Altenkunstadt
Gemeinderat

Eine Million fließt in den Altenkunstadter Kanal

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Während die Staatsstraße saniert wird, soll auch unterirdisch gearbeitet werden.
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Die Staatsstraße 2191, die in Altenkunstadt über die Weismainer Straße verläuft, wird 2019 vom Freistaat saniert. Zuvor sollen die alten Kanäle und Wasserleitungen renoviert werden. Das würde der Gemeinde Kosten in Höhe von rund einer Millionen Euro bescheren. Stephan Stöckel
Die Staatsstraße 2191, die in Altenkunstadt über die Weismainer Straße verläuft, wird 2019 vom Freistaat saniert. Zuvor sollen die alten Kanäle und Wasserleitungen renoviert werden. Das würde der Gemeinde Kosten in Höhe von rund einer Millionen Euro bescheren. Stephan Stöckel
Im nächsten Jahr soll in Altenkunstadt die Staatsstraße 2191 vom Röhriger Kreisel bis zur Mainbrückenkreuzung saniert werden. Was liegt da näher, als im Vorfeld die Kanäle und die Wasserleitung gleich mit zu sanieren, die rund 60 und mehr Jahre auf dem Buckel haben? Das sagte sich auch die Gemeinde Altenkunstadt, die die Planungsgruppe Strunz damit beauftragte, ein Sanierungskonzept für die Staatsstraße auszuarbeiten, die den Straßennamen "Weismainer Straße" trägt.


Noch kein Beschluss

Diplom-Ingenieur Michael Dötzer von der Planungsgruppe Strunz in Bamberg stellte es dem Gemeinderat am Dienstagabend vor und nannte die konkreten Kosten: "Die finanziellen Aufwendungen für die Kanäle belaufen sich auf rund 365000 Euro, für die Wasserleitung auf rund 683000 Euro." Ein Beschluss wurde noch nicht gefasst. Die Präsentation diente der Information.
Ob Kanal oder Wasserleitung - alle haben eines gemein: Sie sind in die Jahre gekommen. Undichtigkeiten, Absackungen oder Korrosionsschäden an den Armaturen, die bei Kamerabefahrungen in den Jahren 2013 und 2016 entdeckt wurden, zeugen davon. Die Regen- und Schmutzwasserkanäle in der Weismainer Straße wurden überwiegend im Jahre 1959 errichtet. Nur ein kleiner Teil des Abwassernetzes stammt aus den 1980er Jahren. Die Wasserleitung ist noch älter: Sie wurde Mitte der 1950er Jahre erbaut.


Roboter werden eingesetzt

Für die Behebung örtlich begrenzter Schäden in den Kanälen, wie Wurzeleinwuchs, kann den Ausführungen des Experten zufolge Robotertechnik zum Einsatz kommen. Für die Sanierung größerer Schäden empfahl Dötzer eine andere Technik: "Der Einsatz von Schlauchlinern, einer grabenlosen Sanierungstechnik, und Edelstahlmanschetten sorgt hier für eine optimale Standsicherheit und für eine Verlängerung der Nutzungsdauer der Kanäle um 30 Jahre. Bei der Robotertechnik liegt sie nur bei zehn Jahren." Von einem Neubau der Kanäle riet der Fachmann ab. Die Kosten wären viermal so hoch.
Wie ist die Erneuerung der Wasserversorgung angedacht? In offener Bauweise und auch grabenlos sollen neue Rohre verlegt werden. Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) informierte die Öffentlichkeit darüber, dass die neuen Wasserleitungsrohre nur bis zur Grundstücksgrenze der Anlieger verlegt würden. "Von dort bis zur Wasseruhr im Haus müssen die Hauseigentümer die Rohre selbst verlegen", stellte der Redner klar.
Der Ingenieur zeigte sich auf Nachfrage von Gemeinderat Frank Novotny von den Sozialen Bürgern (SB) überzeugt davon, die Maßnahme bis zum Beginn der Straßensanierung im Frühjahr 2019 abgeschlossen zu haben. Um Synergieeffekte zu nutzen, schwebte dem Ingenieur ursprünglich vor, in einem Graben parallel zur Wasserleitung Leerrohre für die moderne Glasfasertechnik zu verlegen, die schnelles Internet ermöglichen soll. Kostenpunkt: 182 000 Euro. Doch von dieser Idee ist Dötzer wieder abgekommen. "Wir haben es mit einem langen Abschnitt zu tun, für den wir keine Förderung erhalten und die Zahl der Hausanschlüsse ist mit 29 sehr gering. Das ist unwirtschaftlich." Eine Feststellung, die auch Geschäftsstellenleiter Alexander Pfaff von der Gemeinde Altenkunstadt teilte. Um das Regenwasser in Gewässer einleiten zu dürfen, muss alle 20 Jahre beim Wasserwirtschaftsamt eine wasserrechtliche Erlaubnis eingeholt werden. Hierzu wird ein Wasserrechtsbescheid erlassen.


Unverständnis im Gremium

In dem aktuell an die Gemeinde ergangenen Bescheid wird diese aufgefordert, an einigen Stellen den Durchmesser der Regenwasserkanäle zu vergrößern oder Reinigungseinrichtungen einzubauen. Die Kosten bezifferte Diplom-Ingenieur Sebastian Bojanowski von der Planungsgruppe Strunz in Bamberg auf 558 000 Euro. Das Wasserwirtschaftsamt hat der Gemeinde eine Frist zur Durchführung der Maßnahme bis zum 31. Oktober 2019 gegeben.
Auf Unverständnis im Gremium stieß eine weitere Auflage aus dem Maßnahmenkatalog. Um die Einleitung von Niederschlagswasser in ein Gewässer zu drosseln, muss ein Rückhaltebecken errichtet werden. Der Bau einer solchen Anlage gestaltet sich im Innerortsbereich von Altenkunstadt schwierig. "Aus diesem Grund hat die Behörde eine naturnahe Gewässeraufweitung der Altenkunstadter Flutmulde beschlossen, durch die die Weismain verläuft. Die Planungen für die 194 000 Euro teure Maßnahme müssen bis zum 31. Oktober 2019, die Baumaßnahmen bis zum 31. Dezember 2020 beendet sein", erläuterte Bojanowski. Darüber konnte Zweiter Bürgermeister Georg Deuerling (FB) nur mit dem Kopf schütteln. Für ihn wäre es zielführender, wenn man das alte Pfaffendorfer Klärbecken, das mit Aushub verfüllt werden soll, zum Regenrückhaltebecken gemacht und mit dem Kapellenbach verbunden hätte. "Über den Kapellenbach, der von Pfaffendorf kommt, fließt sehr viel Wasser in die Weismain", begründete er seinen Vorschlag, der mit untersucht werden soll.
Keine zeitlichen Vorgaben gibt es für eine weitere wasserrechtliche Maßnahme: Für Tauschendorf schlägt das Amt eine Aufweitung des dortigen Baches vor. Die Baukosten schätzte Bojanowski auf 37 000 Euro.


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