Bad Staffelstein
Autos

Ein Porsche, den der Rost überholt

Der Staffelsteiner Norbert Vogt besitzt einen nicht restaurierten VW-Porsche 914. Den Sportwagen aus dem Jahr 1972 möchte der Sammler so lassen, wie er ist. Der Scheunenfund hat den besonderen Charme des Morbiden.
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Norbert Vogt mit seinem "Volksporsche", den er zunächst einmal nicht restaurieren wird.  Vor genau 50 Jahren kam der erste Sportwagen dieses Typs auf den Markt, der von VW und Porsche gemeinsam entwickelt wurde. Foto: Matthias Einwag
Norbert Vogt mit seinem "Volksporsche", den er zunächst einmal nicht restaurieren wird. Vor genau 50 Jahren kam der erste Sportwagen dieses Typs auf den Markt, der von VW und Porsche gemeinsam entwickelt wurde. Foto: Matthias Einwag
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Unter Autoliebhabern ist es eine Glaubensfrage: Sollte man einen im Alltag abgenutzten und verrosteten Oldtimer restaurieren oder den Wagen so lassen, wie man ihn vorgefunden hat? Für Norbert Vogt ist die Antwort klar: Unbedingt im Urzustand belassen!

Der Polizeibeamte aus Bad Staffelstein sammelt leidenschaftlich Dinge, die ein gewisses Alter erreicht haben. Vorzugsweise Gegenstände, die nostalgischen Charme verströmen: Werbeschilder und Spielsachen, Gebrauchsgegenstände - und Autos. Er hat seine Freude daran, diese formschönen Sachen anzusehen. Zum Beispiel eine Seifenkiste im Design eines Silberpfeil-Rennwagens. Damit, sagt er, beteiligte er sich sogar schon am Seifenkistenrennen in Wolfsdorf.

Dornröschenschlaf seit 1987

Eines seiner Lieblingsstücke ist der orangerote VW-Porsche 914 aus dem Jahr 1972. Ein Scheunenfund, erzählt er. Vor einiger Zeit habe er den Wagen im Internet entdeckt, wo er zum Verkauf angeboten war. Norbert Vogt wurde neugierig, fuhr nach Trebgast, sah sich den 914er an und kaufte die Rostlaube.

Seit 1987 habe der Wagen in einer Scheune vor sich hin gerostet, ergänzt er. Nun steht der kantige Sportwagen mit dem abnehmbaren Targadach in einer früheren Raiffeisenhalle. Hier hat Norbert Vogt sein kleines Privatmuseum mit all den kultigen Dingen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren eingerichtet, die er mit der Zeit zusammengetragen hat. An vielen dieser Gegenständen hänge zwar sein Herz, sagt er, doch diese Sammlung sei nichts Statisches. Immer wieder trenne er sich von Dingen und tausche sie gegen andere ein, die ihm besser gefallen.

Rostfraß am Blutorangen-Blech

Den VW-Porsche im Farbton Blutorange möchte er nicht restaurieren. Das würde seinen finanziellen Rahmen sprengen, gibt er zu. Denn der Sportwagen ist vom Zahn der Zeit gezeichnet - sprich: Der Rost hat Türen, Kotflügel und tragende Karosserieteile zerfressen. Im Aschenbecher gammeln die Kippen eines Vorbesitzers.

Aber: Das Auto in deutscher Erstauslieferung ist komplett im Originalzustand. Wo findet sich so etwas noch? Uschi Glas und Roy Black kurvten einst im gleichen Modell über die Leinwand, sagt Norbert Vogt. Der "Volksporsche", wie der Flitzer mit 1,7 Liter-Motor und 80 PS Leistung genannt wird, ist ein Stück Zeitgeschichte. Der Wagen war kein Statussymbol. Wegen seines relativ geringen Sammlerwertes wurden diese Autos meist von ihren Besitzern in Alltag aufgebraucht und dann verschrottet. Originalfahrzeuge, sagt Norbert Vogt, seien heute selten.

Motor sitzt in der Mitte

Grinsend öffnet der 50-Jährige die vordere Haube des 914ers, unter der sich nicht etwa der Motor befindet, sondern ein Kofferraum. Der zweite Kofferraum verbirgt sich im Heck, denn der Wagen besitzt einen Mittelmotor, direkt hinter dem Cockpit. Besonders schrill findet Norbert Vogt die versenkbaren Scheinwerfer, "Schlafaugen" genannt.

Versonnen steht er vor dem Porsche: "Vielleicht restauriere ich ihn doch einmal, wenn ich im Ruhestand bin." Als grün-weiß lackierte Autobahnpolizei-Streife mit "Rundumkennleuchte" (Blaulicht), das wäre doch cool, oder? Momentan aber wird der Porsche nur vom Rost überholt.

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