Weismain
Interview

Forum Zukunft in Weismain: Medienkompetenz ist "Riesenthema"

Beim "Forum Zukunft" wurde das Thema "Digitalisierung" von vielen Seiten beleuchtet.
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Markus Klimmer (links), hier im Teilausschnitt eines Bildes neben Unternehmer Michael Limmer, sprach im Nachgang der Veranstaltung noch über verschiedenste Aspekte der Digitalisierung. Foto: Markus Häggberg
Markus Klimmer (links), hier im Teilausschnitt eines Bildes neben Unternehmer Michael Limmer, sprach im Nachgang der Veranstaltung noch über verschiedenste Aspekte der Digitalisierung. Foto: Markus Häggberg

War es eine Sternstunde für den Sternensaal in Weismain? Es war zumindest erhellend, wie gesellschaftlich vielseitig das Thema "Digitalisierung" ist und in jenem Saal der Firma Baur beleuchtet wurde. Entsprechend geschickt war für den Dienstagabend auch die Auswahl der Diskutanten.

Bei dem noch von Altlandrat Reinhard Leutner ins Leben gerufenen "Forum Zukunft" kamen Vertreter zwischen Wirtschaft, Kultus und Lokalpolitik zu Wort. Die Frage lautete: Wie sieht Führung im digitalen Zeitalter aus? Als jeder der über 120 Besucher im Halbrund vor dem Podium seinen Platz eingenommen hatte, wurde eine Videobotschaft zum Laufen gebracht.

Ministerielle Grüße per Video

Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, grüßte aus vier Metern Höhe das vom Landkreis Lichtenfels und dem Wirtschaftsforum Obermain Jura ausgerichtete Ereignis und versprach, Anregungen aus ihm ernst zu nehmen. Denn was der Gesellschaft u. a. mehr und mehr bevorsteht, ist die Abkehr vom Papier als Informationsträger zugunsten der digitalen Datenerfassung und Datenspeicherung. Das birgt Chancen und Gefahren.

So begannen Landrat Christian Meißner, Markus Klimmer, Handwerksunternehmer Michael Limmer, der Direktor des Burgkunstadter Gymnasiums, Thomas Meier sowie Patrick Boos, Geschäftsführer Marke & Vertrieb der Baur-Gruppe unter der Leitung von Matthias Kammer, Direktor des Divisi (Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet), ihre Erfahrungen und Erwartungen mit und an die Digitalisierung zu benennen. Derjenige, der an diesem Abend besonders viel Anregendes zu Führung im digitalen Zeitalter zu erzählen hatte, war Markus Klimmer.

Listet man seine Aktivitäten auf, zeigt sich, dass schon er alleine unterschiedliche Blickwinkel zu dem Thema einnehmen kann: Investor und Aufsichtsrat, Wirtschaftsberater und Wahlkampfmanager des derzeitigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Betrachtungen und Schlussfolgerungen stehen auch in seinem Buch "Digital Leadership", zu dem Roman Herzog einst das Geleitwort schrieb. Eben mit Klimmer führte unsere Zeitung im Nachgang des Geschehens ein Interview. Was haben Sie aus der Diskussion mitgenommen? Markus Klimmer: Keiner hat hier geklagt, dass er das Personal für Digitalisierung nicht kriegt. Das war für mich das größte Aha-Erlebnis. Ist der Grad innovativer Digitalisierung, beispielsweise in Unternehmen, abhängig von deren Wirtschafts- und Finanzkraft? Ich stimme mit der Eingangsthese nicht überein, weil Ideen keine Folge von Geld sind. (...) Hier kommen nämlich auch die Sparkassen und Raiffeisen- und Volksbanken ins Spiel, wenn sie ihre Aufgaben bei der Unterstützung von Firmen wahrnehmen. Werden also Banken künftig verstärkt Firmenkredite zum Zwecke von Digitalisierungsmaßnahmen vergeben? Ja, das machen sie auch, weil viele Banken große Kenntnisse dazu erlangt haben. Gerade Deutschland hat dabei einen Standortvorteil durch das gute Netz von Raiffeisen- und Volksbanken oder Sparkassen, die ihre Kunden und deren Fähigkeiten persönlich kennen. Die Kreditvergabe muss im Digitalbereich altmodisch sein, das kann kein Algorithmus abnehmen. Wird Digitalisierung bei Unternehmen ein laufender Posten werden? Ja, man wird ja leider schon manchmal digitalisierungsmüde. Als Führungskraft muss ich wieder klarmachen, dass Digitalisierung in fünf Jahren wieder anders aussieht als heute und es beständige Veränderungen auf diesem Feld gibt. Sie schrieben einmal, die Zeit der Zampanos im Management sei vorüber - wieso glauben Sie im Digitalzeitalter an eine Demokratisierung? Weil diejenigen, die erfolgreich sind, keine Zampanos sind. (...) Wer Personal haben will, muss ein Umfeld schaffen, wo es keine Zampanos gibt. Gute Mitarbeiter können keine Atmosphäre von Diktatur gebrauchen. Umberto Eco forderte einmal ein Schulfach zum Umgang mit modernen Medien. Schwebt Ihnen Ähnliches zur Digitalsierung vor? Unbedingt, unbedingt. (...) Die Macht von Gerüchten und Fake-News macht mich fassungslos. Medienkompetenz, wenn wir unsere Demokratie erhalten wollen, ist ein Riesenthema. Ethik und Digitalisierung - was fällt Ihnen dazu ein? Es gibt Hysterien am Markt, Führungskräfte, die sich an schnellen Meldungen und Hysterien orientieren, um über das Tagesgeschäft zu kommen. Wird es durch Digitalisierung neue Berufsbilder geben?Zählen Sie mal auf! Ich denke, das Thema werden nicht neue Berufe sein, sondern dass in bestehenden Berufen viel an Veränderung passiert. Die Herausforderung ist, bestehende Berufsbilder mit digitalen Zusatzkompetenzen aufzufüllen. Was war die im Zusammenhang mit Digitalisierung für Sie überraschendste Erkenntnis? All das, wovon wir erzählen, kommt oft gerade doch nicht. Andersrum kommt verstärkt Produktion wieder an den Standort Deutschland. Deutschland ist kein Verlierer der Digitalisierung. Die Fragen stellte Markus Häggberg

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