Lichtenfels
Porträt

Ein Lichtenfelser schreibt über Muskelaufbau und Manolito

Der Lichtenfelser Uwe Kraus erzählt vom harten Brot, Bücher auf den Markt zu bringen, die sich verkaufen lassen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Uwei Kraus weiß, wovon er bei "Masse und Kraft" schrieb. Als Sportler hat er Erfolge. Foto: Markus Häggberg
Uwei Kraus weiß, wovon er bei "Masse und Kraft" schrieb. Als Sportler hat er Erfolge. Foto: Markus Häggberg

Uwe Kraus ist nebenbei Taxifahrer. "In weiter Ferne", so sagt er, plane er auch ein Buch darüber zu schreiben. Themenarmut gibt es derzeit bei ihm nicht, denn jüngst erschien mit "anolito sein drittes Buch zum dritten Thema. Erfahrungen eines Produktiven.

Wenn man Uwe Kraus im Fitness-Studio trifft, dann stemmenderweise. Er packt sich Gewichte auf die Stange und bewegt Zentner. Kraus trainiert regelmäßig, was ihm vor wenigen Jahren auch den Titel bei einer Internationalen Deutschen Meisterschaft im Bankdrücken (Altersklasse 55+) einbrachte. Die Urkunde dazu hängt an der Wand seines Arbeitszimmers, in Nachbarschaft zu der Urkunde, die ihm eine Teilnahme an einem von Arnold Schwarzenegger geleiteten Ernährungs- und Trainingsseminar bescheinigt.

Zimmer mit Gegensätzen

Hier, in diesem Zimmer mit kleiner Bibliothek und Computer, entstand sein Buch WordPress, entstand das Kraftsteigerungsbuch Masse und Kraft und der Abenteuerroman Manolito. Hier befinden sich allerdings auch Gegensätze. Da wäre das Regal voll mit Büchern und Recherchematerial zu Excel, Word, Powerpoint und Webseitengestaltung, hier, unter einem Drucker, gibt es auch jede Menge Nachschlagwerke zu Muskelaufbau und Ernährung. All das Gedruckte findet Ergänzung durch einen Wust an Akten und Recherchenotizen. Und wie zum Kontrast zur Arbeit, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes eine Art Jugendecke mit Comics in edlen Bänden und als Taschenbuchausgaben.

Telefonieren beim Training

Zurück zur Hantelbank. Kraus stemmt, stemmt und beobachtet. Was er bei seinem Training sah, floss in sein Buch Masse und Kraft ein. "Gerade junge Leute wollen Gewicht, Gewicht, möglichst viel Gewicht aufladen", erklärt der 61-Jährige und geht in seinem Buch auf die Hauptfehler solcher und anderer Denkungsarten ein. "Die Gewichte sind oft zu schwer, die Pausen zwischen den Sätzen (den einzelnen Übungen) sind zu lang, die Leute reden während der Übungen. Anrufen tun sie niemanden während des Trainings, aber wenn sie angerufen werden, dann gehen sie ans Telefon und der Muskel wird kalt."

Doch in seinem Buch geht es nur beiläufig um derlei Anekdotisches, der Schwerpunkt liegt auf Fragen zu Stereoiden, zum Muskelaufbau, zur Ernährung und zu Techniken des Kraftgewinns durch Training. Fünf Monate, so der Lichtenfelser, habe allein die Recherche in Anspruch genommen und das für ihn selbst spannendste Kapitel sei jenes zu den Steroiden gewesen. "Eben weil ich nie etwas damit zu tun hatte", betont Kraus. In seinem neuesten Buch geht es nicht um WordPress, nicht um Sport, sondern um Abenteuer in Südafrika, 232 Seiten dick mit einem Helden namens Manolito, der sich eine Auszeit nimmt und unter zwielichtige Typen gerät. Auch dazu bedurfte es der Recherchen zu Landestypischem und das Ergebnis funktioniert nach dem Prinzip Book on demand, also Einzeldruck nach von einem Interessenten bezahlten Druckauftrag.

Doch schreibt sich Kraus nur etwas von der Seele bzw. würde er auch dann Bücher schreiben, wenn klar wäre, dass sie sich nie verkauften? "Nein, wozu sollte ich?", hält Kraus entgegen. Sein Traum ist der Erfolg. Es geht ihm ums Verkaufen, es geht somit auch um all das, was man tun muss, um Bücher ins Gespräch zu bringen. Man muss auf Verlage und Zeitungen zugehen, so kam Kraus auch zu einem Interview in "Die Welt", das ihm dort zu "Masse und Kraft" gewährt wurde. Das habe "zumindest Kommentare bewirkt".

"Ich habe Bücher gelesen, darüber, wie man Bücher schreibt, wie man sie in Verlage bringt und bewirbt." Das beginnt schon mit dem Zeilenabstand, den man bei Vorlage eines Manuskripts für die Korrekturen und Notizen der Lektoren einhalten muss. Besser man weiß darum.

Überhaupt, so der Lichtenfelser, überlege er schon beim Schreiben, wie man ein Buch bewerben könne. Manolito habe er darum "im Hinblick auf Afrika-Festivals geschrieben", die derzeit in Deutschland an Popularität gewinnen. Bei ihnen und in der jeweiligen Lokalpresse will er für Manolito Interesse gewinnen.

Mit Agenturen, die Mittlerdienste zwischen Autor und Verlag leisten, hat Kraus sich auch beschäftigt. Bei 15 Prozent, so sagt er, liege die Vermittlerprovision. "Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass Agenturen nur noch Autoren nehmen, mit denen sie schon Erfolge hatten."

Es ist ein hartes Brot, wenn man sich auf das Schreiben einlässt. Bis zu sechs Monaten kann man auf Antworten von Verlagen warten. Doch Kraus sagt von sich, dass er bei "Verlagszusagen nicht ungeduldig" sei, weil er "ja weiß, wie es da so zugeht". Doch manche Verlage antworteten gar nicht erst. Dann schmerze dieses Schweigen "in dem Sinne, weil du nie weißt, weshalb das Manuskript abgelehnt wurde".

Nun habe sich, so sagt Kraus, der Gmeiner-Verlag bei ihm gerührt und in Aussicht gestellt, ein Buch von ihm zu veröffentlichen. "Scharf auf Serien", sei dieser Verlag, führt Kraus aus. "Der will wissen, wie man Serien entwickeln kann." Dann ist der Autor gefordert, seine Figuren dem Verlag gegenüber zu erklären, sie auszuloten, selbst noch die Nebenfiguren. Wieder Arbeit, wieder Hoffnung und immer noch Unverbindlichkeit.

Ein nächstes Buchprojekt gibt es schon, selbst ein übernächstes. Es wäre eine Negativutopie, die im Jahre 2098 spielt. Doch in der Echtzeit von 2018 hält der Literaturbetrieb durch Globalisierung auch Überraschungen vor, denn neben den Verkäufen in Deutschland, habe sich "Kraft und Masse" jüngst zweimal in England und zwölfmal in Nordamerika verkauft. Das wundert Kraus auch.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren