Lichtenfels
Konzert

Entführung ins Mythische

Die bretonische Sängerin Gwennyn Louarn überzeugte im Stadtschloss mit Wucht und Feinfühligkeit zugleich.
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David Pasquet (von links), Gwennyn Louarn und Kevin Camus hatten den Zuhörern viel zu bieten. Foto: Markus Häggberg
David Pasquet (von links), Gwennyn Louarn und Kevin Camus hatten den Zuhörern viel zu bieten. Foto: Markus Häggberg

Es gibt sie noch, diese Abende, die hängen bleiben und von denen man erzählen möchte. Der Freitag bot im Stadtschloss so einen Abend - auf bretonische Weise. Dafür sorgten Gäste aus der Bretagne: Gwennyn und Band.

Eigentlich war ihre Stimme nicht direkt ungewöhnlich. Es lag etwas Flirrendes in ihr, zugegeben. Doch erst dann, wenn die 43-jährige Gwennyn Louarn mit ihrer vierköpfigen Band verschmolz, sich in dieses Gebilde aus Rhythmus und melodischen Phrasierungen begab, brachte dies jene Dynamik hervor, die Wucht und Feingliedrigkeit zugleich sein konnte und an die man sich erinnern wird.

So wird es den wohl knapp 60 Besuchern auch gehen, die gekommen waren, knapp 20 Lieder zu hören und der Folklore den kleinen Finger zu reichen. Wortwörtlich, denn tatsächlich kam es zu einer Art bretonischer Polonaise, bei der die langbeinige Sängerin von der Bühne ins Publikum ging, dort den kleinen Finger reichte, eingehakt bekam und am Ende nahezu ihr gesamtes Publikum folkloristisch durch den Saal zog. "Wir sind in der Bretagne heute, und nicht in Lichtenfels", erklärte eine amüsierte Sängerin dazu.

Ähnliche Wurzeln wie Franken

Doch wer so etwas von seinen Zuhörer einfordert und erfüllt bekommt, der muss vorher etwas geleistet haben. Das hatten die Frau und ihre Band, bestehend aus Manu Leroy (Bass), Kevin Camus (Flöte/Sackpfeife), Patrice Marzin und David Pasquet, der eine Art abgesägte elektrisch verstärkte Klarinette bediente. Die Weisen der Band führten ins Mythische, in die Sagenwelt und ins Keltische. Bretonen haben da wohl ähnliche Wurzeln wie Oberfranken.

Musikalisch hatte das Konzert viel zu bieten, zu hören beispielsweise bei dem Lied "Excalibur", das rhythmusbetont war und doch ohne Schlagwerk auskam. Bassist Leroy schuf durch sein Spiel nicht nur die nötige Struktur, sondern auch eine Dramaturgie. Die, wie in manch anderen Liedern auch, nahm durch Pasquet weiter Tempo auf. Der Mann, der in eine Art abgesägte Klarinette blies, war nie um eine melodische Phrasierung verlegen.

Dann, kurz vor der Pause, erstaunte das Quintett durch ein Stück Musik, welches Filmfreunde erkannt haben mochten. Dezent war es, eigentlich nur Beiwerk zum Klangteppich, aber doch prägend und in seiner Melodienfolge sich dauerschleifig wiederholend. Wer je Michael Manns 1992 mit Daniel Day Lewis gedrehten Film "Der letzte Mohikaner" gesehen hat, in dem dürfte diese Ahnung aufgestiegen sein. Auf Nachfrage unserer Zeitung gab Gitarrist Marzin an, dass man eigens bei den Filmproduzenten um Erlaubnis zur musikalischen Verwendung angefragt habe.

Melancholisch und fröhlich

Überhaupt Marzin - wohl selten sieht es so leicht aus, wenn eines Gitarristen Steghand ihre Griffe absolviert. Besonders auch auf seiner E-Gitarre, die in ihrer Form einer Telecaster glich, zeigte der Mann Gestaltungskraft. Das Konzert bot alles: Lieder von getragener Nachdenklichkeit, von Melancholie oder Fröhlichkeit, mit wohltemperierten und expressiven Einsprengseln aller Bandmitglieder, jedoch ohne ins Süßliche oder in belanglose Phrasendrescherei abzugleiten.

Am Ende dann gab es noch einen bretonischen Klassiker, das in den 20er Jahren entstandene Lied "Son ar chistr", welches zum Volkslied wurde und das Gwennyn in deutscher Sprache sang, auf die niederländische Band abzielend, die diesen melodischen Reim ins Deutsche entführte: "Bots" und ihr "Was wollen wir trinken sieben Tage lang?"

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