Bad Staffelstein
Gleichberechtigung

"Ein Damenschnitt wäre schön!"

Nicole Trapper ist seit sie zwölf Jahre alt ist bei der Feuerwehr Bad Staffelstein. Sie zeigt, dass man als Frau bei der Feuerwehr viel erreichen kann.
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Nicole Trapper ist stellvertretende Komandantin bei der Feuerwehr Bad Staffelstein.  Foto: Stefanie Gleixner
Nicole Trapper ist stellvertretende Komandantin bei der Feuerwehr Bad Staffelstein. Foto: Stefanie Gleixner

Der Entschluss, zur Feuerwehr zu gehen, stand für Nicole Trapper nie zur Diskussion. Er wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. "Mein Opa und mein Vater waren schon bei der Feuerwehr und bei den befreundeten Familien waren ebenfalls alle bei der Feuerwehr. Auch die Kinder - deswegen wollte ich das auch", sagt Nicole Trapper.

Die anderen Kinder waren allerdings alle Jungs. Als zwölfjährige bei der Jugendfeuerwehr in Bad Staffelstein gab es nur noch ein weiteres Mädchen. Die verließ dann irgendwann die Feuerwehr und Nicole Trapper blieb alleine zurück. Zehn Jahre lang ging das so.

Schwierigkeiten am Anfang

"Am Anfang war das schon schwer. Besonders die älteren Kameraden haben mich als Frau nicht so akzeptiert, bis sie sich daran gewöhnt hatten. Und sie mussten sich daran gewöhnen, weil ich ja dabei bleiben wollte", lacht die 37- Jährige.

In der Anfangszeit gab es oftmals Gerede von den Kameraden hinter ihrem Rücken, dass sie die Ausbildung und die Prüfungen sowieso nicht schaffen würde. Einen Unterschied bei der Ausbildung gibt es aber nicht. "Egal ob Frau oder Mann, die Prüfungen laufen genau gleich ab und haben die gleichen Ansprüche", erklärt Nicole Trapper.

Bei den Lehrgängen und Prüfungen in ganz Bayern war sie anfangs immer alleine. Mit der Zeit kam aber die eine oder die andere Frau mit dazu.Und jetzt werden es immer mehr. "Ein lustiges Erlebnis gab es beim Verbandsführerlehrgang. Die Männer dort haben mich immer wieder gefragt, ob ich mich nicht verlaufen hätten und zu einem rangniedrigeren Lehrgang möchte", sagt Nicole Trapper, die über solche Geschichten lachen kann. Was ihr aber bei solchen bayernweiten Lehrgängen aufgefallen ist, dass es besonders in Oberfranken viel mehr Frauen bei der Feuerwehr gibt wie im Rest Bayerns.

Ihre Leistungen zeigen, dass sie es sehr wohl schafft und mit den Männern mithalten kann. "Das größte Problem war aber dann, als ich mit 21 Jahren den Lkw-Führerschein gemacht habe. Das gab einen riesen Aufschrei", sagt die Bad Staffelsteinerin. Damals war sie die erste Frau im Landkreis, die einen solchen Führerschein besaß.

"Es kamen öfters Sprüche wie 'als Frau kannst du nicht Lkw fahren' oder spöttische Bemerkungen, dass sie nicht glauben, mit mir am Steuer sicher ans Ziel zu kommen", erzählt Nicole Trapper. "Doch diese Zeiten sind vorbei."

Seit 2005 gab es keine Probleme mehr: "Ich habe aber auch davor nie große Anfeindungen erlebt. Das waren halt Sprüche am Anfang und eine gewisse Skepsis, die von den Älteren kam. Mehr aber auch nicht." Die Zeiten hätten sich geändert, meint Nicole Trapper.

Die Generation, die jetzt bei der Feuerwehr ist, kennt Nicole Trapper schon seit ihrer Jugendzeit und da waren sie schon eine Gemeinschaft und jetzt immer noch - das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

Im Landkreis gibt es insgesamt 426 weiblich aktive Feuerwehrdienstleistende von insgesamt 3631 Aktiven. In Bad Staffelstein sind derzeit sieben aktiv in der Einsatzmannschaft - und das seit knapp fünf Jahren.

Keine Schuhe in 35/36

Dies bestätigt auch Kreisbrandrat Timm Vogler: "Es gibt bei uns im Landkreis keine Probleme zwischen Frauen und Männern bei der Feuerwehr. Ich wüsste nicht, dass es zu irgendwelchen Anfeindungen kommen würde. Sonst würde ich dagegen vorgehen. Das einzige Problem, das wir hatten war, dass es keine Feuerwehrstiefel in Größe 35/36 gab, aber das hat sich nun auch geändert."

"Wir sind in vielen Bereichen auf Frauen angewiesen, denn ohne sie wäre der Rettungseinsatz das ganze Jahr über nicht möglich", sagt Timm Vogler.

Und das sieht man auch, wenn man die Positionen von Nicole Trapper bei der Feuerwehr betrachtet. Seit vier Jahren ist sie nun stellvertretende Kommandantin der Feuerwehr in Bad Staffelstein, davor war sie Kreisbrandmeisterin. "Meine Arbeit wurde von der Mannschaft und den Führungspersonen geschätzt. Deswegen wurde ich in die Kommandantenposition gewählt", erklärt Nicole Trapper.

"Bei der Feuerwehr unterscheiden wir nicht zwischen Mann und Frau. Jeder kann die selben Aufgaben übernehmen und ausführen. Jeder darf Löschfahrzeuge fahren, Atemschutzgeräte tragen oder Arbeiten mit der Schere durchführen", sagt Timm Vogler.

"Wir müssen uns im Einsatz aufeinander verlassen können und zusammenarbeiten, egal ob Mann oder Frau. Und das ist es, was ich an der Feuerwehr sehr schätze. Die Gemeinschaft spielt hier eine sehr große Rolle", beschreibt Nicole Trapper.

Trotzdem gibt es auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die sich in der Feuerwehr bemerkbar machen. "Frauen denken bei Einsätzen oft anders wie Männer. Sie gehen an die Arbeit anders heran, manchmal auch ein bisschen ruhiger", sagt Trapper.

Mehr Dekorationen

Und auch das Feuerwehrhaus in Bad Staffelstein freut sich über den Frauenstamm. "Ich habe die Floriansstube ein bisschen schöner und wohnlicher gestaltet, weil das davor nicht sehr gemütlich war. Und es gibt jetzt viel mehr Dekoration bei Weihnachtsfeiern oder anderen Festen, was es ohne uns Frauen vorher nicht gab", sagt die 37-Jährige.

"Was noch schön wäre, wenn es die Einsatzklamotten in Damenschnitt geben würde, denn wir Frauen haben einfach nicht so ein breites Kreuz wie die Männer", wünscht sich Nicole Trapper. Das Klischee, dass alle Frauen bei der Feuerwehr Mannsweiber sind, wäre damit auch widerlegt.

Auf die Frage, warum Frauen zur Feuerwehr gehen sollten, antwortet Nicole Trapper: "Man sollte immer zur Feuerwehr gehen, nicht nur als Frau."

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