oder Björn Höcke sind nicht der Mainstream der AfD. Sie werden von der Öffentlichkeit nur dafür gehalten, weil sie am lautesten sind. Mich und die anderen AM-Mitglieder interessiert nicht, ob man die Taten der Wehrmacht anders beurteilen muss. Wir wollen uns nicht in geschichtspolitische Diskussionen verbeißen, sondern eine pragmatische Politik für das Heute und das Morgen machen. Außerdem legen wir Wert auf eine bürgerliche Sprache. Ein Wort wie "entsorgen" würde mir nie über die Lippen kommen.

Wie stark ist die AM?
In Bayern haben wir rund 120 Anhänger, deutschlandweit vielleicht 1000. Paul V. Podolay, der für den Wahlkreis Erlangen-Höchstadt in den Bundestag einzieht, ist ebenfalls Teil der AM.

Der bayerische AfD-Chef zählt nicht zu Ihren größten Fans.
Sicherlich nicht. Ich gehörte damals zu jenen, die sich gegen einen Listenplatz für Petr Bystron ausgesprochen haben. Hintergrund war, dass der Verfassungsschutz ihn wegen Aussagen zur Identitären Bewegung überwachen lässt. Aber Bystron behandelt die AM korrekt.

Was haben Sie mit Gauland gemeinsam?
Meine frühere Mitgliedschaft in der CDU. Mehr nicht.
Konsequenterweise müssten Sie sich Frauke Petry anschließen und der AfD den Rücken kehren.
Ich habe ihr eine WhatsApp geschickt und sinngemäß gefragt: "Warum haben Sie das getan?" Petry hat geantwortet: "Es tut mir leid. Es war überfällig." Was genau sie zum Austritt bewogen hat, weiß ich aber nicht.

Wann schließen Sie sich Petry an?
Gar nicht. Man wechselt die Partei nicht wie seine Unterhemden. Die AfD ist meine Partei. Ich will mich dafür einsetzen, dass die bürgerlich-konservativen Stimmen wieder dominieren. Die AfD ist in meinen Augen die einzige bürgerliche Alternative zur Union. Die AM ist an Inhalten interessiert, nicht am Spektakel.



Sind Sie damit nicht hoffnungslose Außenseiter?
Wir sind eine junge Partei. Es ist völlig offen, wie die AfD einmal aussehen wird.

Wird sich die AfD nach dem Rückzug Petrys spalten?
Das halte ich für ausgeschlossen. Dafür war ihr Schritt inhaltlich auch nicht gut genug begründet.
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