Lichtenfels
Karriere

Flüchtlingskind wird Herzchirurg

Beim Lions Clubs Lichtenfels begeistert Dr. Umeswaran Arunagirinathan die Gäste mit seiner Lebensgeschichte.
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Mit seiner beeindruckenden Lebensgeschichte begeisterte Umeswaran Arunagirinathan die Gäste des Neujahresempfangs, den der Lions Club am Montagabend im Stadtschloss ausrichtete. Foto: Marion Nikol
Mit seiner beeindruckenden Lebensgeschichte begeisterte Umeswaran Arunagirinathan die Gäste des Neujahresempfangs, den der Lions Club am Montagabend im Stadtschloss ausrichtete. Foto: Marion Nikol
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Ja, es gibt sie. Es gibt diese Menschen, die inspirieren, Mut machen und Hoffnung schöpfen lassen. Hoffnung, dass in der heutigen Gesellschaft die Menschlichkeit siegt und dass ein Lächeln stärker sein kann als jedes Vorurteil. Davon konnten sich am Montagabend rund 200 Gäste überzeugen, die zum Neujahrsempfang des Lions Clubs ins Lichtenfelser Stadtschloss gekommen waren.

Sie alle folgten mit großem Interesse den Worten von Dr. Umeswaran Arunagirinathan, der vor 30 Jahren als unbegleiteter Flüchtling aus Sri Lanka nach Deutschland kam, heute als Herzchirurg tätig ist und mit seiner Lebensgeschichte zeigen will, wie erfolgreiche Integration gelingen kann. Das Thema Migration, so der Präsident des Lions Clubs, Uwe Fischer, sei auch viereinhalb Jahre nach der großen Flüchtlingswelle und Merkels "Wir schaffen das" noch hochaktuell und gehöre zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. "Umso mehr freuen wir uns, dass wir für den heutigen Abend einen Redner gewinnen konnten, der Flucht, Migration und Integration am eigenen Leib erlebt hat und diese Themen nun mit seinem ansteckenden Optimismus und seiner Lebensfreude der Bevölkerung näher bringen möchte."

Wie wichtig es sei, derartige Erfolgsgeschichten oft zu erzählen, "weil sie einfach gut tun", betonte Landrat Christian Meißner bei seiner Begrüßung und wies dabei auch auf die vielen Ehrenamtlichen im Landkreis hin, die sich seit Jahren in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit engagieren und deren Unterstützung überaus wertvoll sei. Ähnlich äußerte sich auch Bürgermeister Andreas Hügerich: "Wir haben hier in Lichtenfels im Kleinen bewiesen, wie wir die Herausforderungen meistern können, und zwar indem wir aufeinander zugehen, zuhören und gemeinsam weitergehen."

"Moin moin, ihr Lieben"

Mit der für Süddeutschland eher ungewohnten, aber zugleich äußerst sympathischen Begrüßung "Moin moin, ihr Lieben" betritt schließlich Umeswaran Arunagirinathan, den seine Patienten und Freunde einfach nur "Umes" nennen, die Bühne. Er freue sich sehr, in Franken zu sein, denn hier - genauer gesagt im unterfränkischen Bad Neustadt - habe er schließlich Autofahren gelernt, die Prüfung zum Notarzt bestanden und sich zum Herzchirurgen ausbilden lassen.

Dass er das alles geschafft hat, ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, wie sein Leben bislang verlaufen ist. Es ist eine Geschichte, die Hollywood wohl nicht besser erzählen könnte. Als eines von fünf Kindern wächst Umeswaran Arunagirinathan im Norden Sri Lankas auf, wo er als Kind Früchte auf der Straße verkauft und schließlich hautnah die Schrecken des Bürgerkrieges miterleben muss, bevor seine Mutter beschließt, ihn im Alter von zwölf Jahren in Sicherheit zu bringen. Er ist quasi noch ein Kind, als er mit Schleppern über Singapur und Dubai nach Westafrika geschleust wird, wo er Monate ohne Kontakt zu seiner Familie verbringt, bis er nach über einem halben Jahr auf der Flucht endlich in Hamburg bei seinem Onkel ankommt. In Hamburg darf er zur Schule gehen, wo für ihn der Grundstein für all das gelegt wird, was in den kommenden Jahren folgen soll.

"Ich stand mehrmals kurz vor der Abschiebung", so Arunagirinathan, "doch liebevolle Lehrer und die Eltern meiner Freunde haben für mich gekämpft und dies erfolgreich verhindert." So konnte er die Schule erfolgreich abschließen, in Lübeck Medizin studieren und sich schließlich zum Herzchirurgen ausbilden lassen.

Der fremde Deutsche

Seine Erlebnisse hat er bereits in zwei Büchern verarbeitet, darunter das 2017 erschienene "Der fremde Deutsche", aus dem er auch an diesem Abend immer wieder zitiert. Er berichtet darin von seinem Leben in der neuen Heimat und macht anhand von Anekdoten deutlich, mit welchen Erwartungen und zugleich Herausforderungen seine Integration verbunden war. Was dabei immer wieder zur Sprache kommt, ist das Thema des Fremdseins.

Denn nicht selten musste er erleben, wie allein die Farbe seiner Haut zu Vorurteilen und mitunter auch Diskriminierungen in seinem Alltag geführt hat. Auch angespuckt wurde er schon. "Ich kann nicht plötzlich anders aussehen", so der Herzchirurg und zieht dabei den treffenden Vergleich zweier Bäume heran: "Ich werde nie eine deutsche Eiche sein, habe es aber als Mangobaum geschafft, hier zu wachsen. Ich besitze tiefe und kräftige Wurzeln, und die habe ich hier in Deutschland bekommen." Für "Umes" ist es deshalb umso wichtiger, den Dialog zu fördern, weshalb er jährlich zahlreiche Lesungen in ganz Deutschland hält, darunter auch an Schulen. Dort bringt er seinen Zuhörern nicht nur seine Lebensgeschichte näher, sondern möchte auch Mut machen, wie er ebenso bei seinem Vortrag im Stadtschloss betont: "Ich habe das alles nicht geschafft, weil ich intelligent bin, sondern weil ich ehrgeizig war und mein Ziel nie aus den Augen verloren habe." Ebenso plädiert er dafür, mit Andersdenkenden in Dialog zu treten, auch wenn es viel Geduld und Energie kostet. "Sie glauben ja gar nicht, wie das einfache Lächeln eines Menschen alles ändern kann und Vorurteile plötzlich wie weggeblasen sind."

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