Bad Staffelstein
Porträt

Ein von Musik erfülltes Leben

Von 1953 bis 2015 gehörte Michael Diller der Staffelsteiner Blasmusik an. Auch mit der "Nothelfer-Kapelle" und als Alleinunterhalter hat er sich in der Region einen Namen gemacht.
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Michael Diller als Dirigent, wie man ihn im Staffelsteiner Land kennt - hier beim Auftritt der "Nothelfer-Kapelle" bei einer Soldatenwallfahrt in Vierzehnheiligen.Matthias Einwag
Michael Diller als Dirigent, wie man ihn im Staffelsteiner Land kennt - hier beim Auftritt der "Nothelfer-Kapelle" bei einer Soldatenwallfahrt in Vierzehnheiligen.Matthias Einwag
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Zeitzeugen - in der Erzählung und in Bildern liegen über 60 Jahre Nachkriegsgeschichte vor uns, in denen Michael Diller und die Staffelsteiner Blaskapelle das Bild der Stadt am Obermain ganz wesentlich mitgeprägt haben. Es ist nicht die historische Dimension, die in Jahreszahlen und Fakten später auch aus Archiven zu entnehmen ist. Es sind all die Emotionen und persönlichen Details, wie sie nur ein Zeitzeuge erzählen kann. Und für die Staffelsteiner Blasmusik einen besseren Zeitzeugen und Chronisten zu finden als Michael Diller, ist kaum möglich. Für sein Lebenswerk erhielt der leidenschaftliche Musiker im vergangenen Jahr die Ehrenmedaille der Stadt Bad Staffelstein.

Mit 14 Jahren hatte Michael Diller zusammen mit anderen Jugendlichen aus der Katholischen Jugend Staffelstein im Oktober 1952 eine Blaskapelle gegründet. Ziel war es, Prozessionen und kirchliche Feste musikalisch zu begleiten. Als Hauptinitiator der Kapelle gelten Stadt-Kaplan Josef Güßbacher sowie die Brüder Hans und Max Stich. Max Stich war Motor und Impulsgeber der neuen Kapelle und hatte das Management bis zu seinem Tod am 8. August 2003 inne. Er wurde in dieser Funktion ab 2003 von Franz Riedl aus Ebensfeld abgelöst.

Unterrichtet wurden die Neumusiker von Hugo Schreiber, der aus dem Sudetenland stammte und nach Kriegsende in Staffelstein eine Wohnung fand. Man spielte auf gebrauchten Instrumenten, keiner der Jugendlichen hatte vorher eine musikalische Ausbildung, entsprechend mühsam muss es gewesen sein, einen Klangkörper zu formen.

Musizieren musst erlernt werden

Der erste öffentliche Auftritt der "Kapelle der Katholischen Jugend", so nannte sich die neu gegründete Formation, fand am 19. März 1953 am Namenstag von Stadt-Kaplan Güßbacher vor der Kaplanei statt. Schon bald spielte man auch bei anderen Gelegenheiten, und ab 1960 etablierte sich die Kapelle als "Staffelsteiner Blasmusik". Wirklich geklungen, so erinnert sich der 79-Jährige, habe die Musik damals noch nicht: das Handwerk musste erst mühsam erlernt werden, die Instrumente waren teilweise alt und verbraucht. Als "Maumau-Kapelle" wurde das Ensemble in den Anfangsjahren bezeichnet. Die Qualität verbesserte sich unter den Dirigenten Hugo Schreiber, Baptist Hertel und Adolf Gröger rasch. Im Dezember 1969 übernahm schließlich Michael Diller die Leitung der Kapelle.

Erste Rundfunkaufnahmen

Der inzwischen erreichte hohe Standard an Qualität und Repertoire und die zunehmende Bekanntheit der Staffelsteiner Blaskapelle führten 1966 schließlich zu ersten Rundfunkaufnahmen, damals aufgezeichnet in der Nürnberger Meistersingerhalle. Die Bezeichnung "Rundfunk-Blaskapelle", darauf legt Michael Diller großen Wert, entstamme aber dem Volksmund. Offiziell bezeichneten sie sich immer als "Staffelsteiner Blasmusik, bekannt durch den Bayerischen Rundfunk". Anfang der 1970er-Jahre wurde die erste Schallplatte in der Kurklinik Lautergrund aufgenommen; ins Tonstudio im "Colosseum" am Nürnberger Dutzendteich begab man sich in den folgenden Jahren zur Aufnahme von weiteren Schallplatten und Musikkassetten, aus denen später CDs gewonnen wurden.

Die Staffelsteiner Blasmusik war in den Jahren von 1970 bis 1990 im fränkischen Raum eine überregional bekannte Marke, gerne gesehen und gehört bei zahllosen Veranstaltungen, Festen, Konzerten und überall, wo Blasmusik eine Rolle spielte. Einen großen Teil des Repertoires nahmen Walzer, Polkas, Märsche, Marzurken und traditionelle Volksmusik ein, jedoch widmeten sich die Musiker auch moderner Musik und integrierten diese in ihr Programm. Von der Vielseitigkeit und Qualität der Kapelle zeugt auch der "Große Zapfenstreich mit Serenade", den man wiederholt spielte, oder Militärmusik, die man bei einem deutsch-französischen Freundschaftstreffen in der Eberner Balthasar-Neumann-Kaserne präsentierte.

