Lichtenfels
Vorlesetag

Ein paar Stunden wird die Lichtenfelser Bücherei zur "Insel der Ruhe"

Pfarrerin Anne Salzbrenner hatte ihr Lieblingskinderbuch "Kasperl in Platschanien" zum Vorlesen mitgebracht.
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15 Kinder kauerten am Boden und lauschten der Geschichte vom "Kasperl in Platschanien". Andreas Welz
15 Kinder kauerten am Boden und lauschten der Geschichte vom "Kasperl in Platschanien". Andreas Welz
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"Geschichten zuzuhören, verleiht der Fantasie Flügel" : Denn im Gegensatz zum Fernsehen, das alle Bilder schon vorgibt, lässt das Erzählen und Vorlesen der Vorstellungskraft unserer Kinder viel Raum. Mit Hilfe ihrer Fantasie erzeugen sie dabei selbst "innere Bilder" und gehen beim Zuhören auf Reisen in andere Erlebniswelten. Diese wunderbare Erfahrung durften auch die Drei- bis Siebenjährigen machen, als sie am bundesweiten Vorlesetag in der Stadtbibliothek Lichtenfels teilnahmen.


"Kasperl in Platschanien"

Pfarrerin Anne Salzbrenner hatte ihr Lieblingskinderbuch "Kasperl in Platschanien" mitgebracht, dass ihr 1972 als Achtjährige der Vater geschenkt hatte. Wort- und Stimmgewaltig trug sie die Geschichte von Josef Guggenmos (1922-2003) vor. Der Lyriker und Autor von Kinderbüchern, der als "Meister der kleinen Form" gilt, war einer der bedeutendsten Kinderlyriker der deutschen Literatur. Wegen seiner klaren, tiefgründigen Sprache, die einlädt, mit ihr zu spielen, wird er gleichermaßen von Kindern und Erwachsenen geschätzt.
Zum Inhalt: Kasperl will die große weite Welt erobern. Großmutter versorgt ihn reichlich mit Proviant, den er sogleich zur Hälfte verzehrt. Die andere Hälfte vertilgt sein Begleiter, der Hase Kilian und lässt nur die Bananenschale übrig. Beide gelangen in das Land Platschanien. Dort erleben sie eine verrückte Überschwemmung. Birnen fallen vom Himmel und platschen auf die Erde als riesige Regentropfen. Ein Hochhaus ist aus Holz und ein Sauerkrautfass bringt Post. Die beiden seltsamen Gestalten erfahren, warum der Schirm drei Runden dreht und lernen den König in der Schublade kennen. Schließlich kehrt Kasperl wohlbehalten zur Großmutter zurück.
Bibliotheksleiterin Christine Wittenbauer hatte die Abbildungen im Kinderbuch, eine Ausgabe von 1999, vergrößert und lieferte zum Text die entsprechenden Bilder. "Durch das Vorlesen wird das Leseverständnis der Kinder gefördert und gestärkt. Es ist daher wichtig, dass den Kindern auch zu Hause von ihren Eltern und Großeltern vorgelesen wird", so Wittenbauer. Zudem sei es nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen ein schönes Erlebnis. Im letzten Jahr seien es über 130 000 Teilnehmer die geholfen hätten, ein Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens zu setzen. Denn für das Lesen und Vorlesen brauchen Kinder Vorbilder, die ihnen Lesefreude vermitteln, damit sie später mit mehr Begeisterung selbst zu Büchern, Zeitungen oder E-Books greifen.
Neben der Förderung von Sprachgewandtheit und Kreativität, finde sich beim Lesen und Vorlesen aber auch die wunderbare Möglichkeit im oft, auch für die Kinder, anstrengenden Alltag, eine "Insel der Ruhe" zu schaffen, abzuschalten und neue Kraft zu tanken. Zum Schluss gab es für jedes der 15 Kinder eine Urkunde und ein paar Süßigkeiten. Fides (4) aus Lichtenfels war begeistert: "Es war toll, wie alle so nass geworden sind", war ihr Urteil.
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