Das System eines öffentlichen Bücherschranks ist einfach: Jeder, der ausgelesene Bücher abgeben möchte und jeder, der nach Literatur sucht, ist hier richtig. Das Abliefern und Mitnehmen der Bücher ist absolut unbürokratisch: Keine Registrierung, kein Mitgliedskärtchen, keine Wartezeit. Wer dort Bücher sucht, kann sich überraschen lassen, was er vorfindet - und einfach mal reinlesen. Wer öffentliche Bücherschränke kennt, der schätzt sie, denn sie animieren dazu, auch mal Werke von Autoren mitzunehmen, die man bisher nicht kannte.
10 000 Euro lässt sich der Lions-Club Lichtenfels diesen Bücherschrank kosten. "Wir haben den Beschluss gefasst, im Landkreis etwas für die Bildung und die Kultur zu tun", sagt Walter Mackert, der Vorsitzende des Lions-Fördervereins. Die Intention sei, jenen Leuten, die zwar gern lesen, die aber in keine Bibliothek gehen, das Angebot zu machen, sich einfach und unkompliziert ein Buch zu nehmen.


Standort auf neugestaltetem Platz

Der Bücherschrank in der Staffelsteiner Bahnhofstraße - am neugestalteten Platz unweit der Pilsbar "Stadtgespräch" - ist bereits der zweite seiner Art im Kreis Lichtenfels, der von den Lions gesponsert wird. Seit rund einem Jahr steht ein weiterer in der Unteren Stadt in Burgkunstadt.
Bewusst sei dieser Standort in der Staffelsteiner Bahnhofstraße gewählt, sagt Walter Mackert, denn dieser Platz werde von Einheimischen und Touristen gut frequentiert. Zudem sei in der Nähe des Bücherschranks eine Sitzbank, die es ermöglicht, in Ruhe gleich mal einen Blick in die Bücher zu werfen und darin zu schmökern. Den Bücherschrank habe man absichtlich nicht im Kurpark aufgestellt, denn damit soll die Innenstadt aufgewertet werden.


LED-Lampen erstrahlen

Der offene Bücherschrank hat ungefähr die Größe einer Telefonzelle. Die Lions entschieden sich für ein Modell mittleren Formats, wie es hundertfach in ganz Deutschland verbreitet ist. Lions-Präsident Johannes Morhard sagt, dass der Schrank einen Anreiz schaffen soll, Bücher neu für sich zu entdecken: "Wir wollen das Lesen wieder in den öffentlichen Raum zurückbringen."
Für den kompakten Schrank, der mit LED-Lampen ausgestattet ist, hat die Frauen-Union (FU) die Patenschaft übernommen. "Wir schauen, dass sein Bäuchlein immer gut gefüllt ist", sagt stellvertretende FU-Ortsvorsitzende Monika Stich. Zudem sei vorgesehen, zum Beispiel eine Veranstaltung zum "Tag des Buches" zu machen, etwa indem Kinder die Geschichten vorlesen, die ihnen besonders gut gefallen haben - und die sie möglicherweise in dem neuen Bücherschrank fanden. Denn, so Monika Stich, "ein Leben ohne Bücher ist wie eine Kindheit ohne Märchen".
Ein Grundsortiment von rund 100 Büchern wurde bei der Einweihung bereits eingestellt. "Wir wollten den Schrank nicht gleich überfrachten", sagt Walter Mackert, um den Staffelsteinern den Anreiz zu geben, selbst Bücher hineinzustellen. Dabei vertrauen die Lions darauf, dass keine zerlesenen Bücher hier entsorgt werden. Sie wünschen sich einen regen Austausch. Abgegeben werden dürfen Bücher aller Genres: Krimis und Romane, Bildbände, Sach- und Kinderbücher.


Erster beleuchtbarer Schrank

Das Konzept des Schrankes stammt von dem Architekten Hans- Jürgen Greve. Der Kölner war bei der Einweihung des Schrankes in Bad Staffelstein dabei. Seine Bokx AG ist der Hauptproduzent für offene Bücherschränke in Europa. Er sagte, dass der Staffelsteiner Schrank der erste beleuchtete sei. In Frankfurt seien inzwischen 55 Bücherschränke im öffentlichen Raum aufgestellt, in Köln 23.
In Bamberg gibt es sechs Bücherschränke: In einer ehemaligen Telefonzelle in der Gartenstadt, im Rathaus, im Eingangsbereich des Hofcafés in der Austraße, im Schloss Geyerswörth, in einem Drogeriemarkt und vor der Uni-Bibliothek am Kranen.