Loffeld
Auszeichnung

Oberfranke räumt bei Bier-Award ab

Der Braumeister Karl-Heinz Wehrfritz aus Oberfranken erhielt am Mittwoch für drei seiner Biere den "European Beer Star" des Verbands der Privatbrauereien. Helles Vollbier und Doppelbock bekamen Goldmedaillen, der Maibock Silber.
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Braumeister Karl-Heinz Wehrfritz gibt  im Brauhaus in Loffeld den Hopfen in die Pfanne. Foto Matthias Einwag
Braumeister Karl-Heinz Wehrfritz gibt im Brauhaus in Loffeld den Hopfen in die Pfanne. Foto Matthias Einwag

Wie sieht das Bier aus, wie riecht und schmeckt es, wie ist die Konsistenz des Schaums und wie die sortentypische Ausprägung? Nach diesen Kriterien beurteilten 147 Juroren in München-Gräfelfing insgesamt 2483 Biere. In 67 Bierstilen bedachten sie jeweils drei Biere mit Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Zweimal Gold und einmal Silber ging an den Loffelder Braumeister Karl-Heinz Wehrfritz. Der 51-Jährige erhielt Gold für sein helles Vollbier und für den Doppelbock "Zwergator". Mit Silber wurde der Mai-Bock bewertet. Am Mittwoch wurden die Auszeichnungen überreicht.

Brauereien aus der ganzen Welt beteiligen sich alljährlich am Wettbewerb "European Beer Star". "Die phänomenale Entwicklung unseres Wettbewerbes zeigt, welchen Stellenwert handwerkliche Braukunst und die große Biervielfalt genießen", sagt Stefan Stang, der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Privaten Brauereien in Bayern.

European Beer Star: Große Namen machen ehrfürchtig

Karl-Heinz Wehrfritz und seine Frau Helga führen die 1856 gegründete Loffelder Staffelberg-Bräu in sechster Generation. Dass er in diesem Jahr mit drei seiner Biere wieder erfolgreich war, freut den Brau- und Metzgermeister sehr. Als er vor einigen Jahren erstmals an der Prämierung teilnahm, hatte er Ehrfurcht vor den großen Namen all der teilnehmenden Brauereien: "Oh Gott, da brauchst ja gar net mitmachen!" Das hat sich jetzt einigermaßen gelegt.

Der Loffelder Braumeister brachte seine Biere vor einigen Wochen selbst nach Gräfelfing zu Doemens, einem renommierten Fortbildungs- und Beratungsunternehmen für die Getränke- und Lebensmittelwirtschaft. Pro Sorte lieferte er zwölf 0,5-Liter-Flaschen zur Bewertung ab. Nur gebrauchsfertige Biere, dürfen zum Wettbewerb eingereicht werden - also kein Phantasiebier, das nirgends erhältlich ist.

Beer-Award: Wie läuft die Prämierung ab?

Das Auswahl- und Prämierungsverfahren, sagt Wehrfritz, laufe im Prinzip so ähnlich wie beim Fußball. Es gebe eine Vorrunde, bei der die Juroren an Tischen sitzen und die eingereichten Biere verkosten. Sie bewerten Geschmack, Geruch, Optik und Schaumkonsistenz. Sind die Preisrichter überzeugt, dann kommt das Bier in die nächste Verkostungsrunde. Beendet ist das Auswahlverfahren, wenn für jeden der 67 Bierstile drei hervorragende Sorten gekürt sind.

Im Vorjahr hatte Karl-Heinz Wehrfritz ein Märzen eingereicht, aber in dieser Kategorie gewann das Bier einer japanischen Brauerei. Die Japaner holen qualitativ auf, sagt er. Bei dem Wettbewerb gehe es nicht darum, wo ein Bier gebraut ist, sondern dass es nach europäischem Standard erzeugt wurde und einem europäischen Stil zuzurechnen ist. Der Braumeister scherzt: "Theoretisch könnte man die Biere sogar auf dem Mond oder in der ISS brauen."

