LKR Lichtenfels
Geburtshilfe

Förderung soll Defizit abfedern

In Lichtenfels kommen im Jahr über 500 Kinder zur Welt, trotzdem besteht in der betreffenden Klinik-Abteilung ein Defizit. Ein Förderprogramm soll helfen.
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Gesundheitsversorgung von Anfang an. Viele Schwangere vertrauen auf wohnortnahe Geburtshilfe, wie im Klinikum Lichtenfels. Foto: Regiomed
Gesundheitsversorgung von Anfang an. Viele Schwangere vertrauen auf wohnortnahe Geburtshilfe, wie im Klinikum Lichtenfels. Foto: Regiomed
535 Geburten gab es 2017 im Lichtenfelser Kreißsaal, im Schnitt ein bis zwei am Tag. Diese Zahl ist relativ konstant, die geburtshilfliche Abteilung hat einen guten Ruf, informiert regelmäßig und zieht auch werdende Eltern aus Nachbarlandkreisen an. Trotzdem schreibt sie rote Zahlen, und ist damit eine unter vielen. Das bayerische Gesundheitsministerium hat vor wenigen Monaten ein Förderprogramm auf den Weg gebracht, von dem auch Lichtenfels profitieren soll. Allerdings: Es ist ein bürokratisches Konstrukt, wie Landrat Christian Meißner kritisiert, und ein Eigenanteil von 15 Prozent müsste vom Landkreis getragen werden. "Wir reden hier über zirka 100 000 Euro!" Diesen Eigenanteil zu übernehmen müsse der Kreisausschuss beziehungsweise der Kreistag erst noch beschließen", erläuterte der Landrat auf Nachfrage.
In der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses hatte Meißner (CSU) das Förderprogramm für Geburtshilfe angesprochen und den Eigenanteil als "giftigen Pfeil" bezeichnet. Der Landkreis bereite die Teilnahme an dem Programm vor, habe aber gegenüber dem Ministerium zu verstehen gegeben, was man von den Vorgaben hält. Die Fördervoraussetzung der Geburtenzahlen - mindestens 300 und höchstens 800 - erfüllt man in Lichtenfels. Davon muss mindestens die Hälfte der Neugeborenen im Landkreis versorgt werden. Nötig, um die Mittel in Anspruch nehmen zu können, ist zudem der Abschluss eines Betrauungsaktes - eines Vertrages nach entsprechenden juristischen Vorgaben. Der allseitigen Forderung nach Bürokratieabbau im Gesundheitswesen wird hiermit keinesfalls Rechnung getragen.


"Zu viele bürokratische Hürden"

Ministerin Melanie Huml (CSU) betont, es sei ihr ein wichtiges Anliegen, Hebammen und Geburtshilfe im Freistaat zu unterstützen, um ein ausreichendes Angebot aufrechtzuerhalten.
Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes mussten seit 2015 allein in Bayern acht Kreißsäle ihren Betrieb einstellen, weitere wurden vorübergehend geschlossen oder sind von einer Schließung bedroht. Die Kostenunterdeckungen in der Geburtshilfe sind im aktuellen Finanzierungssystem begründet und damit ein bundesweites Thema. Das 2003/04 eingeführte Fallpauschalen- oder DRG-System (für: Diagnosis Related Groups) bedingt es mittlerweile offenbar, dass bestimmte Krankenhausleistungen untervergütet sind. Gerade der Bereich der Geburtshilfe, der im Vergleich wenig Sachkosten, dafür aber hoher Personalkosten bedarf, ist hiervon besonders betroffen. So auch die Einschätzung des hiesigen Klinikträgers Regiomed auf Nachfrage zu diesem Problem. In der Stellungnahme heißt es weiter: "Eine Geburtsklinik, ganz egal ob diese in einem ländlichen Gebiet oder in einer Metropolregion angesiedelt ist, muss alles vorhalten, um eine gute Versorgung für Mutter und Kind zu gewährleisten - gerade auch dann, wenn bei der Geburt mal nicht alles nach Plan verläuft. Frauen- und Kinderärzte, Anästhesisten, Pflegekräfte, Laborassistenten und Hebammen kümmern sich dabei um die gute Versorgung, und bei Bedarf kommt modernste Medizintechnik zum Einsatz - und das an 24 Stunden und sieben Tagen pro Woche." Um die Unterdeckungen auszugleichen, müssten die Leistungen innerhalb des Finanzierungssystems aufgewertet werden.
Das Ende 2017 vom Ministerrat beschlossene Förderprogramm des Freistaats sieht einen finanziellen Ausgleich für Geburtshilfestationen in Bayern vor. Unter dem Titel "Zukunftsprogramm Geburtshilfe" sind jährlich rund 30 Millionen Euro eingeplant, es kann noch heuer starten. Neben bestimmten Kliniken soll damit auch die Hebammenversorgung unterstützt werden. Vor allem die Krankenhäuser sollen profitieren, "die sich als Hauptversorger in ihren Regionen etabliert haben", aber wegen ihrer vergleichsweise geringen Geburtenzahl Schwierigkeiten haben, auskömmlich zu wirtschaften, so die Erläuterung aus dem Ministerium. Der Freistaat übernimmt dann 85 Prozent des auf die Geburtshilfe entfallenden Defizits, maximal eine Million Euro je Haus. Dieser Teil des Hilfsprogramms soll erstmalig 2019 für Defizite ausgezahlt werden, die im Jahr 2018 entstehen. Deshalb kann zu den konkreten Anträgen jetzt noch keine Auskunft gegeben werden.
Bürokratisch bleibt es: Erst kurz nach der Bundestagswahl hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft den enormen Aufwand im Abrechnungswesen sowie eine systematische Unterfinanzierung der Kliniken kritisiert.
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