Lichtenfels
Gedenken

Ein Licht für Miteinander und Versöhnung

Vor der ehemaligen Synagoge, dem einstigen spirituellen Zentrum der Juden, versammelten sich am Jahrestag der Reichspogromnacht Hunderte Lichtenfelser.
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Georg Birkel beim Entzünden des Lichts, einem hoffnungsvollen Akt für Miteinander und VergebungMarkus Häggberg
Georg Birkel beim Entzünden des Lichts, einem hoffnungsvollen Akt für Miteinander und VergebungMarkus Häggberg
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Es lag eine Liturgie vor. Sie begann schon am Vortag und besonders auch an diesem Ort. Beim Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht von 1938 waren am Freitag auch die jüdischen Mitbürger Arnold und Sofie Seliger unter den Menschen, die zur ehemaligen Synagoge fanden. Zwar nur namentlich, aber als "Stolpersteine" doch buchstäblich.

Es mögen sich wohl bald an die 200 Menschen vor dem einstigen Gotteshaus eingefunden haben. Die Menora, der siebenarmige Leuchter, sandte vor dem früheren Hauptportal Kerzenschein in die Dunkelheit der Nacht. So wie es auch die Kerzen taten, die viele Besucher mit zu dem Ort brachten, der spirituelles Zentrum der Juden in Lichtenfels war.

"Frieden schaffen ohne Waffen"

Hier war Symbolik zu finden. Zwölf Steinblöcke liegen um einen Baum, die zwölf Stämme Israels bezeichnend. Dort, nahe bei ihnen, stand auch Bürgermeister Andreas Hügerich und blickte in die Flammen. Eine Frau in der Schar der Besucher wandte sich an ihre Nachbarin und plädierte dafür, diese alljährliche Besinnung auf das Geschehen vom 9. auf den 10. November 1938 immer hier stattfinden zu lassen. Andere Menschen hielten ein Spruchband mit der Aufschrift "Frieden schaffen ohne Waffen" in die Höhe.

Das Gedenken an Einstiges und die Sorge um Künftiges fanden in der Judengasse gegen 18 Uhr zueinander. "Im Namen der evangelischen und katholischen Jugend begrüße ich Sie. Ich bin begeistert, dass es so viele sind, die hierher gefunden haben", eröffnete Dekanatsjugendreferent Reiner Babucke, ans Mikrofon vor der Synagoge tretend. Ihm zur Seite stand Pastoralreferent Tomas Reich.

Gemeinsam schufen sie mit den Bad Staffelsteiner Pfarrern Helmuth Bautz und Georg Birkel musikalische und textliche Besinnlichkeiten. So lautete auch ein beeindruckender Satz des Abends, der in seine Stille gesprochen wurde, wie folgt: "Was müssen wir tun, dass wir nicht vergessen, wie schnell Menschen zu mitleidlosen Monstern werden?" Die Antwort darauf gab ein Lied, mitgesungen aus allen Kehlen: "Bleibet hier und wachet mit mir."

Vorspiel zur Massenvernichtung

Wohl 400 Menschen jüdischen Glaubens fanden reichsweit in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch judenfeindliche Aktionen nazistischen Mobs den Tod. So zogen auch gewaltbereite Schläger durch Lichtenfels, Geschäfte jüdischer Mitbürger plündernd und verwüstend, die Tür der Synagoge mit einem Balken einrammend, ihre Fenster zerschlagend und ihr Inneres verwüstend. Auch hier wie reichsweit ein Vorspiel zur Massenvernichtung der Juden.

Auch in Lichtenfels kamen jüdische Mitbürger zu Schaden, wurden erniedrigt und gepeinigt. Für sie verlosch Bautz immer wieder ein Licht an der Menora, für ein künftiges besseres Miteinander sollte Birkel dort später aber auch wieder Licht entzünden. Auch gemahnte Birkel an Zivilcourage, an Widerstandsbewegungen wie die Weiße Rose, den Kreisauer Kreis oder die der Generale des 20. Juli.

Eine Stunde sollten die Menschen zusammenstehen und gemeinsam Andacht halten. Als sie wieder auseinander gingen, gaben sie den Blick auf die beiden Stolpersteine vor der Synagoge frei. Sie gehören Arnold und Sofie Seliger, den Tod gefunden 1941 und 1938.

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