Das mit Gold ausgezeichnete helle Vollbier hatte mit sehr großer Konkurrenz zu kämpfen, erzählt Karl-Heinz Wehrfritz, denn in dieser Kategorie wurden sehr viele Biere eingereicht. Dass sein klassisches helles untergäriges Lagerbier auf Platz eins kam, "ist schon eine Hausnummer". Helles Vollbier ist die Hauptsorte der Staffelberg-Bräu. Jede Woche braut Karl-Heinz Wehrfritz mehrere Sude davon, so dass es ganzjährig verfügbar ist. "Helles Vollbier", erklärt er, "hat sich bei uns gut etabliert; in Franken sind diese Biere aber etwas kräftiger als die hellen Münchner Vollbiere."

"Zwergator" getauft wurde der rotgoldenfarbige Doppelbock, weil Namen solcher Bockbiere stets auf "-ator" enden und weil die Staffelberg-Bräu einen der sagenhaften Zwerge vom Staffelberg im Logo und auf den Etiketten hat. Der "Zwergator" ist mit 18,5 Prozent Stammwürze (= acht Prozent Alkohol) kräftiger als der Maibock. Dieses nun zum dritten Mal mit Gold prämierte Bier gibt es von November bis Januar: "Das ist ein Bier für die kalte Jahreszeit." Bei einem Bockbier, ergänzt er, werde ebenso viel Malz eingesetzt wie bei einem Pils, "man bringt aber deutlich weniger raus, denn der Bock ist eigentlich ein Konzentrat". Vom Doppelbock braue er fünf bis sechs Sude zu je 30 Hektoliter. Das Wasser für alle Loffelder Biere kommt aus der eigenen Bergquelle.

Gut gehopft und nicht zu süß

Der mit Silber ausgezeichnete Maibock wurde bereits im Januar eingebraut und Ende März abgefüllt. Ab Ende April wurde das goldgelbe Bier mit 16 Prozent Stammwürze ausgeschenkt. Weil es gut gehopft ist, besitzt es nicht zu viel Restsüße. Oder wie sich Juroren auszudrücken pflegen: Das Bittere wirkt der Süße entgegen und macht den Bock schön rund.

Alle drei Biere gibt es im Fass und in Flaschen. In der für Franken typischen kleinen Familienbrauerei werden durchgängig zwölf Biere ausgeschenkt - fünf werden aus dem Fass gezapft, sieben aus Flaschen eingeschenkt. Seine Biere vertreibt Karl-Heinz Wehrfritz im Radius von ungefähr 50 Kilometern. Viele Urlauber und Kurgäste holen sich das Bier vor der Heimreise selbst ab: "Bier, Brot und Wurst sind ein beliebtes Mitbringsel", sagt der Brauer, das sehe er beim Blick in die geöffneten Kofferräume der Autos.

Klima setzt dem Hopfen zu

Unter der klimatischen Trockenheit habe der Hopfen der beiden letzten Jahrgänge gelitten, sagt der Braumeister. Er habe sich damit beholfen, Hopfen mehrerer Jahre zu verschneiden, um gute Qualität zu erzielen. Alle seine Biere braut er in offener Gärung. Das sei zwar wegen der aufwändigen Reinigungsarbeiten sehr zeitintensiv, erklärt er. Dieses Verfahren habe jedoch den Vorteil, dass sich Gerbstoffe in der Schaumdecke oben sammeln und abgehoben werden können. "Das macht ein Bier milder."

Die Medaillen bedeuten Karl-Heinz Wehrfritz sehr viel, aber Kundenzufriedenheit sei für ihn das Wichtigste: "Ich gebe viel auf das Urteil der Leute, die jede Wochen einen Kasten kaufen."

Getrunken wird das Bier der Staffelberg-Bräu weltweit. Aus Russland und Australien bekam die Brauerei schon lobende Rückmeldungen - und ein Bergsteiger schickte ein Digitalbild vom Mont Blanc, wo er gerade ein Loffelder Bier geöffnet hatte.

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