Wolfsdorf
Umweltschutz

Eine Blühfläche für die Bienenretter

Die Landwirte Lukas Hatzold und Georg Weiß nehmen das Volksbegehren zur Rettung der Bienen ernst. Per Zeitungsannonce luden sie alle Bürger ein, Blühflächenpaten zu werden, um Insekten zu helfen. Der Resonanz ist gering.
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Lukas Hatzold (links) und Georg Weiß auf ihrem Feld bei Wolfsdorf. Hier, am Wallfahrerweg nach Vierzehnheiligen, wollen sie eine Blühfläche anlegen, doch das Interesse der Bürger am Obermain, eine Patenschaft für einige Quadratmeter zu übernehmen, ist gering.Matthias Einwag
Lukas Hatzold (links) und Georg Weiß auf ihrem Feld bei Wolfsdorf. Hier, am Wallfahrerweg nach Vierzehnheiligen, wollen sie eine Blühfläche anlegen, doch das Interesse der Bürger am Obermain, eine Patenschaft für einige Quadratmeter zu übernehmen, ist gering.Matthias Einwag
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"Hallo Ihr Bienenretter! Nicht nur Kreuzchen setzen, jetzt auch Flagge zeigen! Werden Sie zum Blühflächenfreund für Bienen und Insekten". Mit diesen Worten forderten Lukas Hatzold und Georg Weiß die Menschen am Obermain in einer zweispaltigen Zeitungsannonce auf, selbst etwas gegen das Artensterben zu tun. Kurz nachdem viele Bürger das Volksbegehren "Rettet die Bienen" befürwortet hatten, wollten die beiden handeln und es den Leuten ermöglichen, ihren per Abstimmung erklärten Willen in die Tat umzusetzen. Die Resonanz darauf ist sehr gering. Bisher haben die zwei Landwirte nur Blühpaten für rund 500 Quadratmeter Fläche gefunden. Zum Vergleich: Das ist die Fläche, auf der ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit kleinem Garten steht.

Es geht nicht nur um Bienen

Lukas Hatzold und sein Schwiegervater Georg Weiß bewirtschaften den Birkenhof zwischen Bad Staffelstein und Wolfsdorf. Mit ihrer Zeitungsanzeige wollten sie aufzeigen, dass es nicht nur um die Bienen, sondern um die Artenvielfalt bei Insekten geht. "Wir legen für Sie Blühflächen im Gottesgarten an, direkt am Wallfahrerweg nach Vierzehnheiligen", schrieben sie in der Annonce. Fünf Quadratmeter Blühfläche kosten fünf Euro für eine Saison von April bis September. Das Saatgut werde von ihnen gestellt, auf Wunsch würden sie Tafeln mit den Namen der Paten am Feldrand aufstellen. In roter Schrift unterstreicht das Team vom Birkenhof am Ende der Anzeige: "Naturschutz und Landwirtschaft aus Leidenschaft!"

Flächenfraß angeprangert

Dass so viele Leute beim Volksbegehren unterschrieben hatten, überraschte den Agrarbetriebswirt Lukas Hatzold und den staatlich geprüften Landwirt Georg Weiß. Sie machten sich im Internet kundig und recherchierten dessen Ziele. Das Volksbegehren mit den Bienen im Namen lasse die Bürger außen vor und ziele nur auf Landwirte ab, monieren sie. Es sei "plakativ auf Bienen hingestrickt, sollte aber auf Insekten allgemein" gemünzt sein, ergänzt Georg Weiß. Zudem tragen weitere Faktoren zum Artensterben bei. Die beiden Landwirte verweisen auf den ungebremsten Flächenfraß durch wachsenden Bedarf an Wohnraum und Industriegebäuden sowie beim Autobahn- und ICE-Trassenbau. Hinzu kämen Flugbewegungen, Kreuzfahrten und die weiter zunehmende Lichtverschmutzung, die für Insekten extrem schädlich sei.

"Widerspruch in der Gesellschaft"

Bei rund 66 600 Einwohnern des Kreises Lichtenfels gebe es rund 850 bäuerliche Voll- und Nebenerwerbsbetriebe, also etwa 3400 Menschen mit landwirtschaftlichem Hintergrund, rechnet Georg Weiß vor. "Jeder profitiert davon - aber an der Natur etwas gutmachen soll nur eine Berufsgruppe." Es kitzelte sie also, mit der Zeitungsanzeige "den Widerspruch in der Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen".

"Einen Großteil von dem, was das Volksbegehren fordert, gibt es schon" und vieles werde von den Bauern freiwillig geleistet, sagen die beiden Landwirte. Dazu zählen sie ökologische Vorrangflächen, im Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) und im Vertragsnaturschutz (VNP) mit dem Landkreis. "Die Idee ist nicht neu: Wenn ich auf Ertrag verzichte, gibt's Geld - dieses Geld würde ich auch dann bekommen, wenn ich Weizen auf diesen Flächen anbauen würde", erklärt Georg Weiß.

Dass die Resonanz so viel geringer ausfiel als sie erwartet hatten, wunderte die beiden landwirte. Lukas Hatzold: "Einen Tag nach der Anzeige meldeten sich einige Leute - danach ist es stark abgeebbt." Erfreulich sei, dass acht Grundschulklassen mitmachen und die Patenschaft für einige Quadratmeter übernommen haben.

