Oberleiterbach
Umwelt

Es blüht im ganzen Ort Oberleiterbach

Das Bioenergiedorf Oberleiterbach hat sich etliche weitere ökologisch nachhaltige Projekte vorgenommen. Schön aussehen wird das Ganze außerdem.
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Weil Umweltschutz mehr ist: Bio-Anbauerin Veronika Schmuck und Alexander Dümig überlegen oberhalb der Oberleiterbacher Biogasanlage, wo sie die Blühstreifen ansähen können.  Foto: Martina Drossel
Weil Umweltschutz mehr ist: Bio-Anbauerin Veronika Schmuck und Alexander Dümig überlegen oberhalb der Oberleiterbacher Biogasanlage, wo sie die Blühstreifen ansähen können. Foto: Martina Drossel
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Dass der 279-Einwohner-Ort Oberleiterbach den Titel des ersten und einzigen Bioenergiedorfs im Landkreis Bamberg tragen darf, macht die Lätterbocher stolz. Doch darauf wollen sie sich nicht ausruhen. Im Gegenteil: Sie starten eine ReiheNaturschutzprojekte und suchen als Pioniere in der Umgebung bewusst neue Wege, wie nachhaltige, umweltbewusste Landwirtschaft betrieben werden kann.Auf einer Bürgerinformationsveranstaltung stellten die Verantwortlichen ihre Vorhaben vor - und beeindruckten damit nicht nur Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich.

In Oberleiterbach gibt es bereits eine Dorfheizung, die große Teile der Haushalte mit Wärme aus regenerativen Rohstoffen versorgt. Die Biogasanlage am Ortsrand Richtung Kleukheim liefert ihrerseits Strom und ebenso Wärme. Im vergangenen Jahr waren jedoch vermehrt Maisanbauflächen rund um den Ort zu sehen - einerseits nicht toll für das Landschaftsbild, andererseits auch ein Problem bei Starkregenereignissen, da Maispflanzen später sprießen als beispielsweise Winterweizen. Die Landwirte Veronika und Hans Schmuck, Betreiber der Biogasanlage, gehen nun als Vorbild voran.


Horizontal zur Hangneigung

Einerseits werden sie in Zusammenarbeit mit Alexander Dümig, Experte für Pflanzenernährung, Boden- und Düngemanagement, Blühstreifen horizontal zur Hangneigung anlegen. So erhalten heimische Bienen und Insekten Nahrung. Wichtiger aber ist, dass diese Blühstreifen bei Stark- und Dauerregen das Abschwemmen von Erde verhindern. Darüber hinaus plant das Landwirtsehepaar Testflächen für die mehrjährige Ackerfrucht Silphie, die ebenfalls in Biogasanlagen verwendet werden kann.

Der große Vorteil: Nach der Ernte bleiben die Wurzeln in der Erde, die Pflanze hält den Boden zusammen - und treibt im nächsten Jahr wieder aus. Für die geplante Pionierarbeit der Familie Schmuck gab es viel Applaus von den Oberleiterbachern. "Jeder Verpächter hat übrigens selbst in der Hand, was auf seinen Flächen geschieht", gab Veronika Schmuck als Motivation mit auf den Weg.

Darüber hinaus soll in der Oberleiterbacher Flur in diesem Jahr weiter Forschungsarbeit betrieben werden. Auf zwei Maisanbauflächen wollen Veronika und Hans Schmuck in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Coburg-Lichtenfels Kokons von Schlupfwespen ausbringen, die dem Maiszünsler an den Kragen sollen. Die Vorgehensweise ist durchaus spannend: "Die Kokons werden mit einer Drohne über dem Feld abgeworfen", erklärte Veronika Schmuck.

Auch bei der Ausbringung der Biogasgärreste versucht die Familie Schmuck Stickstoffverluste zu minimieren, indem sie die Gärreste sofort mit einer Scheibenegge einarbeitet und mit einem Stickstoff-Stabilisator versetzt.


Heimat für Mauersegler und Fledermaus

Ein weiteres Naturschutzprojekt hat Udo Seelmann angeschoben. Das nicht mehr benötigte Trafohäuschen in der Huppengasse im historischen Ortskern soll Heimat für schützenswerte Tierarten werden. Wie Gartenbauvereinsvorsitzender Harald Hümmer ausführte, sei geplant, das Häuschen in Altweiß zu streichen und es dann mit Wildem Wein und Efeu zu begrünen. Im oberen Bereich sollen Nisthilfen angebracht werden für Mauersegler und Fledermäuse. Die Betreiberfirma hat bereits zugestimmt, nun geht es an die Umsetzung. Kreisfachberaterin Claudia Kühnel regte an, dass die Jugendgruppe ein Beobachtungsprojekt der künftigen Bewohner initiieren könnte.

Im Bereich des Huschersbergs ist eine Vogelschutzhecke geplant, der Hochwasserschutzwall Richtung Reuthlos wird bepflanzt, im Ort selbst werden einige Bäume gepflanzt, im Bereich des "kleinen Dorfplatzes" an der Ecke Kleukheimer Straße/Leuchtersbrunnen beispielsweise eine weitere Linde, die mit den dortigen beiden großen Pendants gut harmonieren dürfte. Und im südlichen Teil des neu gestalteten Kirchhofs, an der frisch renovierten Sankt-Laurentius-Kirche, soll eine "repräsentative Visitenkarte" (Claudia Kühnel) entstehen, sprich: Hier soll es ansprechend grünen und blühen. Dabei arbeiten Gartenbauverein und Kirchenverwaltung zusammen.

Den Bürgermeister beeindruckt

Nachhaltigkeit war das große Thema des Bürgerinformationsabend. Nachhaltig war auch der Rathauschef beeindruckt. "Das alles macht nicht der Markt Zapfendorf, das alles leisten die Oberleiterbacher Bürger. Dafür meinen herzlichen Dank", stellte Volker Dittrich heraus. Und auch Kreisfachberaterin Claudia Kühnel lobte das nachhaltige Denken der Dorfbevölkerung an diesem Abend mehr als nur einmal in den höchsten Tönen.
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