Oberlangheim
Einweihung

Ein Ort, um Kraft zu tanken

Auf der Höhe zwischen Oberlangenheim und Uetzing lädt eine neue Bildstockanlage zum Atem holen und zum Genießen der Stille ein.
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Die Bildstockanlage zwischen Oberlangheim und Uetzing. Foto: Mathias H. Walther
Die Bildstockanlage zwischen Oberlangheim und Uetzing. Foto: Mathias H. Walther
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Es ist ein Ort der Stille, auch wenn er direkt an der Straßenkreuzung droben auf der Höhe zwischen Oberlangheim und Uetzing liegt, da wo es zum Gnadenort Vierzehnheiligen geht. Ein Ort der inneren Einkehr und der Ermutigung - geschaffen von Clemens und Lucian Muth, Bildhauer aus Ebensfeld-Unterneuses. Nach fast zehnjähriger Planung und nahezu dreijähriger Entwurfsarbeit und Realisation vor Ort wurde die Bildstockanlage am vergangenen Wochenende eingeweiht.

Idee entstand vor 20 Jahren

Der Landkreis Lichtenfels hat damit einen weiteren sakralen Anziehungspunkt, einen Ruhepunkt für Wallfahrer auf ihrem Weg zur Basilika über dem Maintal, einen Ort der Rast für Wanderer am Obermain.

Die Idee zur Schaffung einer solchen Stätte ist vor rund 20 Jahren entstanden. Damals wollte der frühere Stadtrat und ehemalige Kirchenpfleger von Oberlangheim, Alfred Weis, an dieser Stelle oberhalb Oberlangheims ein Zeichen der Dankbarkeit errichten lassen. Dankbarkeit für das gelungene Fest zum 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr. Er erinnert sich: "Ich beabsichtigte, hier eine kleine Wallfahrtskapelle mit einer Lourdes-Grotte und den 14 Nothelfern zu errichten." Die Kapelle sollte vorbeiziehende Wallfahrten auf dem Weg nach Vierzehnheiligen einladen, hier inne zu halten, sich auszuruhen, zu stärken und sich nach einem Gebet auf die letzte Etappe zu ihrem Ziel, der Basilika zu machen.

Gescheitert ist die Vision von dem kleinen Gotteshaus aber daran, dass der heimische Kirchenrat dem Wunsch von Alfred Weis, dem entsprechenden Antrag ans Erzbischöfliche Ordinariat zuzustimmen, die Einstimmigkeit versagte.

Moderne Madonna

Doch Weis fasste den Entschluss, einen Bildstock wie die "Weiße Marter" oberhalb von Waischenfeld hier zu errichten. Weis' Nachfolger Andreas Kerner, nahm die Anregungen seines Vorgängers auf, verfeinerte sie nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit Bildhauer Clemens Muth, der das Werk gemeinsam mit seinem Sohn Lucian in dreijähriger Arbeit vollendete. Entstanden ist eine moderne Interpretation frommer Traditionen. Orientiert am klassischen Motiv der Schutzmantel-Madonna haben Vater und Sohn Muth ein Werk geschaffen, das sich am Hier und Heute orientiert, zeitgemäßen Glauben ebenso widerspiegelt wie dem Wunsch zahlreicher Menschen nach Ruhe und Geborgenheit entspricht.

Maria als moderne junge Frau

Die Bildhauer haben eine Maria geschaffen, die - ihren Sohn im Arm haltend - mit ihrem wehenden Haar eine junge Frau darstellt, die für Freiheit gleichwohl steht wie für Bewegtheit und Veränderungen. Man schaut nicht auf Maria, man folgt gerne ihrem Blick durch einen diagonal geteilten Quader - vorbei an den reliefartig interpretierten Höhen und Tiefen des Lebens und begleitet von den Symbolen der 14 Nothelfer - auf das Wegkreuz auf der anderen Seite der Straßenkreuzung und darüber hinaus in die Ferne.

Den Künstlern geht es in ihrer Umsetzung nicht nur um Schutz oder Zuflucht: Man wird auch losgelassen, weggeschickt, kann den schützenden Mantel verlassen. Mit der Gewissheit, dass es einen Rückhalt gibt: "Trau Dich, ich stehe hinter Dir."

Viel Symbolik eingearbeitet

Auch politische Botschaften sind eingearbeitet. Etwa beim Drachen, der vom Heiligen Georg erlegt wird. Die Zahlen "39/45" erinnern an das Grauen des Zweiten Weltkriegs, "9/11" an den Anschlag vom 11. September 2001 in New York. Beides, so Clemens Muth, sind Drachen unserer Zeit, die erlegt wurden und nie wiederkommen mögen. Und da ist dann noch der Drachen auf einer Münze, "denn Geld kann nicht nur Gutes sondern auch Böses bewirken".

Eine politische Mahnung auch die Darstellung des Christophorus-Stabes, der durch ein quer auf ihm liegendes (Flüchtlings-)Boot zum Kreuz wird. Deutliche Symbolik, die in elf Kubikmetern verarbeiteten Materials steckt.

100 Festgäste feierten die Einweihung

Nach dem von Bad Staffelsteins Stadtpfarrer Georg Birkel (St. Kilian) zelebrierten Festgottesdienst mit Weihe der Bildstockanlage - musikalisch untermalt und begleitet durch die Uetzinger Blasmusik unter Leitung von Petr Horejsi -, einem Grußwort des Lichtenfelser Bürgermeisters Andreas Hügerich und den Erinnerungen von Alfred Weis sowie Erläuterungen von Clemens Muth, oblag es Kirchenpfleger Andreas Kerner den am Werk beteiligten Personen ebenso wie den zahlreichen Helfern Dank zu sagen und den rund 100 anwesenden Festgästen einen angenehmen Abend zu wünschen. Ihm wiederum dankte Clemens Muth für die "angenehme und gute Zusammenarbeit", indem er ihm eine Mappe mit Skizzen zum vollendeten Werk überreichte.

Initiator Alfred Weis hatte schlussendlich noch drei Wünsche, die er den Anwesenden mit auf den Weg gab: "Möge diese Begegnungsstätte für alle Wallfahrer und Wanderer zu einem Ort der Ruhe und der inneren Einkehr werden und zu einem stillen Gebet einladen; möge diese Stätte auch mit heimischen Bittgängen und Mai-Andachten belebt werden und, möge diese Anlage von jeglichem Vandalismus verschont bleiben."

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