Bad Staffelstein
Krankheit

Epilepsie: Wenn das Gehirn verrückt spielt

Epilepsie kommt mitunter häufiger vor, als man denkt. Chefarzt Michael Schüttler der Schön Klinik erzählt anlässlich des heutigen Tages der Epilepsie über die Diagnose und die Verbesserungen bei der Behandlung.
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Beim EEG werden die Gehirnströme des Patienten gemessen: Epileptische Anfälle machen sich in den sonst gleichmäßigen Wellen durch zackige Ausschläge bemerkbar. In der Schön Klinik wird zusätzlich noch ein Video gemacht. Symbolbild/Rio Patuca Images - Fotolia
Beim EEG werden die Gehirnströme des Patienten gemessen: Epileptische Anfälle machen sich in den sonst gleichmäßigen Wellen durch zackige Ausschläge bemerkbar. In der Schön Klinik wird zusätzlich noch ein Video gemacht. Symbolbild/Rio Patuca Images - Fotolia
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Ein Mensch in der Fußgängerzone bricht völlig unerwartet zusammen, krampft und hat Schaum vor dem Mund. Ein sogenannter Grand-Mal Anfall. Oft werden epileptische Anfälle in Filmen so dargestellt.

Verschiedenste Formen

Anfälle äußern sich jedoch völlig unterschiedlich. "Es gibt die verschiedensten Formen der Krankheit", sagt Michael Schüttler, Facharzt und Chefarzt im Fachzentrum der Neurologie in der Schön Klinik in Bad Staffelstein. Es könne teilweise nur ein unruhiges Fingerzucken sein, ein kleiner Abwesenheitszustand oder eine Bewusstseinsveränderung. "Deshalb ist es manchmal sehr schwierig, die Diagnose zu stellen."

Unterschieden werde zwischen idiopathischen und symptomatische Epilepsie. Die idiopathische Epilepsie trete bei Kindern zum Beispiel von Geburt an auf, oder im Jugendalter sowie dann wieder in einem höheren Alter. Die symptomatische Epilepsie tritt vor allem bei Gehirnverletzungen wie Hirnblutungen, Tumoren oder Stoffwechselstörungen auf, erklärt der Arzt.

Fünf Prozent haben einmal Anfall

Laut der Epilepsie Vereinigung werden in Deutschland ungefähr 500 000 Menschen aufgrund der neurologischen Erkrankung behandelt. Und es wird sogar vermutet, dass etwa fünf Prozent aller Menschen einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall bekommen.

Bessere Behandlung möglich

Um eine mögliche Epilepsie festzustellen, werden die Gehirnströme mit einem EEG gemessen. Epileptische Anfälle zeigen sich neben möglichen äußeren Anzeichen auch durch unregelmäßige Ausschläge in den Gehirnströmen. "Bei uns werden die Patienten immer auf Video aufgenommen, damit wir eine Verhaltensänderung oder ähnliches festhalten."

Die Erkrankung ließe sich jetzt noch viel besser behandeln: "Es gibt mittlerweile viele neue Substanzen und somit eine größeres medikamentöses Behandlungsspektrum."

Weniger Nebenwirkungen

Die neueren Medikamente haben zwei große Vorteile: Zum einen gibt es weniger Nebenwirkungen und weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. "Und viele der neuen Präparate sind auch für Frauen besser, was eine Schwangerschaft betrifft. Die sollte jedoch trotzdem mit dem Gynäkologen und dem Neurologen etwas geplant werden."

Neben der Behandlung mit Medikamenten gebe es noch die Möglichkeit für chirurgische Eingriffe, um den sogenannten Anfallsherd zu entfernen. "Solche Operationen führen wir nicht durch. Die Patienten kommen dann in eine entsprechende Neurochirurgie."

Es sei jedoch eine sehr genaue Diagnose wichtig und es müssten mögliche Risiken beachtet werden.

Beratungsstelle: Epilepsieberatung Oberfranken:

ifd Oberfranken gGmbH

Bahnhofstraße 28

96450 Coburg

Ansprechpartnerin: Ulrike Kempf-Grosch

Telefon: 09561 / 24 73 171

E-Mail: ulrike.kempf-grosch@ifd-oberfranken.de

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