Bad Staffelstein
Fest

Ein Jubiläum für eine Hymne

Vor 160 Jahren entstand das Frankenlied von Victor von Scheffel. Im Spitalhaus findet dazu eine kleine Feier mit Vortrag und Gesang statt.
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Auf der Fassade des Spitalhauses in Bad Staffelstein stehen die ersten Worte aus dem Frankenlied. Foto: Tobias Kindermann
Auf der Fassade des Spitalhauses in Bad Staffelstein stehen die ersten Worte aus dem Frankenlied. Foto: Tobias Kindermann
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Es ist kein Jubiläum im engeren Sinne, aber der Anlass ist auch eher unterhaltsamer Natur. 1859 entstand der Text zum Frankenlied, der inoffiziellen Landeshymne von Franken. Im Bad Staffelsteiner Spitalhaus wird das am morgigen Donnerstag, 11. Juli, ab 18 Uhr gefeiert mit einem Vortrag der Scheffel-Expertin Natalie Gutgesell und dem Männerchor Frankonia.

Doch wenn man es genau nimmt, könnte man auch noch einmal in zwei Jahren ein 160-Jähriges feiern. Denn Text und Lied fanden erst im Jahr 1861 zusammen, als Valentin Eduard Becker die Melodie dazu beisteuerte. Becker war Stadtkämmerer in Würzburg und Komponist.

Betrachtet man die Geschichte, wie die Entstehung ablief, darf man schon von einem gewissen Zufall sprechen, dass die Franken heute so ein Lied haben.

"Scheffel und Becker standen in keinem engeren Kontakt", sagt Natalie Gutgesell. Victor von Scheffel war ein gern gelesener Schriftsteller, und als solcher bekam er auch einige Fanpost. "Das sind manchmal einige hundert Briefe am Tag gewesen. Deshalb benutzte er sogar vorgedruckte Formulare zum Antworten." Auch Valentin Eduard Becker war einer dieser Fans, der sich an Scheffel aber mit einer besonderen Bitte gewendet hatte. Er wollte von ihm einen Text bekommen, den er vertonen könnte.

Sich aus Fundus bedient

Scheffel bediente sich aus einem Fundus, mit einem etwas umgearbeiteten Text aus einem Buch, an dem er schon länger gearbeitet hatte, dem Wartburgroman. An diesem Werk schrieb er bis 1861 und es umfasste am Ende 3699 Seiten. Doch es war ein unübersichtliches Projekt geworden, mit vielen Handlungssträngen, das ihm am Ende über den Kopf wuchs - weshalb er es nicht zu Ende führte.

Becker hat also einer kleinen Textstelle aus diesem Roman durch seine Vertonung zu großer Berühmtheit verholfen.

Der Text entstand bei einem Aufenthalt auf Kloster Banz, als sich Scheffel von einer Krise erholte. "Heute würde man vielleicht dazu auch Burn-Out sagen. Das Lied spiegelt auch einfach viel von der Freude wieder, dass es ihm wieder besser ging." Wer das Frankenlied also als eine Art Hymne sieht, mit der man ein politisch hinterfüttertes Landesbewusstsein zum Ausdruck bringe, liege also falsch, sagt Gutgesell.

Es soll morgen also eher heiter zugehen, Gutgesell erzählt Anekdoten, die auch aus ihrem Kulturreiseführer "Wege zu Scheffel", stammen. Wer dabei sein will, kann sich gerne noch einen Tisch unter 0172/1402705 reservieren.

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