Lichtenfels
Gedenkfeier

Ein Zeichen für das Miteinander in Lichtenfels

Lichtenfelser gedachten in der Judengasse der Opfer des Nationalsozialismus. Annemie Dietz fand bewegende Worte.
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Annemie Dietz, hier neben ihrem Mann Peter, erinnerte in ergreifenden Worten an die Zerstörung der Synagoge und das Leid von Arnold und Sofie Seliger, die in nächster Nähe wohnten.  Foto: Popp
Annemie Dietz, hier neben ihrem Mann Peter, erinnerte in ergreifenden Worten an die Zerstörung der Synagoge und das Leid von Arnold und Sofie Seliger, die in nächster Nähe wohnten. Foto: Popp

Direkt vor der ehemaligen Synagoge wurden am Freitag die letzten beiden von 13 Stolpersteinen verlegt. Schon Jahre zuvor hatte es Bemühungen um diese Form des Gedenkens gegeben. Nun - ausgerechnet zu dem Jahrestag am 9. November - sollte umgesetzt werden, was auch das Lichtenfelser Ehepaar Peter und Annemie Dietz ein Herzensanliegen nannte. Mit Rosen und einem Text aus historischen Aufzeichnungen von jener Nacht in den Händen traten sie vor die Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung.

Annemie Dietz fand bewegende Worte für das Unsägliche. Der jüdische Lehrer Arnold Seliger und seine Frau mussten am 9. November 1938 Entsetzliches erleben: Die Zerstörung der Synagoge aus nächster Nähe, ebenso ihrer Wohnung, ihres Eigentums. Von schweren Misshandlungen wurde berichtet, Sofie Seliger galt im Nachgang als vermisst, ihre Leiche wurde am 3. Dezember 1938 aus dem Alten Main geborgen. Wie sie zu Tode kam - die Nazis stellten es als Selbstmord dar - bliebt ungeklärt. Ihr Mann musste Lichtenfels verlassen und starb 1941 in einem Krankenhaus in Leipzig.

Durch die Steine mit ihren Namen bekämen sie ihre Würde wieder, erklärte Annemie Dietz und nannte dieses Gedenken unter Tränen "ein sichtbares Zeichen für ein Miteinander und Demokratie".

Im Anschluss nutzen viele die Gelegenheit, in der Synagoge die von Schülern erarbeitete Ausstellung "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale" anzuschauen, die noch einige Tage dort zu sehen ist. Landrat Christian Meißner (CSU) gab einen weiteren der 13 Führerscheine, die vor 80 Jahren jüdischen Bürgern vom Bezirksamt abgenommen worden waren, aus den USA angereisten Angehörigen der Familie November/Stanton zurück. Er sprach sich für weitere Geschichtsforschung und Kontakte zu Nachfahren aus. "Ich wünsche mir, dass wir diese Fäden fester knüpfen." Von dem das Projekt begleitenden Lehrer Manfred Brösamle-Lambrecht war an gleicher Steller zu erfahren, dass bereits weitere Angehörige ihren Besuch für April angekündigt haben.

Sonderausstellung

Öffnungszeiten Die Ausstellung "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale" ist in der ehemaligen Synagoge, Judengasse 12, Lichtenfels, der Öffentlichkeit zugänglich, und zwar zu folgenden Zeiten: Samstag, 10., und Sonntag, 11. November, von 14 bis 17 Uhr; Dienstag, 13. November, von 16 bis 20 Uhr; Donnerstag, 15. November, von 14 bis 17 Uhr. Entstehungsgeschichte Im Landratsamt waren im Zuge der Digitalisierung von Akten alte Führerscheine gefunden worden. Das einstige Bezirksamt, die Vorgängerbehörde, hatte sie vor 80 Jahren Bürgern entzogen - nur, weil diese Juden waren. Schüler des Meranier-Gymnasiums haben geforscht und viel über die Inhaber der Führerscheine herausgefunden. Die Ausstellung erzählt von deren Biografien. Auch mit den Nachfahren wurde Kontakt aufgenommen. Einige nahmen weite Wege auf sich, um aus diesem Anlass nach Lichtenfels zu kommen.

Werkstattgespräch Am Donnerstag, 15. November, findet um 19 Uhr ein Werkstattgespräch zur Sonderausstellung mit den beteiligten Schülern, Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht und Stadtarchivarin Christine Wittenbauer in der ehemaligen Synagoge statt. Schulen und Gruppen können sich für Führungen im Zeitraum vom 10. bis 15. November anmelden unter Tel. 09571/795-134 oder per E-Mail an stadtarchiv@lichtenfels.de.



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