Die Tritte schwerer Stiefel hallen durch den Hof der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenfels. Acht Männer zwängen sich in ihre Atemschutzausrüstung; sie alle sind gespannt auf das, was gleich kommen wird. Die vergangenen eineinhalb Stunden hat sie Manuel Ursel, Berufsfeuerwehrmann in Schweinfurt, in der Theorie auf den Albtraum eines jeden Feuerwehrmannes vorbereitet. Eine Rauchgasdurchzündung. Oder, wie es sich deutlich abenteuerlicher anhört: ein Flashover.

Das ist nicht nur spektakulär, sondern vor allem lebensgefährlich. "Die Rauchgase sammeln sich an der Zimmerdecke", erklärt Ursel. Dort werden sie vom Feuer erhitzt, bis sie sich binnen von Sekundenbruchteilen entzünden. Das Ergebnis: Eine Feuerwelle bahnt sich an der Decke ihren Weg. Genau dieses Szenerie haben 64 Feuerwehrmänner von neun verschiedenen Wehren aus dem Landkreis kürzlich bei einer Übung in einem Brandübungscontainer der Versicherungskammer Bayern erlebt, der in Lichtenfels zu Gast war.

Im Container brennt es lichterloh

"Es nützt ja nichts, wenn man ein Buch vorliest oder einen Vortrag hält", sagt Peter Hönninger, Kommandant der Lichtenfelser Wehr. Deshalb geht es für die acht Feuerwehrleute aus Lichtenfels und Ebensfeld rein in den Container, der schon nach wenigen Minuten im oberen Bereich rund 900 Grad heiß sein sollte. Deutlich ist zu hören, wie die Männer Luft aus ihren Pressluftflaschen atmen. Ihre Stimmen sind durch die Masken allerdings so gedämpft, dass man sie kaum verstehen kann. Trainer Ursel zündet die Paletten und Pressspanplatten mit zwei Flaschen Spiritus an, während die anderen gespannt zuschauen, wie die Flammen langsam höher schlagen.

Ein Flashover komme im Alltag der Brandbekämpfer selten vor, sagt Ralf Hönninger, Leiter der Atemschutzwerkstatt der Feuerwehr Lichtenfels. "Wenn wir kommen, war der Flashover meistens schon." Nichtsdestotrotz müssen sie gewappnet sein und wissen, wie sie ihn im Ernstfall verhindern können. Dann heißt es, ruhig bleiben und die Zeichen erkennen.

Dicker, schwarzer Rauch, der an der Decke zu pulsieren beginnt, sei ein Anzeichen dafür, dass es gleich gefährlich wird. Dann bilden sich im Rauch kleine Flammenzungen, die "wie Feueraale" aussehen, sagt Hönninger. Die Maxime lautet dann: das Rauchgas abzukühlen, damit es sich nicht entzünden kann. Kurze Wasserstöße abgeben, um den Rauch zu kühlen und dann kann mit wenig Wasser der Brandherd gelöscht werden.

So entstehe deutlich weniger Wasserdampf, als wenn die Feuerwehrleute viel Wasser auf das Feuer spritzen würden. Das ist wichtig, weil der Flashover dadurch begünstigt würde und weil die Feuerwehrkleidung nur schlecht vor Wasserdampf schützt. Zum anderen werden durch das behutsame Vorgehen Wasserschäden an den Gebäuden klein gehalten, erklärt Manuel Ursel.

Die Feuerwelle rollt über die Männer hinweg

"Tür zu ", ruft es aus dem Innern des Containers. Schon nach einer Minute klopft es dumpf. Das Zeichen, dass die Tür wieder geöffnet werden soll. Schwarzer Rauch wabert himmelwärts, der in der Nase beißt. Auf einmal poltert es in dem Container - die Männer ducken sich, um der Hitze an der Decke zu entgehen. So gut es in der dicken Montur samt Pressluftflaschen geht, pressen sie sich eng an den Boden, da die Flammenwelle in diesem Moment wenige Zentimeter über deren Köpfe hinwegrollt.

Dieses Erlebnis gab es für die Feuerwehrleute vorerst zum letzten Mal. Denn im November wird die Versicherungskammer Bayern den Brandübungscontainer ausmustern - Lichtenfels war eine seiner letzten Stationen. Zu selten würden die Feuerwehrleute einen Flashover erleben, sagt Trainer Manuel Ursel. Gefährlicher sei da die Fahrt zum Einsatzort, weswegen die Versicherungskammer ab kommendem Jahr einen Fahrsimulator anbietet.

Kommandant Peter Hönninger bedauert das, denn nur in dem Container könne ein echter Flashover simuliert werden. In den Brandhäusern der Feuerwehrschulen gehe das nicht, weil dort Brände nur mit Gas simuliert würden. "Verbrennen tut da drin nix, dass man da drin eine Rauchgasabkühlung machen könnte", sagt er. Die Fahrsimulation sieht Hönninger ebenfalls kritisch. "Wir haben die Möglichkeit, beim ADAC-Gelände bei Schlüsselfeld ein Sicherheitstraining mit unseren eigenen Fahrzeugen durchzuführen. Das ist effektiver als am Computer."

Heiß, unglaublich heiß

Nach 20 Minuten steigen die Feuerwehrmänner aus dem Container aus. "Heiß, nur heiß" sei es drin gewesen, sagt Daniel Der von der Feuerwehr Lichtenfels schwer atmend. So heiß, dass das Wasser, dass ein Feuerwehrmann draußen versprüht, damit der Rauch nicht so weit ziehen kann, direkt auf den Helmen der Männer verdampft.

Doch bevor sie die heißen Sachen ausziehen, warnt sie Manuel Ursel. "Zieht den Helm aus und legt ihn neben euch. Und nicht anfassen; der ist heiß." Genauso geht es mit der Jacke weiter. "Möglichst nur innen anfassen", rät Ursel. Dann das, wonach die Körper der Männer lechzen - Wasser. Dort sitzen sie mit roten Köpfen und schweißnassen Haaren im Kreis um eine Wasserkiste.

Wie es ihnen gegangen sei, fragt Ursel. "Bei mir ist es vorn an der Stirn total heiß geworden", sagt Daniel Derr. Ursel begutachtet aus einiger Entfernung Derrs Helm und sagt dann: "Dein Helmband liegt am Metall an. Da musst du etwas dazwischen klemmen, damit es etwas dämmt." Dann werden die Männer still; sie halten sich an ihren Getränken fest und scheinen glücklich, nicht mehr im Brandübungscontainer zu sein. Nichtsdestotrotz fand Daniel es "unbeschreiblich". Obwohl es sehr anstrengend gewesen sei, sagt er: "Ich bin happy, dass ich das miterleben durfte".