Auf dem Blühflächen-Feld am Wallfahrerweg nach Vierzehnheiligen wollen die beiden trotz fehlender Paten auf jeden Fall "etwas fürs Auge machen". Die Blühmischung, die sie dort aussäen werden, enthalte unter anderem Samen von Schafgarbe, Wicke, Klee, Erbse, Sonnenblume, Klatschmohn, Koriander, Fenchel, Ringelblume und Phazelie. Sie sind sich darin einig: "Wir werden schon ein bisschen mehr machen als die Leute ordern."

Und wie steht der bayerische Bauernverband dazu?

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" mobilisierte kürzlich in Bayern zahlreiche Bürger. Wir sprachen mit Hans Rebelein, dem Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), darüber.

Das Volksbegehren, sagt er, habe der Artenvielfalt, der Biodiversität und der Landwirtschaft einen Bärendienst erwiesen. "Ich habe unsere Landwirte noch nie so resigniert und frustriert erlebt wie zurzeit", ergänzt er. Bei ihm hätten Landwirte angerufen, "die mitten im Leben stehen, die resignieren und aufhören wollen, geschweige denn, ihre Kinder noch Landwirtschaft lernen lassen" möchten. Sie wüssten nicht mehr, wie es weitergehen soll, denn sie befürchten noch mehr massive gesetzliche Auflagen, - auch durch das Volksbegehren.

Diese Landwirte, sagt Rebelein, hätten sich in den vergangenen Jahren an vielen Programmen und Umweltschutzprojekten beteiligt, doch all das werde von der Gesellschaft nicht honoriert. Wenn das so weitergehe, würden sich die bisherigen bäuerlichen Strukturen auflösen.

"Freiwillige Projekte unterlassen"

"Wir im Landkreis haben uns an vielen Naturschutzprogrammen und -projekten beteiligt. Wir arbeiten im Landschaftspflegeverband mit. Wir haben uns am Rebhuhnprojekt beteiligt. Man hat es nicht für nötig erachtet, mit uns im Vorfeld über das Volksbegehren zu reden, wir fühlen uns verkauft und verraten", sagt der BBV-Kreisgeschäftsführer. Er werde, fährt er fort, von den BBV-Mitgliedern aufgefordert, als Verband etwas zu unternehmen. "Sie fordern, dass sich der Bauernverband aus dem Landschaftspflegeverband zurückzieht und auch aus dem Grünen Band", sagt er. "Wir haben in den letzten Jahren unsere Mitglieder aufgerufen, auf freiwilliger Basis Blühflächen anzulegen und haben in diesem Jahr einen Blühbotschafter gesucht. Die Bauern fordern mich auf, freiwillige Maßnahmen zu unterlassen und alle Landwirte dazu aufzurufen."

Gängige Meinung unter den Landwirten sei, dass die Bauern nur noch das tun sollten, was das Gesetz fordere - aber nicht mehr. Sollte diese Stimmung bleiben, werde das Bürgerbegehren für die Natur ein Rückschritt. Die Landwirte seien nicht mehr bereit, sich auf freiwillige Projekte einzulassen. Somit werde Natur künftig weniger Fläche zur Verfügung stehen, als derzeit auf freiwilliger Basis, vermutet er.

Zudem werde der BBV aus den Reihen der Landwirte aufgefordert, Mahnfeuer oder Demonstrationen zu organisieren. "Wie wir damit umgehen, müssen unsere Gremien im Verband entscheiden." Es gebe ein paar wenige Stimmen, die der Meinung sind, "dass wir besser aufzeigen sollen, was wir geleistet haben und was wir leisten für die Artenvielfalt und für die Natur".

Woran sich Bauern beteiligen

Hans Rebelein sagt, er habe deshalb das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gebeten, einen Flyer zu erstellen, aus dem von amtlicher Stelle die Zahlen offengelegt werden, mit welchen Flächen sich die Bauern in den Landkreisen Coburg und Lichtenfels an Umweltprogrammen wie Kulap und VNP (Kulturlandschaftsprogramm und Vertragsnaturschutzprogramm) beteiligen. Auch die Landkreise müssten die Grundstücke nennen, die als Ausgleichsflächen und für Naturschutzprojekte gekauft wurden. Unter den Tisch fallen dabei die freiwilligen Blühflächen und -streifen.

Bisher nur fünf Blühflächenpaten

Außerdem böten Landwirte im Kreis Lichtenfels Blühflächen-Patenschaften für ca. 40 Euro pro 100 Quadratmeter an. Ab 100 Blühpaten könnte die Flächen angelegt werden. Jeder, der es ernst meint mit der Artenvielfalt, könne sich beim Bauernverband per E-Mail anmelden (Lichtenfels@bayerischerbauernverband.de). "Auf unseren jüngsten Aufruf haben sich bisher erst fünf Personen gemeldet" sagt Rebelein. "Ich hoffe, dass es bald zu einem Volksbegehren kommt zur Unterstützung unserer bäuerlichen Landwirtschaft, sonst haben wir bald keine mehr", resümiert er.

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