Lichtenfels

Ein Neubau für die Lichtenfelser Stadtwerke

Die Entscheidung für einen Stadtwerke-Neubau in Lichtenfels bedingt eine Investition von rund 1,9 Millionen Euro. Als neuer Standort für Verwaltung und Lager ist der Eichenweg vorgesehen. Emmi Zeulner stellte zunächst die Frage nach der Dringlichkeit, ließ sich aber überzeugen. Der Beschluss im Stadtrat war einstimmig.
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Das Gebäude aus dem Jahr 1965 in der Jahnstraße soll bald als Sitz der Stadtwerke ausgedient haben. Foto: Popp
Das Gebäude aus dem Jahr 1965 in der Jahnstraße soll bald als Sitz der Stadtwerke ausgedient haben. Foto: Popp
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Am Ende gab der Stadtrat einstimmig grünes Licht für einen Neubau des Verwaltungs- und Lagergebäudes der Stadtwerke. Die Argumente für diesen Schritt, der mit erheblichen Kosten von 1,9 Mio. Euro veranschlagt ist, wurden in der Sitzung am Montag hinlänglich dargelegt. Emmi Zeulner (CSU), die zunächst Notwendigkeit und vor allem Dringlichkeit eines Neubaus hinterfragte, bekam deutlichen Gegenwind zu spüren. Ihre Bedenken teilte nur Fraktionskollege Christian Barth, der herausstellte, dass das Thema vom Stadtrat zuvor noch in keiner Weise behandelt worden war. Der Werkausschuss freilich hatte sich schon damit befasst und das Vorhaben befürwortet. Doch stehen dessen Sitzungen nicht gleichermaßen im öffentlichen Fokus wie die des Stadtrates. Daher dürfte auch für viele Bürger das Anliegen, das Stadtwerke-Leiter Dietmar Weiß eingehend erläuterte, nicht wirklich bekannt sein.

50 Jahre altes Gebäude

Die Bausubstanz des rund 50 Jahre alten und eigentlich als Wohnhaus konzipierten Gebäudes in der Jahnstraße wird als dringend sanierungsbedürftig angesehen. Es herrscht dort Platzmangel, und die Auslagerung des Rohrlagers nach Oberwallenstadt ist für den Betriebsablauf hinderlich und mit zusätzlichen Kosten verbunden, wie Weiß darlegte. Für 13 Monteure gibt es nur eine Dusche, was der Arbeitsstättenverordnung nicht mehr entspricht. Um das alte Gebäude auf den erforderlichen Stand zu bringen, müssten 2,15 Mio. Euro aufgewendet werden - mehr Geld also, als für einen Neubau nötig wäre. Überdies verspricht sich der Leiter der Stadtwerke durch eine Auslagerung mit einem modernen Neubau am Eichenweg, nahe der Gasübergabestation, optimierte Arbeitsabläufe und damit auch Einsparungen. Da die Kreditaufnahme durch die Stadtwerke erfolgen würde, würde der städtische Haushalt nicht belastet, und die Bedingungen hierfür seien derzeit günstig.

Stadtnahe Fläche wird frei

Zudem würde dann stadtnah eine Fläche von 4500 Quadratmetern frei, die für einen Investor interessant sein dürfte. Die voraussichtliche Erhöhung der Wassergebühren nach Umlegung der Kosten bezifferte Weiß auf etwa vier Euro im Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt. Robert Gack (CSU) merkte an, dass es diese Verteuerung auch geben würde, wenn der Altbau saniert werde.

Viele Redner betonten, dass sie dringenden Handlungsbedarf sehen. Eine Sanierung wäre ein Schildbürgerstreich, meinte Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (Freie Wähler), Win fred Bogdahn (SPD) sah in einem Neubau eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Maßnahme. Sein Fraktionskollege Sven Eisele fragte, warum man das Problem nicht schon eher angepackt habe, und er stellte den Begriff Investitionsstau in den Raum. "Es sind schon gravierende Mängel", fasste Roland Lowig (Wählervereinigung Leuchsental-Jura) zusammen, ein Neubau sei kein Luxus. Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) sah in dem Vorhaben eine Investition in die Zukunft.

Weitere Beschlüsse über hohe Investitionen

Im Vorgriff auf den Haushalt 2015 hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Montagabend weitere Beschlüsse über erhebliche Investitionen gefasst - alle einstimmig. Darunter befand sich die Finanzierungszusage für die Generalsanierung des Kindergartens "Löwenzahn" in Schney. Rund 1,5 Millionen Euro wurden hier bewilligt, Auslagerungskosten kommen noch hinzu. Die evangelische Kirchengemeinde Schney wird einen Eigenanteil von zehn Prozent aufbringen müssen, mindestens 150.000 Euro. Die Bauarbeiten sollen so bald wie möglich beginnen und bis zum Spätherbst abgeschlossen sein.

Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen an der Dreifachturnhalle sowie an beiden Rathäusern schlagen ebenfalls mit erheblichen Summen im Etat zu Buche. Außerdem steht der Bau von Regenüberlaufbecken mit Hochwasserpumpwerk für den Einzugsbereich Lichtenfels-Nord an.


Brandschutz und teure Sanierungen


Viel Geld muss die Stadt in den nächsten Monaten aufwenden, um den gestiegenen Anforderungen an den Brandschutz in der Dreifachturnhalle an der Friedenslinde Rechnung zu tragen. Gefordert wird der Einbau von Brand- und Rauchschutz- sowie Fluchttüren, außerdem die Sicherung, bzw. Schaffung von Rettungswegen. Die Sanierung der Wasch- und Duschräume ist mit eingeplant. Ein Architekturbüro hat die Kosten insgesamt auf 925.000 Euro geschätzt. Der Stadtrat stimmte am Montag dem Vorhaben zu. In den Osterferien soll mit den Arbeiten begonnen werden, um sie bis zum Spätherbst abschließen zu können. Ulrich Sünkel vom Bauamt hat die knapp 40 Jahre alte Dreifachturnhalle als "Überraschungsbox" bezeichnet, bei der jetzt beim genauen Hinschauen hie und da nicht fachgerechte Ausführungen von einst zutage treten.

Rathausdach wird angepackt

Nägel mit Köpfen werden nach Jahren des Hinausschiebens nun beim Rathausdach gemacht. Bereits im Sommer 2010 waren die Fäulnisschäden im Gebälk des historischen Gebäudes festgestellt und Notsicherungsmaßnahmen getroffen worden. Vor Ende April/Anfang Mai kann laut Ulrich Sünkel mit den Dacharbeiten aus Witterungsgründen jedoch nicht begonnen werden.

Auch das Dach des Rathauses II ist nicht mehr, wie es sein soll. Hier sind eine Neueindeckung, neue Fenster, Dachrinnen und Blitzschutz vorgesehen. Im historischen Rathaus, das, wie der Bürgermeister ausführte, wohl auch noch während des Korbmarktes eingerüstet sein wird, sollen im Zuge der Sanierung ebenfalls Brandschutzmaßnahmen und das Thema Barrierefreiheit aufgegriffen werden.

Aufzug-Einbau

Beschlossen ist der Einbau eines Aufzuges. Dass dieser mit 200.000 Euro günstiger als zuerst angedacht ausfallen wird, freute nicht zuletzt Behindertenbeauftragten Georg Meißner (CSU), der in einem Schreiben an die Verwaltung dargelegt hatte, dass die anfangs angenommenen Kosten von rund 500.000 Euro ihm überteuert erscheinen.

Für die Rathäuser ist nach einstimmigem Stadtratsbeschluss im Haushaltsplan rund eine Million Euro vorgesehen; im Haushalt 2016 müssen weitere 800.000 Euro eingeplant werden.


Regenüberlaufbecken


Drei Regenüberlaufbecken mit Schacht, Pumpen und Kanalleitungen - macht zusammen drei Millionen Euro. Das ist, verknappt wiedergegeben, die große Aufgabe, die die Stadt in den Jahren 2015/16 angehen muss. Die Kosten werden auf beide Haushaltsjahre aufgeteilt, heuer sind 1,7 Mio. vorgesehen. Stadtbauamtsleiter Jürgen Graßinger erläuterte am Montag den Stadträten, dass die Anforderungen an die Mischwasserbehandlung aus dem Bereich Alte Coburger Straße/Stiftsland nur unzureichend erfüllt werden. Die Kläranlage kann maximal 200 Liter Wasser pro Sekunde bewältigen. Bei Starkregen muss es entsprechende Rückhaltesysteme zur Entlastung geben. Klimaveränderungen und Versiegelung der Landschaft haben die Problematik verschärft. Winfred Bogdahn (SPD) sprach von einer "zwingenden Pflichtaufgabe".

Weil die Kosten umgelegt werden müssen, ist mit einer Anhebung der Abwassergebühren um zirka 20 Cent pro Kubikmeter ab dem übernächsten Jahr zu rechnen.

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