Weismain
Handwerk

Forstwirt arbeitet mit keltischem Handwerk

Wenn das Zangentor am Staffelberg wieder aufgebaut wird, ist Klaus Schmidt mit dabei. Der gelernte Schreiner kennt sich mit dem Handwerk der Kelten aus.
Artikel drucken Artikel einbetten

Eigentlich hatte Klaus Schmidt schon früh Forstwirt werden wollen. Bereits in der 8. Klasse interessierte sich der Weismainer für Holz und das Handwerk. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, machte er eine Ausbildung zum Schreiner. Heute interessiert er sich besonders für die Techniken, die die Kelten zur Holzbearbeitung benutzt haben - etwa zur Errichtung des Zangentores am Staffelberg.

"Das alte Handwerk interessierte mich schon immer - Holz ist mein Werkstoff", sagt Schmidt. Schreiner ist er aber nur geworden, weil er nach der Ausbildung zum Forstwirt nicht hätte in der Region bleiben können.

Handwerk von der Pike auf gelernt

Schmidt lernte Schreiner und durchlief zum Beginn seiner Ausbildung ein Berufsgrundschuljahr. Nichts besseres hätte ihm passieren können, sagt er heute.

Denn währenddessen hat er das Handwerk von der Pike auf gelernt - im Wortsinn sogar: Statt mit Maschinen wurde dem jungen Auszubildenden dort beigebracht, wie man mit der Hand werkelt. Handsäge, Hobel und ähnlich grundlegende Werkzeuge standen ihm nur zur Verfügung.

Die Einschränkung auf einfache Mittel hat ihn wichtiges Wissen lernen lassen. Wissen, das er heute wieder gebrauchen kann, wenn er sich mit den Werkzeugen der Kelten an alte Fränkische Eichen macht, wie zuletzt auf dem Altstadtfest in Bad Staffelst.

Angefangen hat die Spezialisierung auf die Kelten mit dem Beginn der Ausgrabungen am Staffelberg und der Idee, das Zangentor nach alter Bauweise neu zu errichten. Die bayerischen Staatsforste sollten das Holz dafür liefern. Aber Schmidts Chef wusste um seine Interessen und lieferte gleich noch den Handwerker mit.

Arbeiten wie die Kelten

"Mich hat schon immer fasziniert, wie wenig Werkzeug man braucht, um ein Haus zu bauen", sagt er im Hinblick auf die keltische Siedlung, die wohl 40 vor Christus am Staffelberg abgebrannt ist. Das Grundprinzip der Holzbearbeitung ist gleich geblieben.

Auch die Werkzeuge haben sich über die Jahrhunderte hinweg nicht grundlegend geändert. Was Schmidt braucht, sind die keltische Tüllenaxt - deren Stil nur anders mit der Klinge verbunden ist als bei heute gebräuchlichen Äxten -, einen Stechbeitel, einen Hammer, Bohrer, Beile und Keile und natürlich eine Schnur.

Damals, erklärt Schmidt, hatten die Kelten nur kleine Sägen für die Feinarbeit, aber keine zum Bäumefällen. Mit der Motorsäge hat er einen Baum mit einem Durchmesser von etwa einem Meter schnell gefällt. Wie lange er aber mit der Axt braucht, muss die Erfahrung zeigen.

Überhaupt ist ihm das Experimentelle wichtig. Die Archäologie liefert ihm aus Funden Erkenntnisse über das Handwerkszeug. In Tschechien hat Schmidt seine Keltenaxt wie damals schmieden lassen.

Aber wie genau in der Zeit gearbeitet wurde, welche Widerstände zu überwinden waren und wie das Zangentor genau ausgesehen hat, das kann nur die Praxis zeigen. Da treffen sich die Archäologie und das Handwerk und werden, wenn das Tor einmal steht, für Interessierte zusammengeführt. "Probieren geht über Studieren", sagt Schmidt lachend und besser könnte diese alte Weisheit wohl nicht passen. Denn eine der Schwierigkeiten bei der Erforschung der keltischen Kultur ist, dass sie zwar über Geld, aber über keine Schrift verfügten, also keine Überlieferungen zurückgelassen haben.

Was braucht es noch, um mit reiner Handarbeit und altem Werkzeug das Zangentor wieder aufzubauen? Muskelkraft natürlich, aber vor allem den Willen, durchzuhalten. "Es muss ein Mordsbauwerk gewesen sein", sagt Schmidt und erzählt, dass die Kelten wohl Sklaven hatten, die einen großen Teil der schweren Arbeit erledigt hätten. Die hat er freilich nicht, dafür aber Lust, mit deren Technik zu arbeiten und das Wissen weiterzugeben.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren