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Bad Staffelstein
Personalien

Ein Stadtratsmandat ist mehr als nur ein Hobby

Die Parteien stellten bereits vor Monaten ihre Listen für die Kommunalwahl im März zusammen. Wir fragten die Staffelsteiner Stadtratsfraktionen, wie schwer es ist, Kandidaten aus allen Bevölkerungsschichten zu finden.
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Die Staffelsteiner Stadträte tagen - hier unter Vorsitz von Zweitem Bürgermeister Hans Josef Stich - regelmäßig alle vier Wochen. Rätinnen und Räte müssen sich ausgiebig auf die Tagesordnungsthemen vorbereiten, um bei der Diskussion informiert zu sein und um abstimmen zu können. Foto: Matthias Einwag
Die Staffelsteiner Stadträte tagen - hier unter Vorsitz von Zweitem Bürgermeister Hans Josef Stich - regelmäßig alle vier Wochen. Rätinnen und Räte müssen sich ausgiebig auf die Tagesordnungsthemen vorbereiten, um bei der Diskussion informiert zu sein und um abstimmen zu können. Foto: Matthias Einwag

Ist das Interesse an persönlichem Engagement in der Lokalpolitik stärker oder schwächer geworden? Das wollten wir von Mitgliedern der fünf im Staffelsteiner Stadtrat vertretenen Parteien wissen - und auch von der AfD, die erstmals mit einer Stadtratsliste antreten wird.

Auf die Frage, ob es schwierig gewesen ist, 24 Kandidaten für die Liste zur Stadtratswahl zu finden, antwortet Winfried Ernst (Freie Wähler): "Ich habe keine Schwierigkeiten gehabt, Leute zu akquirieren. Wir sind eine breit aufgestellte Gruppierung. Uns ist es wichtig, alle Ortschaften einzubinden, ein beruflich breit gestreutes Kandidatenfeld zu haben sowie Ältere und Jüngere auf die Liste zu bekommen."

Kompetente Kandidaten gesucht

Winfried Ernst räumt ein, dass es im Vergleich zur vergangenen Kommunalwahl vor sechs Jahren schon ein bisschen schwieriger geworden ist, jene Kandidaten zu bekommen, deren Mitarbeit und Fachwissen willkommen wäre. "Die, die man haben will, haben meist schon viel um die Ohren", sagt er, doch das führe nicht dazu, die Liste mit irgendwelchen Leuten aufzufüllen. Eine gewisse Überzeugungskunst sei schon erforderlich, wenn man den Ehrgeiz habe, die richtigen Leute zu finden und sie zur Kandidatur zu bewegen.

Wie viel Zeit ein Stadtrat durchschnittlich pro Monat aufwenden muss, das liege nach Winfried Ernsts Worten daran, wie aktiv er sich einbringe. Rechne man ein, dass pro Monat jeweils eine Stadtrats-, eine Fraktions- und eine Ausschusssitzung anstehen und überschlage man die Einarbeitungszeit in die Sachthemen, dann seien es mindestens acht Stunden, die aufgewendet werden müssen.

Ausgewogenheit angestrebt

"Es war genauso schwierig wie immer", antwortet Hans Josef Stich (CSU) und fügt hinzu: "Wir könnten mehrere Listen voll kriegen, aber man sollte eine gewisse Ausgewogenheit abzeichnen, was die Berufsgruppen und den Proporz zwischen Männern und Frauen betrifft." Außerdem komme es darauf an, Menschen zu finden, denen ihre Heimat etwas bedeutet, die in der Stadt gut vernetzt und sozial engagiert sind und die sich für das Wohlergehen der Bürger einsetzen: "Du sprichst keine Leut' an, die nur daheim vorm Fernseher hocken und Chipstüten leerfuttern."

Natürlich müsse man damit leben, Absagen zu bekommen, denn die Angesprochenen seien oftmals Personen, "die eh schon genug an der Backe haben". Wer sich um einen Stadtratssitz bewirbt, müsse wissen, dass es nicht nur um den Zeitaufwand im Wahlkampf gehe, sondern darum, die kommenden sechs Jahre mit Leben zu füllen. Beziehe man gesellschaftliche Veranstaltungen mit ein, bei denen die Anwesenheit der Stadträte in ihren jeweiligen Wohnorten oder in der Kernstadt gern gesehen ist, dann liege der zeitliche Aufwand im Monat bei 15 bis 20 Stunden, kalkuliert er. Nicht vergessen werden dürfe die Zeit, die ein Ratsmitglied brauche, um sich in detailreiche Sachthemen einzuarbeiten.

Wer sich einsetzt, setzt sich aus

30 Euro Pauschale gibt es für jede Stadtrats-, Ausschuss- und Fraktionssitzung. "Für Geld macht das niemand", sagt Hans Josef Stich, "das ist für keinen die Motivation." Es gehe vielmehr darum, sich für die Heimat einzusetzen und etwas zu bewegen. Nicht unterschätzt werden dürfe, dass Stadtratsmitglieder in der Öffentlichkeit stehen und als Vertreter der Stadt gesehen werden. "Man braucht schon manchmal ein dickes Fell", um die Kritik verkraften zu können, die an den Entscheidungen des Rats geübt wird. Stadträte müssten auf Gegenwind gefasst sein, denn "wer sich einsetzt, der setzt sich aus."

"Bei uns war's nicht schwierig, eine Liste aufzustellen", sagt Werner Freitag von den Staffelsteiner Bürgern für Umwelt- und Naturschutz (SBUN). Begründend fügt er hinzu: "Weil jetzt alle auf der grünen Welle reiten und wir nicht mehr als grüne Spinner gesehen werden." Leicht hätte er eine Liste mit 30 Kandidaten aufstellen können, so groß sei der Zulauf und das Interesse. "Wir haben 13 Frauen und 11 Männer auf unserer Liste", fährt er fort, denn "es kann ja nicht sein, dass im Staffelsteiner Stadtrat nur drei Frauen drin sind." Alle Kandidaten auf der Liste seien bereit, das Stadtratsmandat tatsächlich anzutreten, wenn sie gewählt werden, sagt Werner Freitag. "Es ist kein bloßes Füllen einer Liste; unsere Kandidaten stellen sich wirklich zur Verfügung."

"Mit Absagen muss man leben"

"Bei uns hat's relativ lange gedauert, bis wir die Stadtratsliste voll bekamen", bekennt Holger Then (JB). Schon vor gut einem Jahr habe man mit der Kandidatensuche begonnen. "Man muss zehn Leute fragen, bis einer mal Interesse zeigt", sagt er. Dafür sei wohl die Altersklientel der Jungen Bürger ausschlaggebend, denn nur Frauen und Männer unter 40 seien im Fokus. "Du musst frühzeitig unterwegs sein und mit Absagen leben können", beschreibt er die Suche nach geeigneten Kandidaten.

Bei den Jungen Bürgern finde vor jeder Kommunalwahl ein Erneuerungsprozess statt, weil ältere Mandatsträger mit 40 ausscheiden und neue hinzukommen. Das Interesse junger Menschen, an der Lokalpolitik mitzuwirken, sei durch die "Fridays for future"-Bewegung nicht gestiegen, sagt Holger Then. Es sei nicht größer als bei den vorherigen Wahlen.

Beim Zusammenstellen der Liste habe man versucht, Kandidaten aus allen Stadtteilen und Lebensbereichen zu finden. Besonderes Augenmerk bei der Auswahl der Kandidaten habe er darauf gelegt, dass darunter Menschen sind, die sich ehrenamtlich engagieren. Viele kamen über die Junge Union zu den Jungen Bürgern. Unter den 24 Kandidaten seien zwar nur vier Frauen, "aber wir haben drei Frauen auf den ersten neun Listenplätzen", sagt Holger Then.

"Der Aufwand ist nicht unerheblich", sagt Dieter Leicht (SPD), denn beim Ansprechen potenzieller Kandidaten bekomme man oft Absagen. "Wir haben keine 24 Kandidaten zusammengebracht", erklärt er freimütig. Dazu trage der momentane Zustand der SPD auf Bundesebene ebenso bei wie der Umstand, dass Bad Staffelstein eben in einem sehr konservativen Teil des Landkreises liege. Die SPD geht bei der Stadtratswahl mit 14 Kandidaten ins Rennen. "Unsere Liste ist eine offene Liste, man muss bei uns nicht Mitglied sein, um zu kandidieren", fährt er fort. Bei den Wahlen der vergangenen Jahre habe die SPD schwere Einbrüche erlitten - und das spüre man bei der Kandidatensuche: "Bis wir die 14 zusammen hatten, haben wir eindreiviertel Jahre gekämpft."

Gut vorbereitet sollte man sein

Bei vielen fehle einfach der Mut, sich wählen zu lassen und im Stadtrat mitzumachen. Als Stadtrat brauche man eine gewisse Courage, um zu den Entschlüssen zu stehen. Wichtig sei natürlich der Rückhalt in der Familie. Zudem müsse sich ein Stadtrat in die jeweilige Thematik einlesen und sich auf die Sitzungen vorbereiten - die Zeit dafür hätten immer weniger von jenen Menschen, die für die Mitarbeit in einer Fraktion geeignet erscheinen. Viele, die angesprochen wurden, hätten gefragt, welcher Zeitaufwand mit diesem Amt auf sie zukommen könnte. Als sie es erfuhren hätten sie dann abgelehnt: "Das ist mir doch zu viel."

AfD tritt mit vier Männern an

Am Mittwoch reichte die AfD bei der Stadtverwaltung eine Liste für Bad Staffelstein ein. Die Namen von vier Männern stehen darauf, sagt die stellvertretende AfD-Kreisvorsitzende Heike Kunzelmann. "Es war insgesamt schwierig, unsere Mitglieder zu ermutigen, sich für die Stadtratswahl zur Verfügung zu stellen", erklärt sie, denn der gesellschaftliche und soziale Druck sei sehr groß. Weil potenzielle Kandidaten Ärger mit Freunden und Angehörigen bekamen oder berufliche Nachteile seitens ihrer Arbeitgeber befürchteten, stellten sie sich nicht zur Verfügung oder zogen ihre Zusage wieder zurück, sagt Heike Kunzelmann.

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