Bad Staffelstein
Forschung

Faszinierende Fauna der Falter

Hermann Hacker aus Bad Staffelstein klassifiziert und beschreibt als Taxonom seit Jahrzehnten nachtaktive Schmetterlingsarten. Jetzt legt er als Herausgeber eine neue englischsprachige Buchreihe "Moths of Africa" auf.
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Tausende Nachtfalter befinden sich in den holzgerahmten Glaskästen, die Hermann Hacker in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt.Matthias Einwag
Tausende Nachtfalter befinden sich in den holzgerahmten Glaskästen, die Hermann Hacker in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt.Matthias Einwag
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Seit seiner Kindheit befasst sich Hermann Hacker mit Insekten. Besonders angetan haben es ihm Nachtfalter, die auf dem afrikanischen Kontinent leben. Der pensionierte Forstbeamte hat seit 1990 schon etliche Bände zur Entomologie herausgegeben. Nun begann der 67-Jährige mit einer neuen Reihe unter dem Titel "Moths of Africa". Der erste Band der Serie ist fast fertig. Rund 600 Arten sollen pro Band beschrieben werden. Die Reihe erscheint in seinem Staffelsteiner Verlag "Esperiana" - benannt nach dem fränkischen Naturforscher Eugen Johann Christoph Esper.(1742-1810). Herausgeber Hacker zählt Taxonome auf der ganzen Welt zu seinen Mitarbeitern. Die Beschreibungen der Nachtfalter sind in traditionellem britischen Englisch verfasst.

Große Lücken bei Nachtfaltern

"Das Schreiben dauert länger als das Suchen", sagt Hermann Hacker, der in den vergangenen 15 Jahren immer wieder Forschungsreisen nach Afrika und Arabien unternommen hat. "Bei Tagfaltern gab's immer schon ein großes Interesse, weil sie einfach leichter zu fangen sind", erklärt er, "bei Nachtfaltern hakt's gewaltig". Zahllose Arten seien bisher noch völlig unbekannt.

Der Inhalt der "Moths of Africa"-Bücher ist nach streng wissenschaftlichem Raster aufgebaut. Der Forscher beschreibt dabei jede Art, indem er ihre morphologischen Merkmale mit jenen ähnlicher Arten vergleicht. Durch DNA-Vergleiche und Herauspräparieren der Genitalien kommt der Taxonom neuen Arten auf die Spur. Mit Hilfe eines internationalen Codes umreißt er dann deren Besonderheiten, wobei er einer genau festgelegten zoologischen Nomenklatur folgt.

Als Kind schon interessierte sich Hermann Hacker für die heimische Fauna. Später dehnte er sein Interessensgebiet auf andere Erdteile aus. Lebenslanges Lernen und Vergleichen machten ihn zu dem Experten, der er heute ist. Es reiche nicht aus, sagt er, mit biologischen Grundkenntnissen und einem Bestimmungsschlüssel loszuziehen. Wer neue Arten klassifizieren möchte, sollte umfangreiches Wissen besitzen. In Bayern, so schätzt er, gebe es vielleicht zehn bis 15 Personen, die Schmetterlinge seriös bestimmen können.

Das Bestimmen einer neuen Art sei sehr zeitraubend. Für eine standardisierte Beschreibung brauche er alles in allem rund einen Tag, sagt Hermann Hacker.

"Gewaltiges Insektensterben"

Und wie ist es um die Tiere in unserer Heimat bestellt, ist das Insektensterben wirklich so enorm, wie oft behauptet wird? "Bei unserer Fauna ist es gewaltig", antwortet Hermann Hacker, "bestimmt die Hälfte, wenn nicht ein Drittel der Arten die früher beschrieben wurden, ist schon weg". Die Gründe dafür: Einsatz von Herbiziden, Monokulturen, aber auch Lichtverschmutzung durch zu viele Beleuchtungskörper.

Auswirkungen auf andere Arten

"Auf dem Jura und in den Eierbergen, wo die Welt noch in Ordnung ist, da ist die Vielfalt schon noch einigermaßen vorhanden", sagt der Taxonom. Insgesamt, so schätzt er, gibt es hierzulande rund 50 000 Insektenarten, darunter sind 3000 Schmetterlingsarten. Das Verschwinden dieser Tiere, die in der Nahrungskette weit unten stehen, habe Auswirkungen auf andere Spezies: "Auch Vogelarten nehmen ab."

Was ist Taxonomie

Aufgabe Das Wort Taxonomie ist vom griechischen táxis, "Ordnung", und nómos, "Gesetz", abgeleitet; in der Taxonomie geht es primär um die wissenschaftliche Klassifikation aller Gegenstände und Ereignisse in begriffliche Gruppen bzw. in Kategorien.

Ziele Naturwissenschaftliche Disziplinen verwenden den Begriff der Taxonomie meist für die hierarchische Klassifikation (Klassen, Unterklassen usw.). In der Biologie erfolgt die Einteilung in einen bestimmten Rang einer Systematik - etwa Art, Gattung oder Familie.



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