Als Begleitung der Fischer-Chöre

Gern erinnert sich Michael Diller auch an Fernseh-Aufnahmen auf dem Staffelberg, als die Blasmusik-Kapelle Gotthilf Fischer mit seinen Fischer-Chören begleitete. Bei dem allgemeinen Zeitdruck brauchte man mehrere Anläufe, bis man nach starker Bewölkung und dann zusätzlich Regen die Aufnahmen im Kasten hatte - natürlich im Playback-Verfahren.

"Stadtkapelle waren wir nie"

Rein rechtlich wurde die Kapelle nie als Verein organisiert, sondern blieb immer eine "Gesellschaft bürgerlichen Rechts" (GbR), eng verbunden mit der Katholischen Kirche. Nie, so betont Michael Diller, war man "Staffelsteiner Stadtkapelle", auch wenn der Eindruck nach außen vielleicht entstanden sein mag. Die Tätigkeit als Dirigent war immer ehrenamtlich. Das Dirigieren erlernt habe er bei Georg Heinlein, dem damaligen Oberstabsmusikmeister des Nordbayerischen Musikbundes in Bamberg, erzählt Diller.

Dirigent und Moderator

Die Staffelsteiner Blasmusik umfasste meist um die 18 bis 20 aktive Mitglieder. Prägende Musiker der Kapelle waren Solotrompeter Gottfried Schorn, Tenorhornist Georg Wiemann und das Gesangsduo Josef Müller/Michael Diller. Und natürlich der Dirigent Michael Diller, der immer für humorvolle Einlagen und die stilvolle Moderation zuständig war.

Während über 60 Jahren, in denen die Kapelle bestand, habe er nie bei Proben oder Auftritten gefehlt, so erzählt Michael Diller. Eine Ausnahme sei die Zeit vom Juli 1960 bis Juni 1961 gewesen, in denen er seine Bundeswehrzeit in Weiden und Amberg ableistete.

"Zeit der Blaskapellen ist vorbei"

Warum löste sich die Staffelsteiner Blaskapelle auf ? Der 31. Dezember 2015 ist der Tag, an dem die Kapelle von Michael Diller, Manager Franz Riedl und Kassier Peter Zapf offiziell aufgelöst wurde. "Die Zeit großer Blaskapellen ist vorbei", die "Menschen wenden sich zwar wieder der volkstümlichen Musik zu, aber die Präsentation geschieht immer mehr elektronisch und mit anderen Inhalten", stellt Michael Diller fest. In den letzten zehn Jahren des Bestehens der Staffelsteiner Blasmusik habe das Interesse an Auftritten und Engagements immer mehr abgenommen.

Michael Diller selbst spielt heute noch in der "Nothelferkapelle" und tritt bei Gelegenheit mit seinem Akkordeon mit Unterhaltungsmusik auf. Gagen, sofern es welche gab, habe er wie jeder andere seiner Musiker bekommen. Ansonsten sei alles im Ehrenamt geschehen.

Ehrenbürger, Ehremedaillenträger und ein Buch

Grundlagen Die Festlegungen zum Ehrenbürgerecht sind in der Bayerischen Gemeindeordnung geregelt. Artikel 16 besagt, dass eine Kommune jenen Persönlichkeiten das Ehrenbürgerrecht verleihen kann, die sich um sie besonders verdient gemacht haben. Darin ist jedoch auch geregelt, dass Städte und Gemeinden die Ernennung widerrufen können, wenn sich ein Ehrenbürger unwürdig verhält. Bei der Verleihung von Ehrenmedaillen sind die Modalitäten ähnlich.

Auszeichnungen Die Stadt Bad Staffelstein hat derzeit drei lebende Ehrenbürger: Altlandrat Reinhard Leutner, Monsignore Gerhard Hellgeth und den ehemaligen Dritten Bürgermeister Georg Würstlein. Der Markt Ebensfeld hat keinen lebenden Ehrenbürger mehr. "Es gibt viele Menschen, die Gutes für die Gemeinde leisten", sagt Bürgermeister Bernhard Storath, doch die Verleihung einer Ehrenbürgerwürde sollte restriktiv gehandhabt werden. Beide Kommunen ehrten zahlreiche Bürger mit Ehrenmedaillen.

Buch Das ausführliche Porträt Michael Dillers von Hermann Hacker finden Sie im dritten Band "Kunst und Kultur im Staffelsteiner Land", der im Herbst erscheinen wird. Dafür sucht die Kulturinitiative Staffelstein (KIS) Anregungen zu Persönlichkeiten, die kulturell oder ehrenamtlich Herausragendes leisteten.

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